Wenn aus Problemen Chancen werden

Aus welchen Baustoffen würden Sie ihr Haus bauen? Vielleicht mit Ziegeln aus gebranntem Ton, Kalksandstein, Porenbeton oder Holz? Sicher jedoch nicht aus PET- und Glasflaschen oder sogar Autoreifen. Oder vielleicht doch?

Wenn wir heutzutage über einen nachhaltigen Hausbau nachdenken, denken wir in erster Linie meistens an Holz. Denn so nutzt man einen nachwachsenden Rohstoff, dessen Abbau der Umwelt nicht schadet. Doch ist dies gerade einmal der erste Schritt, nämlich zusätzliche Umweltbelastung zu vermeiden. Doch wie kann durch einen Hausbau die Umweltbelastung verringert werden? Wie können wir aus einem Problem eine Chance werden lassen?

Bereits vor 20 Jahren machte sich der Architekt Mike Reynolds Gedanken zu diesem Thema und setzte seine Idee der sogenannten Earthships nach jahrelangem Kampf sogar gegen die US-Behörden durch. Insbesondere in Katastrophengebieten wurden seine aus Abfall gefertigten Häuser begrüßt. Seine Vorstellungen von einem nachhaltigen Hausbau haben verschiedene Projekte beeinflusst und inspiriert.

Projekte in Lateinamerika

So schafft die Umweltaktivistin Alexandra Posada Häuser aus Autoreifen. Eine knappe Stunde von Bogotá entfernt baut die junge Kolumbianerin eine kleine Siedlung aus dem, was ihre Mitmenschen an den Straßenrändern hinterlassen. Denn gerade hier sammeln sich die abgenutzten Gummireifen, für die es in dem lateinamerikanischen Staat noch kein entsprechendes Entsorgungssystem gibt. Doch Posada sieht in diesen Müllbergen, die die Straßen ihres Landes säumen, kein Problem sondern eine Chance.

Von den jährlich fünf Millionen abgeladenen Reifen wurden bisher gut 9.000 verbaut. Der Vorteil? Die Gummireifen sind stabil, isolieren gut und sind trotzdem flexibel genug um die regelmäßigen Erdbeben unbeschadet zu überstehen. Sie werden zu einer Art Iglo aufgestapelt und mit Erde, Sand und Kies gefüllt. Aufgrund der langen Halbwertszeit der alten Autoreifen, können sie als haltbare Mauersteine eingesetzt werden. Gleichzeitig werden Glasflaschen verschiedener Farben in das Dach aus Beton und Stahl eingebaut, die für viel indirektes Licht sorgen. Dadurch entstehen stilvolle und nachhaltige Häuser, die bis auf die Zeit und Arbeitskraft nur wenig kosten.

Einen Schritt weiter ist die Nichtregierungsorganisation (NRO) „Long Way Home“ in Guatemala gegangen. Hier wurde sogar eine Schule aus Autoreifen, Glas- und Plastikflaschen gebaut. In dieser Schule soll der Nachhaltigkeitsgedanke an die Kinder weitergegeben werden. So erhalten sie eine Zukunftsperspektive und lernen gleichzeitig, welche Möglichkeiten die Weiterverwertung des Abfalls haben kann.

Ideen für die Zukunft

Auch wenn das Projekt das Abfallproblem nicht direkt löst, so kann es doch zu einem Umdenken führen. Es soll ein Bewusstsein für unsere Umwelt schaffen und gleichzeitig Ausblicke geben, wie wir einem der größten Probleme der heutigen Zeit entgegen treten können. Denn obwohl immer mehr Maßnahmen ergriffen werden die jährliche Abfallproduktion weiter einzuschränken, gibt es in vielen Ländern nur wenige Möglichkeiten dem bereits bestehenden Müll entgegenzuwirken, beispielsweise durch Recyclingsysteme. So landen vielerorts Abfälle aus den verschiedensten und zumeist schlecht abbaubaren Stoffen am Straßenrand oder im Meer. So häuften sich in den letzten Jahren immer mehr die Meldungen über sogenannte Abfallinseln in den Meeren. Es zeigt sich, dass wir immer mehr gute Ideen brauchen um weiter gegen diese Verschmutzung vorzugehen. Aus kaum vergänglichen Materialien, die sonst nur die Umwelt verschmutzen würden, Lebensraum für eine stark wachsende Weltbevölkerung zu schaffen scheint dabei eine guter Anfang zu sein.

Quelle: RP-Online

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