Die Retterin des Wassers

Der freie Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Anlagen ist seit 2010 von der UNO als menschliches Grundrecht deklariert worden. Diese Errungenschaft ist unter anderem dem Einsatz der kanadischen Publizistin und Umweltaktivistin Maude Barlow zu verdanken, die seit den 1980er Jahren für einen sorgsameren Umgang mit der lebensnotwendigen Ressource kämpft.

In den 1980er-Jahren begannen Kanada und die USA, das erste Freihandelsabkommen der Welt zu diskutieren, unter den Handelsgütern wurde erstmals Wasser aufgeführt. Seither sieht sich die Kanadierin als Wasserbotschafterin, um ein Bewusstsein für die Notwendigkeit eines anderen Umgangs mit dem wertvollen Gut zu schaffen – in den Köpfen der Bevölkerung, aber auch vor allem in der Politik, die die Privatisierung von Wasser und Land befürwortet und dieses damit für viele Menschen zur unbezahlbaren Handelsware macht.

Maude Barlow verfasste 1998 als Erste eine Analyse über die internationale Wasserpolitik und fordert eine neue Wasser-Ethik, die bei jeder politischen Entscheidung deren Tragweite in Bezug auf die Wasserfrage einbezieht und Priorität vor allem anderen hat. In der Praxis würde das bedeuten, dass jeder politische oder wirtschaftliche Strategieentscheid auch immer die Auswirkungen auf das Wasser einkalkulieren sollte. Im Zweifelsfall bzw. bei negativen Auswirkungen müsste der Entscheid entsprechend angepasst oder rückgängig gemacht werden. Beispielsweise wäre damit die Nutzung von Biotreibstoffen als Lösung gegen Luftverschmutzung und Klimawandel den fossilen Brennstoffen keineswegs vorzuziehen, da die Produktion dieser Unmengen an Wasser bedarf und somit sogar schädlicher für die Welt wäre.

Internationale Großkonzerne wie Coca Cola, Pepsi und Nestlé profitieren von den mangelnden Regulierungen seitens der Politik. Sie kaufen Wasserquellen auf der ganzen Welt auf und verkaufen das Wasser dann in Plastikflaschen weiter, vor allem in den Ländern, wo viele Menschen kaum Zugang zu sauberem Wasser haben. Zusätzlich profitieren sie von der Verschmutzung des lokalen Wassers. In Ländern, wo jederzeit sauberes Trinkwasser aus den Hähnen fließt, sollten die Menschen daher davon absehen, die Macht dieser Konzerne durch den Kauf von in Plastikflaschen abgefülltem Wasser weiterhin zu stärken.

Als Hauptproblem jedoch erachtet Maude Barlow die globalen Landwirtschaftskonzerne, die Wasserreserven massenhaft nutzen, um selbst in Trockengebieten Ackerbau zu betreiben, sowie Industrie und Bergbauunternehmen, die das Wasser für ihre Belange nutzen und oftmals nicht oder ungenügend aufbereitet in Flüsse und Ozeane leiten. In einer Plenarrede auf der Jahresversammlung der Environmental Grantmakers Association in Pacific Grove, Kalifornien, machte Barlow die Problematik deutlich: Wenn wir so weiter machen, „werden bis 2030 nur noch zehn Prozent [des Regenwaldes] übrig sein. Auch 90 Prozent der großen Fische in den Weltmeeren sind nicht mehr da. […] Im 20. Jahrhundert ist weltweit die Hälfte aller Feuchtgebiete, die Nieren unserer Ökosysteme, verloren gegangen. […] Tag für Tag werden weltweit zwei Millionen Tonnen Abwässer und Rückstände aus Industrie und Landwirtschaft in Oberflächengewässer eingeleitet. Laut einer vor kurzem veröffentlichten globalen Studie sind 80 Prozent unserer Flüsse gefährdet, auf die zusammengerechnet fünf Milliarden Menschen angewiesen sind“.

Angesichts dieser Zahlen ist es eigentlich klar, dass der Verschwendung Einhalt geboten werden muss. Als Lösungsansätze erachtet Barlow daher die lokale Produktion von Lebensmitteln und die Unterstützung von regionalen Bauern. Auch die Energieversorgung benötigt sehr viel Wasser, weswegen mehr Energieeffizienz und regenerative Energiequellen eingesetzt werden sollten.

Barlow ist unter anderem Vorstandsmitglied des International Forum on Globalization und Mitbegründerin der Umweltschutzbewegung Blue Planet Project, deren Aufgabe der Schutz des Trinkwassers vor der „Bedrohung durch Handel und Privatisierung“ ist.

1 Kommentar

  • Habe schon anderswo ähnlich beweihräuchernde Artikel über die Dame gelesen, aber immer noch von niemandem gehört, der dank ihren Aktivitäten eine bessere Wasserversorgung hätte…
    Helden stossen nicht bloss gutgemeinte Debatten an, sondern unternehmen selber etwas Kühnes.

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