Umfrage: Deutsche wollen sich an der Klimawende beteiligen

Den Deutschen hängt bekanntlich ein gewisser Hang zum Geizen nach. Dieses Vorurteil ist nicht ganz unwahr, vor allen Dingen wenn es darum geht, Geld zu investieren für eine Zeit, die weit in der Zukunft liegt und diejenigen, die heute Geld ausgeben können, selbst wahrscheinlich gar nicht unmittelbar betreffen wird. Wie der Klimawandel.

Umso mehr überrascht es daher, dass laut einer aktuellen Umfrage der ZEIT die Mehrheit der Deutschen durchaus bereit ist, sich finanziell an der Klimawende zu beteiligen. Das haben jedenfalls die Meinungsforscher von TNS Emnid für die  Zeitschrift ermittelt.

 

Die Umfrage war ursprünglich zum Thema „Laufzeitverlängerung“ in Auftrag gegeben worden. Doch die Wissenschaftler haben nicht nur die Meinung der Deutschen zum Atomausstieg erfragt, sondern auch, wie viel ihnen Ökostrom wert ist.

Heraus kam, dass die Befürworter längerer Laufzeiten der Atommeiler meist mit drei Punkten argumentieren: Die Energieversorgung sei eine Standortfrage, die Industrie sei auf bezahlbaren Strom angewiesen und schon jetzt bezahlten die Bürger die höchsten Strompreise Europas.

Das mag ja so stimmen. Dennoch würde mehr als die Hälfte der Deutschen für Strom aus erneuerbaren Energiequellen zehn Prozent mehr bezahlen als bisher. Das Argument, grüner Strom sei teurer als herkömmlicher Strom, wird dabei nahezu unabhängig vom Einkommen als akzeptabel beurteilt.

Laut der Studie wären auch bei einem Haushaltseinkommen von nur 1.000 bis 1.500 Euro netto im Monat 51 Prozent der Befragten bereit, für Ökostrom mehr Geld zu bezahlen.

Interessant, dass gerade die Schwaben, von Haus aus ja ein eher sparsames Völkchen, bereit wären, besonders tief in die Tasche zu greifen, um das Klima durch den Bezug von Ökostrom zu schützen.

Vielleicht hängt das damit zusammen, dass die Menschen im Ländle Baden-Württemberg immer noch zu mehr als 50 Prozent abhängig von Atomstrom sind. “71 Prozent der Baden-Württemberger wären bereit“, so die Autoren der Studie, „für grünen Strom mehr zu bezahlen – so viele wie nirgendwo sonst in der Republik.”

Das freut zu hören. Nur sicherlich nicht Stefan Mappus, seines Zeichens CDU-Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Der tritt ja gerne vehement für eine Laufzeitverlängerung für Deutschlands Atomkraftwerke auf, so oder so ähnlich wie: »Die Union ist dafür, die FDP und die Regierung. Und ich bin es ohnehin.« Dumm nur, wenn das Volk dagegen ist.

Daniel Seemann

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