Öko-Endzeit-Autorin als Hoffnungsträgerin

„Alles, was es braucht, ist die Eliminierung einer Generation. Irgendeine Generation. Käfer, Bäume, Mikroben, Wissenschaftler, Französisch-Sprechende, was auch immer. Unterbreche die Verbindung zwischen einer Generation und der nächsten und das Spiel ist vorbei.“ Mit ihren provokanten Aussagen und beklemmenden Zukunftsszenarien möchte Margaret Atwood die Leser aufrütteln, ihr Konsumverhalten zu ändern. Damit plädiert die 74-jährige Kanadierin an den Verstand und die Einsicht der Bevölkerung.

Das betrübliche Zitat stammt aus Margaret Atwoods Roman ‚Oryx und Crake‘ . Mit ihren gewählten Untergangsszenarien erinnert die kanadische Schriftstellerin an diverse Romane von George Orwell. Meist hat sie es in ihren Erzählungen jedoch auf von Menschenhand verursachte Umweltkatastrophen abgesehen. In den düsteren Zukunftsgeschichten möchte Margaret Atwood ihre Leser anstoßen: „Wir stehen vor vielen Herausforderungen: Klimawandel, Überflutungen, Dürre. Unser jetziges System kann auf Dauer nicht erfolgreich sein. Zu den größten Problemen werden sowohl die Energie- als auch die Nahrungsversorgung gehören.“ Nicht verwunderlich also, dass der Autorin die meisten Ideen beim Lesen der Zeitung kommen.

Vernetzte Naturverbundenheit

Doch nicht nur in der Welt des Science Fiction erinnert uns Margaret Atwood an Klimawandel und Umweltzerstörung. Sie engagiert sich ebenso politisch, unter anderem als Mitglied der ‚Grünen Partei Kanadas‘. Zudem kritisiert sie die kanadische Regierung für den Ausstieg aus dem Kyoto-Protokoll und die geringe Motivation, die Emissionen von Kohlenstoffdioxid zu verringern.

Des Weiteren hat Margaret Atwood das Internet als Form des Protestes für sich entdeckt. Und mit ihren 74 Jahren ist sie erstaunlich fit, wenn es um soziale Netzwerke geht. Als rege Nutzerin von Twitter verbreitet sie des Öfteren Aktionen, unter anderem von der internationalen Bürgerbewegung ‚avaaz‘. Zudem engagiert sie sich in der Organisation BirdLife International und ist Förderin vieler anderer NGOs wie zum Beispiel ‚Friends of the Earth‘. Weitere Projekte, die dem Vogelschutz dienen, sind ihr ein besonderes Anliegen: Als Kaffee- und Vogelliebhaberin setzt sie sich für die Verwendung von im Schatten gewachsenen Kaffeestauden ein, da bei einer Sonnenreife viele Pestizide eingesetzt werden müssen. Dies erschwert dann die Nahrungssuche bestimmter Zugvögel.

Die Verbundenheit mit der Natur fing bei Margaret früh an. Einen Teil ihrer Kindheit verbrachte sie im Norden Kanadas in der Wildnis und ohne Elektrizität. Ihr Vater arbeitete als Insektenforscher und reiste mit seiner Familie aus diesem Grund an unberührte Orte. Die Eltern von Margaret waren sehr umweltbewusst und zählten schon früh zu den Mitgliedern des Sierra Club, der ältesten Naturschutzorganisation der USA.

Vorbild im Alltag

Margaret bevorzugt öffentliche Verkehrsmittel wie die Bahn und versucht, dem Flugzeug so weit wie möglich zu entsagen. Für die Vorstellung ihrer Bücher in England überquerte sie den Atlantik auch schon einige Male mit dem Schiff. Ihre Buchtouren sind dank Ausgleichsmaßnahmen wie Investitionen in Solarenergie CO2-neutral. Auch der ökologische Fußabdruck wird von Atwood auf deren Reisen berechnet. Die Bücher der Schriftstellerin sind zu 100 Prozent aus recyceltem Papier. Zu Hause fährt sie ein Hybridauto, bezieht Ökostrom und nutzt Sonnensegel bei Hitze statt einer Klimaanlage. Margaret Atwood handelt aus der Motivation heraus, „unsere extravagante Präsenz auf der Erde etwas abzuschwächen“.

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Ihrer Meinung nach, ist es noch nicht zu spät etwas zu tun. Aus diesem Grund bezeichnet Atwood ihre Bücher auch als hoffnungsvoll. Denn noch sind die geschriebenen Zeilen nicht in die Wirklichkeit übergetreten: „Der gleiche endlose Einfallsreichtum, mit der Menschen die Natur zerstören, kann auch helfen, diese zu retten.“

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