Über den Dächern

Großstädten sagt man nach, dass sie kahl und zu wenig begrünt sind. Parks und Grünanlagen sind nur vereinzelt zu finden und wenn, dann meist nur sehr klein. Als erste deutsche Großstadt wirkt Hamburg nun gegen diese Vorbehalte, indem es seine Dächer begrünt.

Der Plan der Stadt Hamburg, seine Dächer systematisch zu begrünen, ist als Maßnahme gedacht, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Dass dieser Plan enorme Vorteile mit sich bringt und tatsächlich den Klimaschutz vorantreibt, stellte die hanseatischen Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt bereits im April diesen Jahres fest. Sie bewilligte Mittel in Höhe von drei Millionen Euro, die die Stadt für den Bau begrünter Dächer auf Neubauten sowie Flachdachsanierungen bis zum Jahr 2019 erhält.

Vor kurzem gab auch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit bekannt, das Projekt „Gründachstrategie“ zu fördern. Die Förderung ist Teil des Pilotprojekts „Maßnahmen zur Anpassung an den Klimaschutz“. Die Resultate, die aus dem Projekt hervorgehen, sollen später anderen Städten als Referenzwerte dienen und zur Teilnahme an der Strategie ermutigen.

Insbesondere das Begrünen von öffentlichen Bauten ist ein wichtiges Signal der Initiative. So ist beispielsweise geplant, das Dach der Universität HafenCity zu begrünen, die ebenfalls am Projekt beteiligt ist und dieses wissenschaftlich begleitet. Durch die Verbindung der Gründachstrategie mit klimaschonendem Bauen sollen freiwillige Maßnahmen der Dachbegrünung vorangetrieben werden. Unterstützung erfahren die Begrünungsmaßnahmen in Form von Zuschüssen der Hamburger Investitions- und Förderbank.

Ein Ziel der Gründachstrategie ist es, bei der Entschärfung von stadtökologischen und ökonomischen Problemen zu helfen, mit der jede Großstadt zu kämpfen hat. Denn das Begrünen der Dächer filtert Feinstaub und Luftschadstoffe und kann sogar den vorherrschenden Elektro-Smog mindern. Weitere Vorteile sind die Dämmung von Lärm und Wärme sowie ein reduzierter Energieverbrauch der Gebäude.

Darüber hinaus bietet die Begrünung auch Schutz für die Dachabdeckung, da die Pflanzen sowohl im Sommer durch Luftbefeuchtung und Kühlung als auch im Winter durch die Wärmedämmung moderatere Temperaturverhältnisse schaffen und das Dach selbst extreme Wind- und Wettereinflüsse wie Sturm und Hagel aushält. Dadurch verlängert sich die Lebensdauer der Dachabdichtung um nahezu das Doppelte im Vergleich zu unbegrünten Dächern.

Selbst gegen Überschwemmungen ist die Dachbegrünung nützlich, denn die Pflanzen bieten einen Regenwasserrückhalt von 50-90 Prozent der Niederschläge. Dadurch wird auch die Überlastung von Entwässerungssystemen gemindert. Für eine Hafenstadt wie Hamburg ist dies von unschätzbarem Wert.

In Kombination mit Photovoltaikanlagen verhelfen die begrünten Dächer PV-Anlagen sogar zu einem erhöhten Wirkungsgrad, da Gründächer im Vergleich zu bekiesten oder nackten Dächern für eine niedrigere Umgebungstemperatur sorgen. Zusätzlich bieten sie Lebensraum für Pflanzen und Tiere und können so die Biodiversität erhöhen.

In Zukunft sollen mehr grüne Dächer das Stadtbild von Hamburg zieren und den Klimaschutz damit antreiben.

Lara Kösesoy

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