Wie sieht die nachhaltige Berghütte aus?

Im September 2009 wurde oberhalb des schweizerischen Zermatt die neue Monte-Rosa-Hütte eröffnet. Sie wird als Berghütte der Zukunft bezeichnet, da sie zu mehr als 90 Prozent energieautark ist. Im August 2012 folgte das neue Refuge du Goûter am Mont Blanc, ebenfalls im Passivhausstandard. Sieht so der Trend im alpinen Hüttenwesen aus und ist dies unter Nachhaltigkeitsaspekten tatsächlich sinnvoll?

Ein sich selbst mit Energie versorgendes Gebäude ist gerade bei einer hochalpinen Berghütte, die nicht per Straße oder Seilbahn erreicht werden kann, enorm vorteilhaft. Außer, dass wie bei einem Passivhaus im Flachland fossile Brennstoffe eingespart werden, können hier auch die sonst zahlreich erforderlichen Versorgungswege per Hubschrauber vermieden werden.

Doch wird auch die „graue“ Energie berücksichtigt, also die Ressourcen, die für die Errichtung dieser innovativen Objekte (sowie irgendwann einmal auch den Rückbau) verbraucht wurden? Immerhin: Gerade beim Refuge du Goûter hat man versucht, diese möglichst gering zu halten. Aufgrund der Leichtbauweise konnten viele Transportwege eingespart werden. Zudem ist das Bauholz zum größten Teil regionaler Herkunft.

Doch Kritiker meinen, eine Berghütte stehe traditionell für Einfachheit und sehr bescheidenen Komfort. Würden die Ansprüche nicht so hoch geschraubt, dann sei allzu viel Technik wie beispielsweise eine Toilettenspülung oder – bei ausschließlichem Sommerbetrieb – eine Heizung oft auch gar nicht erforderlich und somit die Energiebilanz automatisch besser. Und die innovativen Gebäude mit viel Komfort ziehen noch mehr Bergsporttouristen ins ökologisch sensible Hochgebirge.

Zwar lässt sich heute, wie bei der Monte-Rosa-Hütte, die ein Forschungsprojekt der ETH Zürich ist, viel von außen steuern, doch wenn bei einem Hightech-Gebäude dann doch mal etwas nicht funktioniert, kann der Hüttenwirt es meist nicht selbst reparieren.

m berghtte groAndererseits wird schon vielfach ganz selbstverständlich erneuerbare Energie eingesetzt. So wird bei Hütten des Schweizer Alpenclubs SAC bereits seit dreißig Jahren Strom aus Photovoltaik gewonnen. Und dort, wie auch bei den Hütten des Deutschen Alpenvereins (DAV), wird heute teilweise Wasserkraft genutzt.

Doch letztendlich kann das Für und Wider von Berghütten im Passivstandard nicht pauschal beantwortet werden, zu unterschiedlich sind die Gegebenheiten. Zu berücksichtigen sind die Höhenlage und Erreichbarkeit, die Frequentierung von Gästen, ob der Betrieb saisonal oder ganzjährig erfolgt etc.

Ein Projekt des Club Arc Alpin (CAA), der Vereinigung von acht Alpenvereinen inklusive des DAV will eine Entscheidungshilfe schaffen. Unter Leitung des Schweizer Architekten Peter Büchel erstellt es aktuell die Studie „Energieeffizienz im Hüttenwesen“. Zu dieser soll auch ein Berechnungstool gehören, mit Hilfe dessen die Alpenvereine nach Eingabe der verschiedenen Parameter eines konkreten Standorts ermitteln können, in welcher Weise ein Um- oder Neubau einer Hütte am energieeffizientesten ist. Die Studie soll in Kürze vorliegen.

Birte Moritz

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