Übersicht: Vögel als Indikatoren des Klimawandels

Folge 1. Übersicht

In einer Reihe von Artikeln werden wir die verschiedenen Auswirkungen des Klimawandels auf Vögel im Detail beschreiben. Dieser erste Artikel dient einer kurzen Übersicht über die Thematik.

Die Auswirkungen des Klimawandels sind jetzt schon stark zu spüren. Sei es durch stärkere Wetterextreme wie Hitzewellen, Dürreperioden, oder Überschwemmungen, oder durch das rapide Abschmelzen des arktischen Eises und der alpinen Gletscher. Diese direkten Folgen des Klimawandels haben wiederum Auswirkungen auf Ökosysteme, von Steppen bis zum tropischen Regenwald. Besonders empfindlich trifft der Klimawandel dabei die Arten, die

    1. auf ganz bestimmte Habitate innerhalb eines Ökosystems angepasst sind
    1. eine kleine geografische Verbreitung haben
    1. durch menschliche Aktivitatäten schon stark im Bestand reduziert wurden
    1. die in Ökosystemen leben, die durch den Klimawandel höchstwahrscheinlich verloren gehen (z.B. hochalpine Lagen)

Viele Arten sind natürlich auch ohne Klimawandel schon durch andere menschlichen Aktivitäten (wie Habitatszerstörung) stark im Bestand gefährdet. Populationsrückgänge sind daher nicht allein auf den Klimawandel zurückzuführen. Jedoch ist zu befürchten, dass die zusätzliche Belastung der Tier- und Pflanzenwelt durch den Klimawandel die Anpassungsfähigkeit vieler Arten übersteigen wird.

Bei einer geschätzten Zahl von bis zu 10 Millionen Tierarten, sind die Auswirkungen des Klimawandels für die meisten Arten unbekannt. Eine der am besten untersuchten Tiergruppen sind die Vögel, da sie relative leicht zu beobachten sind, und weil sie wohl auch einfach „liebenswerter“ sind als einige andere Arten. Daher sind die Auswirkungen des Kimawandels auf Vögel auch schon relativ gut bekannt. Und daher werden Vögel auch oft als Indikatoren für sich ändernde Umweltbedingungen herangezogen.

Die bisher beobachteten Auswirkungen des Klimawandels auf Vögel beinhalten:

    1. Frühere Rückkehr aus dem Überwinterungsgebiet
    1. Späterer Wegzug in das Überwinterungsgebiet
    1. Änderungen im Zugverhalten
    1. Früherer Brutbeginn
    1. Geringerer Nisterfolg
    1. Änderung der geographischen Verbreitung einer Art

Manche dieser Auswirkungen sind positiv. So ist z.B. die Zunahme der Bienenfresser-Population in Baden-Württemberg eine erfreuliche Entwicklung. Mehrere andere südliche Arten verschieben auch ihr Verbreitungsgebiet nach Norden, und erreichen dadurch Deutschland.

Eine andere potentiell positive Entwicklung ist die frühere Rückkehr aus dem Überwinterungsgebiet. Dies, gekoppelt mit einem früheren Brutbeginn, könnte bedeuten, dass Vögel mehr Gelege hochziehen können, und dadurch ihre Populationen ansteigen. Das ist leider nicht der Fall, auf jeden Fall nicht bei den Arten, für die wir genügend Informationen haben, um die Auswirkungen eines vorgezogenen Frühlings zu untersuchen.

Das Problem ist, dass das Nahrungsvorkommen für die Jungenaufzucht – v.a. Raupen – sich sehr viel schneller an die sich ändernden Umweltbedingungen anpasst. Während Raupen nun bis zu 3 Wochen früher ihr maximales Vorkommen erreichen, hinken Vögel in ihrem Brutbeginn hinterher. Dies kann bewirken, dass Nestlinge im Nest verhungern, da die Elternvögel nicht genügend Nahrung zur Jungenaufzucht finden.

Ähnliches passiert bei Seevögel-Kolonien. Seevögel-Arten füttern ihren Jungen kleine Fische, v.a. Sandaale. Durch die Zunahme der Meerestemperatur hat sich jedoch die Verbreitung einiger Fischarten um 100-erte von Kilometern nach Norden verlagert, und können daher von der Brutkolonie aus nicht erreicht werden. Einige Arten von Seevögeln haben dadurch (und durch Überfischung) seit einiger Zeit extrem niedrigen Nisterfolg, was zu starken Rückgängen in ihren Populationen geführt hat.

Die zukünftige Entwicklung Europa’s Vogelpopulationen wurde kürzlich in einem „Klimaatlas Europäischer Vögel“ beschrieben. Darin werden die möglichen Verbreitungsänderungen europäischer Vogelarten beschrieben. Die abgebildeten Verbreitungskarten basieren darauf, wie sich die geografische Lage der Klimabedingungen unter denen eine Art heute lebt voraussichtlich ändern wird. Dabei wird deutlich, wie stark der Klimawandel die Verbreitung vieler Vogelarten beeinflussen wird. Da die Karten jedoch ausschliesslich auf Klimaveränderungen, und nicht auf zusätzlichen Stressoren wir Habitatszerstörung und Nahrungsmangel, basieren, stellen sie die zukünftige Verbreitung europäischer Vögel relative grob dar. Jedoch können präzisere Karten noch nicht erstellt werden, da wir die komplizierten Wechselwirkungen aller beteiligten Faktoren, noch nicht gut genug verstehen.

Es besteht jedenfalls zu befürchten, dass die positiven Auswirkungen des Klimawandels auf Vögel, von den negativen Auswirkungen weit überboten werden. Details dazu werden in nachfolgenden Artikeln diskutiertt.

Maiken Winter

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