Peggy Liu für ein grünes China

Für die zweifache Mutter ist jetzt die richtige Zeit und ihr Domizil Shanghai der richtige Ort, eine nachhaltige Entwicklung in China voranzubringen. Dabei ließ Lius Werdegang erst ganz anderes vermuten: Ihre Familie stammt zwar aus Hunan in Mittelchina, sie selbst aber wuchs in den USA auf und studierte am Massachusetts Institute of Technology Elektrotechnik und Informatik. Mit Fortbildungen in den Bereichen „Internationale Führungskräfte“ und „Öffentlichkeitsarbeit“ arbeitete sie als Unternehmens-beraterin und Risikokapital-Anlegerin. Den Job gab sie im Jahr 2007 aber auf, um eine Nichtregierungsorganisation zu gründen. Diese Institution nennt sich ‚Joint US-China Collaboration on Clean Energy‘, kurz JUCCCE – ausgesprochen wie das englische Wort für ‚Saft‘. Hinter dem etwas umständlichen Namen verbirgt sich vor allem die Zusammenarbeit der zwei Supermächte USA und China beim Thema ‚saubere Energie‘.

Die in Shanghai ansässige Organisation kam durch ein Forum zustande, das Peggy Liu mit organisierte. Es ging auf der Konferenz um die Zukunft der Energie in China – das wpeggy-liuar der erste öffentliche Dialog zwischen den USA und China zu dem Thema. Mit JUCCCE will Liu zeigen, was in einem Land der Superlative alles möglich ist. Innerhalb der nächsten Jahre soll sich China demnach zu einem Labor für saubere Energien entwickelt haben. Skeptikern aus dem Ausland begegnet die 45-Jährige oft temperamentvoll: „Eine Frage, die ich außerhalb Chinas oft gestellt bekomme, ist, ob China und seine Bewohner wirklich grün werden wollen. Natürlich wollen sie das. Es geht nur um die Frage, wie.“

Und an dieser Frage arbeitet Peggy Liu zusammen mit Konsumenten, Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen. Zudem hat JUCCCE gute Beziehungen nach oben. Denn die Organisation spricht die jeweiligen Gesetzgeber an: Mit der Schulung von inzwischen 600 Regierungsbeamten zum nachhaltigen Städtebau entwirft Lius NGO Chinas Zukunft aktiv mit. Dieses Prinzip funktioniert in der hierarchisch aufgebauten Volksrepublik sowieso ziemlich gut: Die Regierung gibt eine Laufrichtung vor und ein Großteil der Bevölkerung passt sich dann der neuen Richtung an. Mögen es viele Europäer als noch so unvorstellbar empfinden, wenn neue Megastädte in China entstehen: Es birgt auch die Chance, zurück auf Start zu gehen und innovativ zu sein.

Für einen energetischen Kurswechsel kämpft die Organisation JUCCCE nicht nur, wenn es um Verstädterung geht. So führte deren Arbeit mit Hilfe internationalen Expertenwissens zur Einführung eines Smart Grids in China. Ein weiteres Projekt von Peggy Liu nennt sich ‚Chinas Traum‘ und zielt auf einen nachhaltigen Konsum jenseits der westlichen Welt ab. Die pathetische Formulierung soll der wachsenden Mittelschicht verdeutlichen, dass ein nachhaltiger Lebensstil nicht nur sinnvoller, sondern auch erfüllender sein kann.

Im Jahr 2012 erhielt die eloquente Vorreiterin den Hillary Step Award, weil sie sich für Lösungen zum Klimawandel stark macht. Dies ist nicht ihre einzige Auszeichnung: Das Time Magazine ernannte sie zur ‘Umweltheldin’, die Zeitschrift Forbes zu einer der ‚aufsehenerregensten Frauen Asiens‘.

Peggy Liu ist optimistisch, Chinas Sichtweise auf die Umwelt in naher Zukunft ändern zu können. Und je mehr Menschen sich dafür einsetzen, desto besser: „Es braucht nur wenige leidenschaftliche Individuen, um einen Richtungswechsel herbeizuführen. Deshalb frage ich dich: Wenn dich die langsamen Reaktionen auf den Klimawandel so frustrieren, weshalb bist du dann noch nicht in China?“

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