TheCompensators*: Wegwerfen zugunsten des Klimas

CO2-Kompensation; Bild: shutterstock

Sie kaufen die Verschmutzungs-rechte für möglichst viele Tonnen CO2 und werfen sie dann in die Tonne! Das ist, sehr verkürzt erklärt, die Tätigkeit der Organisation „TheCompensators*“.

Seit dem Jahr 2005 besteht im Zusammenhang mit dem Kyoto-Protokoll der EU-Emissionshandel, kurz ETS (Emission Trading System). Beteiligt daran sind europaweit zirka 12.000 Unternehmen. Sie produzieren Güter wie Stahl, Strom oder Zement, bei deren Herstellung besonders viel CO2 emittiert wird. Für jedes dieser Unternehmen wird festgelegt, wieviel CO2 es pro Jahr ausstoßen darf. Es erhält dementsprechend viele CO2-Zertifikate. Wirtschaftet ein Unternehmen nun klimaschonend, so kann es sich finanziell belohnen, indem es ungenutzte Verschmutzungsrechte an andere Unternehmen verkauft.

Der Organisation TheCompensators* geht das nicht weit genug. Sie ist der Meinung, dass alle Verursacher von CO2 in den Emissionshandel einbezogen werden sollten. Also auch der einzelne Privatverbraucher. Für ihn hat sie dies nun möglich gemacht. Die zehn bis elf Tonnen CO2, die der Durchschnitts-Deutsche pro Jahr verursacht, kann er über die Organisation nun wahlweise vollständig oder zu einem Teil kompensieren. Auf der Homepage der Organisation sind Beispiele dafür aufgeführt, wieviel CO2 etwa durch eine Flugreise, den Haushaltsstrom oder die Ernährungsproduktion entsteht. Für individuelle Berechnungen steht auch ein Emissionsrechner zur Verfügung. Der Ausgleich erfolgt über eine Spende an TheCompensators*, wovon die Organisation dann CO2-Zertifikate kauft. Für das Zertifikat über das Emissionsrecht von einer Tonne CO2 sind derzeit 20 Euro zu zahlen. Das Ziel dieses Kaufs ist das Verzichten auf die Verschmutzungsrechte, also die Vernichtung der Zertifikate. Somit stehen sie den industriellen Unternehmen nicht mehr zur Verfügung.

Zwar bieten auch andere Organisationen an, etwa für eine durchgeführte Flugreise mit einer Spende einen Ausgleich zu schaffen. Mit einer Spende an TheCompensators* werden die verursachten Emissionen jedoch in den Handel und damit in die für die Europäische Union festgesetzten Obergrenzen für CO2-Emissionen einbezogen. Dadurch, dass die mit der Spende gekauften Zertifikate durch TheCompensators* vernichtet werden, wird die CO2-Menge, die die europäische Industrie ausstoßen darf, verringert. Die Verknappung an Verschmutzungsrechten soll dafür sorgen, dass klimaneutrale Technologien schneller entwickelt werden.

TheCompensators* betonen, dass keine Kosten für die Verwaltung der Organisation anfallen. Diese erfolgt auf rein ehrenamtlicher Basis. Die Initiative wurde 2006 von einigen Mitarbeitern des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) gegründet und ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein. Transparenz ist den Freiwilligen sehr wichtig. Auf ihrer Homepage veröffentlichen sie daher auch stets ihre Jahresberichte.

Natürlich sind sich TheCompensators* bewusst, dass beim derzeitigen Spendenaufkommen der Organisation die CO2-Einsparung einen eher symbolischen Charakter hat. Doch TheCompensators* wollen mit ihren Aktionen auch Interesse am Thema Emissionshandel wecken. Sie möchten aufzeigen, dass dieser Handel im Prinzip eine gute Methode ist, um den globalen CO2-Ausstoß zu reduzieren, dass aber die Rahmenbedingungen noch stark modifiziert werden müssen, um wirklich einen nachhaltigen Effekt auszulösen.

