Flygskam für das Klima – Flug-Boykott in Schweden

Flygskam - immer mehr Schweden verzichten auf Flugreisen
Flygskam - immer mehr Schweden verzichten auf Flugreisen

Flugreisen sind extrem klimaschädlich. Airlines sind für rund 2 Prozent der globalen Emissionen verantwortlich. So viel wie Deutschland. In Schweden entsteht deshalb eine Bewegung, die zum Boykott kommerzieller Flugreisen aufruft – „Flygskam“.  Alles begann mit einem Prominenten. Jetzt lässt der Boykott sogar die Fluggastzahlen sinken.

Der schwedische Biathlet Björn Ferry hat in seiner Karriere viel erreicht. Als er für die kommende Saison von einem schwedischen Sender als Experte geladen wurde, hatte er eine unübliche Bedinung: keine Flugreisen.

Nun wird er zu den zum Studio und zu den Wettkampforten klimafreundich mit der Bahn reisen. Insgesamt 13.000 Kilometer für das Klima. Für ihn ist das nichts Neues. Er uns seine Frau Heidi möchten bis 2025 sogar komplett „fossilfrei“ leben. Das ist vorbildlich. Solange es keine Elektroflugzeuge gibt, so Ferry, werde er also auch nicht mehr fliegen.

Eine Reise von Lappland in die Alpen dauert dann statt zwei Stunden zwei Tage. Ferry stört das nicht. Auch der Aufenthalt in Deutschland macht ihm nichts aus, da gibt es ja gutes Bier, sagt er.

Flug-Boykott flygskam nimmt Fahrt auf

Blickt man auf die Statistiken ist Ferry in dieser Hinsicht kein gewöhnlicher Schwede. Die Schweden fliegen ganze sieben mal mehr als der durchschnittliche Erdenbewohner. Die resultierenden Emissionen sind in Schweden seit 1990 um 24 Prozent gestiegen.

Doch nun entsteht eine Anti-Bewegung: Flygskam. Immer mehr Medien prangern den Vielflieger-Lebensstil an und Künstler und Forscher melden sich zu Wort. Für viele von ihnen ist Fliegen in Zukunft keine Alternative mehr. Arbeitsaufträge die eine Flugreise erfordern werden einfach abgelehnt.

Eine Facebook-Gruppe in der sich Mitglieder über die Möglichkeiten von Bahnfernreisen austauschen bekam binnen weniger Monate bereits 30.000 Mitglieder. Geschäftsleute und Ärzte berichten dort von ihren Geschäftsreisen per Zug nach London, Frankfurt und Genf.

Und es dauerte nicht lange bis die Bewegung auch einen Namen bekam: Flygskam. Übersetzt bedeutet das grob so viel wie „sich wegen einer Flugreise schämen“ oder „Flugscham“. Angeblich hat das Wort bereits die Chance das Wort des Jahres 2018 zu werden.

Bahn schlägt Kapital; und erweitert Angebot

Das alles ist auch der Schwedischen Bahn nicht entgangen. Die freut sich über den Zulauf und hat prompt ihr Nachtzugangebot erweitert. Zwischen Malmö und Lappland ist der Nachtzugverkehr bereits in nur einem Jahr um bemerkenswerte 100 Prozent gestiegen. Im Dezember sind nun sogar neue Verbindungen und Zielorte geplant, dank neuer Investitionen.

Die Schweden machen uns also gerade besonders eines vor: Die Macht der Konsumenten kann sehr wohl einen positiven Einfluss auf globale Entwicklungen nehmen; inklusive Klimawandel. Jede Konsumentscheidung zählt, ob für das nachhaltige Produkt im Supermarkt oder eben für Bahn- anstelle von Flugreise!

Quelle: Klimareporter