Einen Wald für Mama Miti

Wangari Maathai

,Mach’das Licht an, Wangari,’ singen die Frauen in Kenia. ‘Jetzt sehen wir. Du hast uns in die richtige Richtung geführt. Wir sind dankbar, dass wir nun unabhängig sind.‘ Das Lied ist eine Hommage an die Vorreiterin Wangari Maathai, Biologin und die erste Frau Afrikas, die als Professorin tätig war. Ihr Leben lang kämpfte sie für Umweltschutz und Menschenrechte. Dafür erhielt sie im Jahr 1984 den alternativen Nobelpreis und einige Jahre darauf als erste Afrikanerin den Friedens-nobelpreis. Im Jahr 2011 starb das einstige Bauernmädchen in Nairobi.

Doch drehen wir die Zeit zurück: Es ist das Jahr 1975. In Kenia ist der Boden von Erosion bedroht, denn Großbritannien hat das Land zu Kolonialzeiten so gut wie entwaldet. Zudem nutzt die Bevölkerung die verbleibenden Bäume für Feuerholz und Kaffee- und Teemonokulturen tun ihr Übriges, um den Boden zu verarmen. Auch der Grundwasserspiegel sinkt. Die widrigen Umstände erschweren den Anbau von Nahrungsmitteln für die eigene Bevölkerung.

Green Belt Movement – ein Aufforstungsprojekt entsteht
Die Professorin Wangari Maathai will etwas gegen den kargen Boden im Land tun. Dafür braucht es ihrer Meinung nach neues Pflanzenwachstum. Symbolisch pflanzt sie am Tag der Erde einen Baum. Denn Kenia, das ist ihre Vision, soll wieder grün werden: ‚Es geht um die kleinen Schritte der Bürger. Das wird etwas verändern. Mein kleiner Schritt ist das Pflanzen von Bäumen.‘ Was viele anfangs belächeln und als sinnloses Unterfangen abtun, soll sich alsbald in eine Bewegung verwandeln, die zum weltweiten Modell avanciert. Denn das Vorhaben Wangaris unterstützt neben Vegetation und Bodenverbesserung auch viele Frauen, die mit der Gründung von Baumschulen ein erstes Einkommen vorweisen können.

Die Hoffnung auf eine verbesserte Lebensgrundlage dank mehr Ernte und Wasservorräten bringt Wangari viele Anhänger. ‚Mama Miti‘ wird sie jetzt genannt, die ‚Mutter der Bäume‘. Zwei Jahre später gründet sie das ‚Green Belt Movement‘. Die Graswurzelbewegung startet mit der kostenlosen Ausgabe von Saatgut. Eine rasch steigende Nachfrage veranlasst die Organisation zur Gründung von Baumschulen. Dort lassen sich kenianische Frauen ausbilden und verdienen mit dem Verkauf von Setzlingen an die Grüngürtel-Bewegung etwas dazu. Gleichzeitig steht ihnen wieder mehr Brennholz zur Verfügung. Dabei beschränkt sich die Bewegung nicht allein auf das weibliche Geschlecht. Auch Männer und Gewerkschaften unterstützen das Aufforstungsprojekt.

Doch Wangari setzt sich nicht nur für den Umweltschutz ein. Mit dem ‘Green Belt Movement’ wird sie politisch: ‘Bei einer unfähigen Regierung werden die Ressourcen zunehmend zerstört: Die Wälder sind abgeholzt, der Boden geht verloren. Ich sehe, wie diese Probleme mit der Regierung zusammenhängen – mit der Korruption und Diktatur.’ Ob Proteste gegen Waldrodung, die Inhaftierung politischer Gefangener und willkürliche Aktionen des Diktators Daniel arap Moi in Kenia: Wangari bleibt unbeugsam und formt zusammen mit Sympathisanten ein demokratisches Bewusstsein im Land.

Ihren steigenden Bekanntheitsgrad nutzend, verhindert Wangari ein pompöses Bauprojekt des kenianischen Diktators in einem Park Nairobis. Die Rücknahme ihrer Professur, Gefängnisaufenthalte und körperliche Gewalt bringen sie nicht von ihrem Weg ab, Kenia nachhaltig zu verändern. Als der Dikator zurücktreten muss, wird Wangari Maathai zur stellvertretenden Umweltministerin ernannt. Damit wird sie als erste grüne Politikerin Afrikas in die Regierung gewählt.

Bisher sind dank der Bewegung in Kenia über 51 Millionen Bäume gepflanzt worden. Seit über 30 Jahren arbeiten viele Frauen des Landes in Baumschulen, die Wangaris Organisation gründete. Auch heute noch unterstützt das Green Belt Movement diverse Projekte, so zum Beispiel bei der Wahl der Baumarten und wie Wasser eingespart werden kann. Wangari Maathai ist nicht mehr dabei und dennoch nach wie vor das Herzstück der Organisation. Sie lebte, was sie predigte und führte uns vor, dass kleine Taten Großes bewirken können.

 

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