Zugvögel im Klimawandel

Zugvögel im Klimawandel
Zugvögel kehren immer früher zurück nach Deutschland

Eine deutlich merkbare Auswirkung des Klimawandels ist, dass der Frühling immer früher beginnt. Bäume und Pflanzen beginnen früher zu blühen und angezogen durch milde Frühlingstemperaturen kehren beispielsweise Mehlschwalben mittlerweile im Schnitt zehn Tage früher nach Deutschland zurück als noch vor 30 Jahren.

Obwohl es bereits verschiedenste Studien über die Auswirkungen des Klimawandels auf das Verhalten von Zugvögeln gibt, ist eine sichere Vorhersage der mittel- bis langfristigen Folgen so gut wie unmöglich. Tatsache ist aber, dass die Zugvögel längst mit Anpassungsversuchen an die sich verändernden Bedingungen begonnen haben.

Während beispielsweise Störche ihre Zugstrecken verkürzen, haben die Mönchsgrasmücken ihre Flugrouten geändert und verbringen den Winter nun nicht mehr in Spanien, Südfrankreich oder Nordafrika sondern in Südengland. Andere Vogelarten wie Kiebitze, Singdrosseln oder Stare bleiben gar immer öfter gleich in Mitteleuropa, statt den beschwerlichen Flug in den Süden auf sich zu nehmen.

Generell fällt die Anpassung an die Klimaveränderungen Kurzstreckenziehern wie der bereits erwähnten Mönchsgrasmücke deutlich leichter als klassischen Langstreckenziehern wie Trauerschnäppern oder der Nachtigall. Das liegt daran, dass das Zugverhalten im Erbgut von Langstreckenziehern deutlich stärker verankert ist, da diese auf ihren bisherigen Zugrouten das Mittelmeer und die Sahara möglichst zielsicher überqueren mussten.

Setzt sich nun der Trend bei der Klimaerwärmung fort, wird es für die zu spät aus dem Süden heimkehrenden Langstreckenzieher zunehmend schwieriger, genug Nahrung für ihre Jungvögel zu finden. Außerdem sind die besten Brutgebiete bei ihrer Rückkehr bereits, von in Mitteleuropa überwinternden oder früher zurückkehrenden Vogelarten, besetzt.

Weitere Schwierigkeiten entstehen durch Landschaftsveränderungen wie die fortschreitende Ausbreitung von Wüsten. Auf den Zwischenstopps in beispielsweise Afrika wird es für Zugvögel dadurch zunehmend schwieriger, genügend Nahrung zu finden. Auch mit dem Anstieg des Meeresspiegels und dem damit einhergehenden Verschwinden von Wattflächen an der Nordseeküste, verschwindet für viele Zugvögel ein wichtiges Rastgebiet.

In diesem Zusammenhang ist auch eine Studie des deutschen Vogelkundlers Wolfgang Goymann vom Max-Planck-Institut in Seewiesen interessant. Er hat in Zusammenarbeit mit drei italienischen Kollegen herausgefunden, dass fette Zugvögel schneller unterwegs sind als dünne! Die Forscher stoppten die Länge der Zwischenstopps von kleinen Zugvögeln namens Gartengrasmücken auf einer italienischen Insel. Dabei kam heraus, dass dicke Vögel bereits in der Nacht nach der Ankunft weiterflogen, dünne hingegen im Durchschnitt zwei Tage auf der Insel blieben, um sich ausreichende Fettreserven anzufressen. Fette Vögel erreichen also ihre Brutgebiete schneller und sind somit im Vorteil, weil sie sich bessere Nistplätze sichern können.

Es gibt aber auch Vogelarten, die von den steigenden Temperaturen des Klimawandels profitieren. So hat beispielsweise der ursprünglich in Süd- und Südosteuropa heimische Bienenfresser sein Verbreitungsgebiet nach Norden ausgedehnt und ist heute auch in einigen Teilen Deutschlands zu finden.

Der Thematik der bedrohten Vogelarten hat sich übrigens auch das amerikanische Designerduo Grant Dawson angenommen und ein Schachspiel entworfen, wo jede Figur eine andere bedrohte Vogelart darstellt. Ganz im Zeichen des Natur- und Umweltschutzes besteht die Holzkiste des Spiels aus nordamerikanischem Walnuss- oder Ahornholz, dessen Nachhaltigkeit vom Forest Stewardship Council (FSC) zertifiziert wurde. Den Rand der Kiste ziert die ebenfalls vom Aussterben bedrohte Orchideenart Laelia Xanthina und die Schachfiguren sind entweder aus Gold, Silber oder bunt koloriert auf einem Silber- beziehungsweise Goldsockel. Als Schnäppchen kann man das schmucke Schachset allerdings nicht bezeichnen – es kostet rund 3.500 Euro!

Matthias Schaffer

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