Gegen Palmöl auf Kosten des Regenwaldes

Viele der im Supermarkt erhältlichen Lebensmittel enthalten Palmöl. Dazu gehören Kekse, Margarine oder auch Babynahrung, bei deren Produktion Palmöl als Zusatzstoff verwendet wird. Auch Waschmittel und Kosmetika enthalten das Öl. Durch den ansteigenden globalen Konsum der Lebensmittel und anderer Bedarfsartikel, die derart hergestellt werden, ist die Nachfrage in den letzten Jahren stetig gewachsen. Die Folge davon ist, dass die Palmölplantagen sich ausdehnen und tropische Wälder abgeholzt werden und mit ihnen der Lebensraum für bedrohte Tierarten. Verhindern will das Rudi Putra, der sich besonders in Indonesien engagiert und bereits große Erfolge mit seinem Einsatz erreicht hat.

Aufgewachsen ist der Indonesier in der Aceh-Region, die der Gunung Leuser Nationalpark von Nord Sumatra trennt. Rudi Putra entwickelte früh das Interesse für Natur und Tiere, ganz besonders hatte es ihm das bedrohte Sumatra-Nashorn angetan. Um das Wildern der Nashörner zu unterbinden, startete er mit einer Tracking-Aktion, bei der er mit anderen Tierschützern Schutzteams bildete und in den Regenwald los zog. Die Teams spürten die Wilderer auf und brachten die Tiere in Sicherheit. Jedoch reichten seine Bemühungen nicht aus, um den bedrohten Lebensraum von Arten wie dem Sumatra-Nashorn und Orang-Utan zu sichern, denn die Plantagen zum Abbau von Palmöl dehnten sich immer weiter in das Leuser-Ökosystem aus.

Illegale Palmölplantagen

Rudi Putra war einer der ersten, die den illegalen Anbau von Ölpflanzen im Leuser-Ökosystem aufdeckten. Die Plantagen hatten sich durch ungenehmigte Regenwaldrodungen bereits auf einer Fläche von 6,4 Millionen Hektar ausgebreitet. Das Gebiet bietet aber nicht nur Tieren Schutz, auch die Menschen, die darin leben, sind auf den Wald angewiesen. Wenn die Rodungen weiter voranschreiten verlieren die vier Millionen Bewohner der Aceh-Region den Schutz vor Hochwasser, den der Wald bietet. Bei einer Überschwemmung im Jahr 2006 verloren Hunderttausende ihr Zuhause. Putras Engagement galt nach der Aufdeckung der illegalen Plantagen nun auch den Menschen, die dort leben.

Obwohl der indonesische Präsident 2011 die Rodungen verboten hat, ist die riesige Waldfläche unwiederbringlich verloren. Bestechung und Korruption in der Regierung ermöglichen es den Plantagenbesitzern weiterhin illegal Palmöl anzubauen.

Mit Unterstützung der lokalen Bevölkerung führte Putra Gespräche mit der Polizei, um sie auf das schwerwiegende Problem aufmerksam zu machen. Er forderte sie auf, sich an die Landschutzgesetze zu halten und die illegalen Palmölplantagen stillzulegen. Zusätzlich sprach er mit den Plantagenbesitzern und deutete sie auf die Gesetzeswidrigkeit ihres Handelns und dessen Konsequenzen hin. Mit mäßigem Erfolg: Einige von ihnen zeigten sich einsichtig und legten tatsächlich ihre Plantagen still, woraufhin Putra und seine Anhänger eine Renaturierung und Wiederbewaldung der Gebiete veranlassen konnte.

Im Jahr 2013 beschloss Rudi Putra eine Online-Petition zu starten, um internationalen Druck auf die indonesische Regierung auszuüben, damit diese sich an ihre eigenen Gesetze halten. Außerdem sollte die Petition dazu beitragen, dass der Vorschlag der Landesregierung von Aceh, große Teile des Leuser-Ökosystems zum Palmölanbau freizugeben, definitiv abgelehnt würde. Über 1,4 Millionen Menschen haben die Petition unterschrieben und brachten den Erfolg, dass internationale Gespräche zwischen Regierungsvertretern aus Norwegen, der europäischen Union, Indonesien und der Provinz Aceh entstanden.

Demontage von 1.200 Hektar illegaler Plantagen

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Schätzungen zufolge werden in Indonesien jährlich zwei Millionen Hektar Regenwald abgeholzt. Inzwischen wurde fast die Hälfte des ursprünglichen Gebietes gerodet. Dank Rudi Putra konnten bis heute 1.200 Hektar der illegalen Plantagen demontiert werden. Nach der Sanierung der Wälder konnte ein Wildkorridor für die Tiere zurückgebildet werden. Zwölf Jahre hat es gedauert, bis der Wald wieder zum Lebensraum für die vertriebenen Tiere wurde. Als besonderen Erfolg verzeichnet Rudi Putra die Wiederansiedlung der Sumatra-Nashörner, deren Zahl dank ihrem Retter langsam anwächst.

Dieses Jahr erhielt der Indonesier den Goldman Environmental Prize für seine Bemühungen gegen die drastische Abholzung der Wälder im Leuser-Ökosystem. „Dieser Kampf ist noch lange nicht vorbei, aber der Goldman-Preis wird helfen.“

 Lara Kösesoy

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