Von kleinen Sonnen, grünen Blättern und Steinböcken

Reiseplanung

Hotel-Pool und Strandbar statt Schneematsch und Streukies unterm Schuh. Um dem Einheitsgrau und den frostigen Temperaturen dieser Tage zu entfliehen, buchen viele Deutsche einen Kurztrip in den sonnigen Süden. Die Prognosen für 2014 in Sachen „Reiseverkehr“ sind gut: Auch in diesem Jahr werden die Deutschen ihrem Ruf als Reisenation treu bleiben und Geld für den Urlaub im Ausland ausgeben.

Knapp 64 Milliarden Euro waren es 2012 – so viel wie noch nie. Lediglich Chinesen und Amerikaner gaben noch mehr Geld für den Urlaub im Ausland aus als die Deutschen. Das geht aus einer Studie hervor, die die Commerzbank im Januar 2013 anlässlich der Internationalen Ausstellung für Caravan, Motor, Touristik (CMT) in Stuttgart vorgestellt hat.

Wer jedoch bei seiner Reise-Planung auf „nachhaltig“ setzen will, steht vor einer ziemlich aufwändigen Suche nach passenden Angeboten. Während bei Lebensmitteln und Textilien inzwischen Bioerzeugnisse und fairer Handel mitsamt den zugehörigen Gütesiegeln dem Verbraucher Orientierung geben und bestätigen, dass nachhaltig und ökologisch gewirtschaftet wird, ist die Angebotspalette für nachhaltige Reiseprodukte mehr verwirrend als hilfreich.

Weltweit über 100 verschiedene Gütesiegel

Im Tourismus gibt es mittlerweile über 100 verschiedene Gütesiegel weltweit. Hübsch gestaltete Logos mit grünen Blättern, Sonnen und manchem Getier zieren Hoteleingänge, Reisebüros und prangen sichtbar am Tor zu Campingplätzen. Untereinander vergleichen lassen sie sich kaum, zu unterschiedlich sind die zu erfüllenden Kriterien und der jeweilige Schwerpunkt.

Dazu kommt: Nachhaltiger Tourismus vermag es nicht immer, die drei Säulen Ökologie, Ökonomie und Soziales in eine perfekte Balance zu bringen. So geht es beispielsweise mal vorwiegend um soziale Belange, mal um den Schutz der Umwelt. Die Glaubwürdigkeit eines Gütesiegels lässt sich für den Laien deshalb nur schwer einschätzen. Anhaltspunkte sind eine transparente Darstellung der Kriterien und die genaue Information, wer hinter der Vergabe steht.

Siegelkunde für den Urlaub

Um etwas Licht ins Dunkel zu bringen, haben mehrere Organisationen aus der Schweiz, aus Österreich und aus Deutschland gemeinsam einen „Wegweiser durch den Labeldschungel“ entwickelt. Mitgewirkt hat auch die Arbeitsstelle TourismWatch des Evangelischen Entwicklungsdienstes eed in Bonn. Die Broschüre gibt genauere Informationen darüber, was es mit den einzelnen Gütesiegeln auf sich hat.

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Zwanzig verschiedene wurden genauer unter die Lupe genommen. Darunter sind die deutschen Siegel Viabono und Blaue Schwalbe oder das European Ecolabel. Aber auch das südafrikanische Label Fair Trade In Tourism oder die Certification for Sustainable Tourism (CST) in Costa Rica stehen auf der Liste. Bei allen fand eine unabhängige Prüfung der teilnehmenden Betriebe und Anbieter vor Ort statt.

Die wichtigsten Logos für Ziele in der EU, Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz:

Das europäische Umweltzeichen        

Die EU-Blume ist das offizielle Umweltzeichen der Europäischen Union und wird an Beherbergungsbetriebe und Campingplätze vergeben. Es ist in allen 28 EU-Mitgliedsstaaten sowie Norwegen, Island und Liechtenstein anerkannt. Kriterien sind schonender Ressourcenverbrauch (Wasser, Energie, Müll) und der Einsatz erneuerbarer Energiequellen. Eine Kontrolle erfolgt alle drei bis fünf Jahre.

