Ein Ökonom gegen Wirtschaftswachstum

Herman Daly

Der Kapitalismus der Neuzeit wird oft mit Profitgier gleichgesetzt. Jedoch gibt es auch Bestrebungen, diese Form des Kapitalismus abzuschwächen, ihm einen nachhaltigen Wert zu verleihen. Der US-amerikanische Professor und Wirtschaftswissenschaftler Herman Daly setzt sich seit den 1970er Jahren für ein ökologisch vertretbares, nachhaltiges Wirtschaften ein.

Ökonomisches Wachstum ist auch heute noch das Credo aller Staaten. Dass kein Wachstum ohne Ausbeutung von Ressourcen sowie auf Kosten anderer möglich ist, wurde zwar bereits im Ansatz erkannt, eine Verlagerung der ökonomischen Ziele der Staaten hin zu nachhaltigeren Alternativen fand bisher jedoch noch nicht statt. Herman Daly hat in den Jahren 1988 bis 1994, während seines Wirkens als Ökonom bei der Weltbank, eine nachhaltige Entwicklung politischer Richtlinien angestoßen und ist Mitbegründer der International Society for Ecological Economics. Als Professor der Louisiana State University entwickelte er auch die Theorie einer Ökologischen Ökonomie als transdisziplinäre Wirtschaftswissenschaft.

Früh bezweifelte er bereits, dass der technische Fortschritt einen Mangel an natürlichen Rohstoffen jemals ausgleichen könne, wie es viele optimistische Ökonomen propagieren. Als alternatives Wirtschaftskonzept baute er die Idee einer „statischen Wirtschaft“ (Steady-State Economy) auf. Diese ist zwischen Wirtschaftswachstum und einer schrumpfenden Wirtschaft angesiedelt und sieht ein Wirtschaften lediglich auf der Ebene der Tragfähigkeit der Erde vor. Das heißt, der durchschnittliche Lebensstandard der Weltbevölkerung sollte einem nachhaltigen Niveau angepasst werden, der technologische Fortschritt auf materielle Effizienz ausgerichtet sein und der Ressourcenverbrauch in einem umweltverträglichen Maße eingedämmt werden. Diese Theorie ist dahingehend neu, dass selbst erneuerbare Ressourcen lediglich in dem Maß entnommen werden dürfen, wie sie sich generieren können, und der Preis der natürlichen Ressourcen wertschöpfungsgleich angepasst und deren Durchsatz, vom Abbau bis hin zur Umweltverschmutzung, vom Markt einkalkuliert werden sollten.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist Sparsamkeit, also die Reduzierung der Menge verwendeter Ressourcen, um eine neue Art der Effizienz zu schaffen. Aktuell wird Effizienz eher als Alternative zu Sparsamkeit angesehen. Dies mündet in “Jevons’ Paradoxon“: eine verbesserte Effizienz bei der Verwendung einer Ressource führt oft zu einer noch stärkeren Nutzung dieser Ressource, also einem erhöhten Durchsatz. Die stationäre Wirtschaft begrenzt demnach das Wachstum des Durchsatzes, um die Entwicklung der technischen Effizienz bei der Ressourcennutzung zu fördern und das Maß des Gesamtdurchsatzes in ökologischen Grenzen zu halten.

Sein Engagement hinsichtlich der globalen wirtschaftlichen Entwicklung, dem Umgang mit Ressourcen sowie dem Nachhaltigkeitsmanagement, den Erhalt der Umwelt und die Herausbildung einer „stationären Wirtschaft“ brachte ihm internationale Anerkennung sowie zahlreiche Auszeichnungen ein. Als Mitautor des Buches „For the Common Good“ erhielt er unter anderem den Grawemeyer Award für die Ideen einer besseren Weltordnung. Mit dem Alternativen Nobelpreis wurde Daly 1996 ehrenhalber für die Erweiterung der Wirtschaftswissenschaften um Aspekte der Ökologie und Ethik sowie die Mitbegründung der International Society for Ecological Economics (ISEE) ausgezeichnet.

1 Kommentar

  • Die wirtschaftliche Entwicklung ist maßgeblich für das Wohlbefinden der gesamten Menschheit. In wirtschaftlich starken Zeiten wird es der Bevölkerung wesentlich besser gehen als in Zeiten einer Depression. Es gibt unzählige Faktoren, welche auf die Wirtschaft Einfluss haben – Leitzinsen, Inflation, Deflation, Bevölkerungsentwicklung, technischer Fortschritt … Mit der Kenntnis über die wirtschaftliche Entwicklung lässt sich auf Profit machen (Börsen). Durch eine ganze Anzahl von wirtschaftlichen Indikatoren kann man die wirtschaftliche Entwicklung frühzeitig erkennen. Jeder ist von der Wirtschaft betroffen, umso wichtiger ist es frühzeitig über die wirtschaftliche Situation Bescheid zu wissen. Ein wirtschaftliches Grundverständnis soll von jedermann mitgebracht werden. Die Leitzinsen, Inflationserwartungen, Bankenprobleme oder das Wirtschaftswachstum betreffen im Endeffekt alle!

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