Verpackungsfreier Supermarkt

In Berlin hat der erste verpackungsfreie Supermarkt seine Türen geöffnet. Hier kann man Dinge des täglichen Bedarfs völlig ohne lästige Plastikverpackungen erstehen.

Seit ich „Barfuß in Manhattan“ gelesen habe, ein Buch, in dem der amerikanische Journalist Colin Beavan mit seiner Familie versucht, ein Jahr lang in New York zu leben, ohne Abfall zu produzieren, versuche ich täglich aufs Neue, die kleinen, aber stetig anfallenden Plastikmüllberge zu reduzieren, mit denen man so zu kämpfen hat. Einfach ist das auch in einer Stadt wie Berlin nicht. Doch mit dem neu eröffneten verpackungsfreien Supermarkt „Original unverpackt“ könnte das Vorhaben ein wenig mehr Aussicht auf Erfolg haben.

Am Samstag eröffnete im Berliner Stadtteil Kreuzberg der erste Supermarkt der Hauptstadt, der völlig ohne Einwegverpackungen auskommt. Hier gibt es weder Gummibärchen in der Tüte noch dreifach verschweißten Käse und auch keine abgepackten Spaghetti, stattdessen zieren schlanke, zylindrische Röhren die Regalwände, gefüllt mit Reis, Spirelli, Weizen, Dinkel, Nüssen oder Müsli. Olivenöl oder Essig lässt sich aus großen silbernen Pumpbehältern, sogenannten Bulk Bins, per Hand abfüllen. Sogar Shampoo und Seife gibt es aus dem XXL-Spender. Einzig der Joghurt ist im Glas – Mehrweg versteht sich. Dazu stehen überall kleine Fläschchen und Behälter herum, in die man die Lebensmittel in gewünschter Menge füllen kann, oder man bringt sich ein passendes Gefäß von zu Hause mit, beides ist möglich.

Das Konzept findet großen Anklang, zumindest ist das Geschäft am Eröffnungstag bis zum Platzen gefüllt. „So etwas habe ich mir immer schon gewünscht“, sagt eine Kundin strahlend. „Das ist wie früher zu Großmutters Zeiten. Man weiß ja auch gar nicht mehr wohin mit dem ganzen Plastikzeug.“ Allein in Deutschland fallen jedes Jahr 16 Millionen Tonnen Verpackungsmüll an.

Milena Glimbovski und Sara Wolf, die Inhaberinnen von „Original unverpackt“, arbeiteten seit Monaten fieberhaft an der Umsetzung ihrer Geschäftsidee. Die Finanzierung lief größtenteils über eine Crowdfunding-Kampagne, die 115.000 Euro einbrachte. Dabei ist das Ziel nicht einfach nur, keinen Müll zu produzieren. Es geht auch darum, bewusst zu konsumieren. Hier kann man selbst entscheiden, was und wie viel man einkaufen will. Das bedeutet auch, dass am Ende weniger Essen weggeschmissen wird.

 Außerdem man kann sehen, wo die Lebensmittel herkommen und was drin ist. Im „Original unverpackt“ gibt es nicht nur Bio-, sondern auch konventionelle Produkte. Das Sortiment ist überschaubar, aber ausreichend, und viele der Produkte stammen aus der Region. Auch der Preis stimmt. Das meiste ist sogar günstiger als üblich, da Verpackung und Marketing wegfallen.

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Ein echter Supermarkt ist der „Original unverpackt“ natürlich noch nicht, denn viele Dinge des alltäglichen Bedarfs wie Toilettenpapier fehlen. Das hängt auch damit zusammen, dass die Ladenfläche noch zu klein ist oder sich kein geeigneter Hersteller gefunden hat. Das soll sich aber bald ändern. Wichtig ist, dass der Anfang gemacht ist.

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