Weitere Infos: www.eu-ecolabel.de

Das Siegel CSR Tourism (CSR steht für „Corporate Social Responsibility“)

wird von TourCert, der gemeinnützigen Gesellschaft für Zertifizierung im Tourismus, verliehen. Anhand von standardisierten Kriterien wird bei Reisebüros, Veranstaltern und Unterkünften alle zwei Jahre überprüft, ob die Unternehmen soziale und ökologische Anforderungen über die gesetzlichen Vorgaben hinaus in ihrem Kerngeschäft erfüllen.

Weitere Infos: www.tourcert.org

Das Gütesiegel Green Globe existiert seit 1993 und wird weltweit in mehr als 80 Ländern vergeben. Zertifiziert werden nicht nur Hotels und Reiseveranstalter, sondern auch Autovermietungen, Kreuzfahrtschiffe, Tagungszentren und Golfplätze. 70 Prozent der Kriterien behandeln den Umweltbereich, 30 Prozent sozio-kulturelle Aspekte. Analysiert wird der Leistungsstand unter anderem hinsichtlich des Umgangs mit Energie, Abfall und Wasser, aber auch die Interaktion und Kommunikation mit dem sozialen und gesellschaftlichen Umfeld. Eine Prüfung findet alle zwei Jahre vor Ort statt.

Infos: www.greenglobe.com

Das Travelife-Siegel wird in 36 Ländern an kleine und große Reiseveranstalter vergeben sowie an Hotels und Apartementhäuser, die führende internationale Nachhaltigkeits- sowie CSR-Standards und Richtlinien erfüllen. Ob die Kriterien noch eingehalten werden, wird alle zwei Jahre überprüft. Es gibt die Kategorien Bronze, Silber und Gold. Die internationale Initiative wird von 15 Reiseverbänden überwiegend in europäischen Ländern unterstützt.

Weitere Infos: www.travelife.info

Viabono

Das Gütesiegel wird vom Viabono Trägerverein (über 20 Mitglieder aus Tourismus-, Umwelt-, Verbraucherverbänden und Bundesministerien) vergeben. Zur Zielgruppe gehören Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen, Reiseveranstalter oder Privatvermieter, Tourismuskommunen, Campingplätze oder Naturparks, Jugendunterkünfte und Kanuanbieter in Deutschland. Kriterien für die Vergabe sind unter anderem niedriger Energie- und Ressourcenverbrauch, Abfallvermeidung, Regionalwirtschaft, sanfte Mobilität und Wohlbefinden der Gäste. Die Lizenz zur Nutzung des Viabono-Zeichens wird zeitlich befristet für drei Jahre vergeben.

Weitere Infos: www.viabono.de

Das Österreichische Umweltzeichen, das vom österreichischen Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft vergeben wird, war weltweit das erste staatliche Öko-Label im Tourismus. Es wird an Hotels und Restaurants, aber auch für Pauschalreiseangebote vergeben und steht für schonenden Ressourcenverbrauch (Wasser, Energie, Müll), regionale und ökologische Lebensmittel. Geprüft wird alle vier Jahre.

Weitere Infos: www.umweltzeichen.at

Steinbock-Label

Der Schweizer Verein für Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft zeichnet mit diesem Label neben Hotels auch Jugendherbergen und Tagungszentren aus. Bewertet werden in drei Stufen schonender Ressourcenverbrauch (Wasser, Energie, Müll), Wirtschaftlichkeit, regionale Verankerung und soziale Qualität. Alle zwei Jahre findet eine Überprüfung statt.

Weitere Infos: www.steinbock-label.ch

Legambiente Turismo

Der italienische Umweltverband Legambiente arbeitet eng mit den Tourismusregionen des Landes zusammen. Reisende können online die Leistungen der ausgezeichneten Hotels, Campingplätze, Pensionen und Agrotourismus-Betriebe im Detail ansehen. Das Siegel steht für schonenden Ressourcenverbrauch (Wasser, Energie, Müll), Naturschutz, regionale Wirtschaftskreisläufe und Lebensmittel und sanfte Mobilität. Eine Kontrolle findet jährlich vor Ort statt.

Weitere Infos: www.legambienteturismo.it

Die Broschüre „Nachhaltigkeit im Tourismus – Wegweiser durch den Labeldschungel“ steht unter tourism-watch.de kostenlos zum Download und auch in gedruckter Form als pdf bereit.

 

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