Upcycling: Wirtschaftsfaktor mit Strahlkraft

Kaffeekapseln - verwandelt in Schmuck

„Upcycling“ – so nennt sich der ökologische und vor allem ökonomische Trend, der ausgemusterten  Kleidern und anderen nutzlos gewordenen Gegenständen mit viel kreativer Raffinesse neues Leben einhaucht. Ein gar nicht mehr so neues, aber zunehmend interessantes Geschäftsmodell mit attraktiven Resultaten – und auch die Umwelt profitiert: Upcycling reduziert die Neuproduktion von Rohmaterialien und verringert damit Energieverbrauch, Luft- und Wasserverschmutzung sowie Treibhausgasemissionen. Ein Trend, der insbesondere im Mode- und Lifestyle-Bereich Einzug gehalten hat. Eine der absoluten Vorreiter-Regionen in diesem Bereich: Südtirol!

In Bozen fand bereits 2012 die erste Sonderausstellung zum Thema Upcycling statt; zudem ist dort auch die jüngste Design-Universität Europas beheimatet. Sie kombiniert traditionelles Handwerk und moderne Technologie und ist eine echte Talentschmiede für weltoffene Trendsetter und richtungsweisende  Nachwuchs-Designer. Offenbar mit nachhaltiger Wirkung für die gesamte Region: Inzwischen hat sich Südtirol als echter Upcycling-Hotspot  etabliert, der auch zahlreiche Aktive und Besucher aus dem Ausland anzieht. Zu den Ateliers, die hier mit originellen und nachhaltigen Entwürfen aufwarten, zählen die Modedesignerin Cate Marchettini aus Vahrn und Mariana Frühauf. Diese wirbt mit dem frechen Slogan „Worum Freitag, Somstig, wenns olle Tog gibt?” für ihr Label „olle Tog“ (alle Tage), unter dem sie handgefertigte, bedruckte Taschen aus alten PVC-Planen vertreibt.

Spuren der NaturDesign, das lebt
Das Prinzip des Upcycling hat jedoch nicht nur in der Mode, sondern längst auch auch in anderen Bereichen Einzug gehalten, unter anderem beim Schmuckdesign. So fertigt beispielsweise Daniela Windisch aus Meran extravagante Schmuckstücke aus Nespresso-Kapseln, alten Holzstücken, Plastik-Weinkorken und aussortierten Lederresten. Eva Maria Moser hingegen setzt auf einen besonders ungewöhnlichen Rohstoff für Schmuck – Zeitungspapier. Ihre originellen Schmuckstücke sind dennoch für die Ewigkeit bestimmt.

Auch im Living-Bereich wird zunehmend auf die Verwendung alter Materialien gesetzt: So präsentierte sich in diesem Jahr unter dem Motto „daheim. a casa.“ die diesjährige Arredo, die größte Messe für Einrichtung und Wohnen der Region Südtirol, mit einem neuen Konzept. Der neue Sektor für nachhaltiges Design wurde in Zusammenarbeit mit der GreenTrenDesign Factory aus Rovereto entwickelt. Von natürlichen Farben und Materialien aus zertifizierten Produktkreisläufen über restaurierte oder neu modellierte Möbel bis hin zu handgemachten Wohnaccessoires war hier alles zu finden, was das grüne Interior-Herz begehrt.

In verschiedenen Ateliers der Region werden entsprechende Konzepte bereits umgesetzt: Robele beispielsweise, die Meraner Kreativ-Schmiede von Roberta Azzalini und Elena Bolognesi, füllt mit handgefertigten und vor allem bezahlbaren Geschenkartikeln sowie  Deko- und Einrichtungsgegenständen eine Lücke. Vorwiegend auf natürliche Materialien setzt Carmen Bonora, die diplomlierte Bildhauerin nutzt für ihre Objekte ausschließlich von den Elementen gezeichnetes Massivholz wie z.B. alte Schindeln, Bretter aufgelassener Höfe, Zaunlatten oder Schwemmholz ein. Ein Design also, das selbstbewusst die Spuren der Natur trägt.

Saat der Nachhaltigkeit – früh angelegt
Dass der Upcycling-Trend in Südtirol so präsent ist, ist sicher nicht nur dem künstlerischen Flair der Region zuzuschreiben. Auch die Südtiroler Jugend wird kontinuierlich für Themen wie Nachhaltigkeit und ökologisches Bewusstsein sensibilisiert. So drehte sich beispielsweise beim alljährlich stattfindenden Fair Trade Design Contest im Frühjahr alles um kritischen Konsum, Wiederverwertung und den bewussten Umgang mit Verpackungsmaterialien. Unter dem Motto „Ich fair-werte! Io ri-creo“ durften Kinder und Jugendliche im Alter bis zu 25 Jahren ihre eigenen Design-Kreationen – von Schmuck und Accessoires über Kleidung bis hin zu Fotorahmen und Möbeln – aus Fair Trade Produkten und Verpackungsmaterialen der Südtiroler Weltläden präsentieren. 

Die Saat für nachhaltigen Konsum wird in Südtirol demnach schon früh angelegt. Die Region Südtirol lebt damit vor, dass sich Kreativität, wirtschaftliches Wachstum, Nachhaltigkeit und ökologisches Verantwortungsbewusstsein hervorragend ergänzen können. Besonders überzeugend dürfte dabei sein, dass das Ergebnis auch einfach schön aussieht!

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