*Das Sternchen im Namen steht für jede Tonne CO2, die über die Organisation gelöscht wurde.

Birte Moritz

3 Bemerkungen

  • Hi,
    ich finde es klasse, wenn sich Leute für das Klima einsetzen!
    Bei diesem Vorgehen sehe ich allerdings folgendes Problem: durch die “Verknappung” der Emissionsrechte steigt ersteinmal der Preis für diese. Das hat zur Folge, dass die höheren Kosten für den Erwerb der Zertifikate durch die Unternehmen auf die Verbraucher umgelegt werden.
    Somit zahlt der Verbraucher dafür, mehr zahlen zu müssen – für mich betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll.
    Was ich dagegen als sinnvoll erachte ist folgendes Vorgehen: Bislang wurden die Emissionsrechte durch die Bundesregierung verschenkt und mit dem Wert, zudem sie auf dem Weltmarkt gehandelt werden in den Bilanzen der Unternehmen aktiviert und als Kosten (die effektiv gar nicht enstanden sind, da sie verschenkt wurden) auf die Verbraucher umgelegt.
    Somit kann die Lösung m.E. nur sein, dass die Unternehmen endlich für die Rechte zahlen müssen – umgelegt werden die Kosten schon jetzt. Durch die Einnahmen könnte die Regierung zum Beispiel durch Senken der Stromsteuer den Verbrauchern entlasten.

    Gruß Matthias

  • @Matthias,
    Du musst das von einer anderen Seite her betrachten. Bei den Zertifikaten und der Berechnung derer für ein Unternehmen geht es in erster Linie um die Vermeidungskosten. Sprich: Wie viel kostet es mich eine Tonne CO2 zu vermeiden, und wann ist das teurer als die Zertifikate. Deshalb gibt es ja so Projekte das Unternehmen effiziente Holzöfen nach Afrika bringen, oder ein Biotop anlegen. Deshalb gibt es aber auch derzeit in vielen Unternehmen Bestrebungen weniger Energie zu verbrauchen – weil man in dem Bereich unterhalb der Vermeidungskosten”kurve” einiges erreichen kann.
    Steigen nun die Preise für die Zertifikate, werden die Unternehmen diese Kosten zwar kurzfristig versuchen weiter zu geben, was nur bedingt geht – im Grunde steigen aber in erster Linie die Vermeidungskosten, was dazu führt das Beispielsweise ein Unternehmen dann doch die gesamte Abwärme über ein Wärmetauschersystem zum Büro´s-heizen verwendet – was sich vorher vielleicht nicht gelohnt hätte, weil die Zertifikate billiger waren.
    Von dem her bringt das oben genannte theoretisch sehr viel – praktisch überhaupt nicht, da unsere xxxxregierung auch in dieser Hinsicht nicht auf die Wirtschaftsbewegungen reagiert hat, und deshalb die Unternehmen, wo es wirklich wichtig und richtig wäre, aktuell auf einem riesen Haufen CO2-Zertifikate sitzen, so dass der Preis dafür so niedrig ist wie nie zuvor. Die Zertifikate zu kaufen und wegzuwerfen macht derzeit so viel Sinn wie wenn man mit dem Geld direkt den Ofen heizt und dadurch Holz spart.
    Hier ist ein sehr sinnvolles Instrument aktuell zur trostlosten Lachnummer verkommen, wollen wir hoffen dass sich das wieder ändert.

  • @Matthias,
    Du musst das von einer anderen Seite her betrachten. Bei den Zertifikaten und der Berechnung derer für ein Unternehmen geht es in erster Linie um die Vermeidungskosten. Sprich: Wie viel kostet es mich eine Tonne CO2 zu vermeiden, und wann ist das teurer als die Zertifikate. Deshalb gibt es ja so Projekte das Unternehmen effiziente Holzöfen nach Afrika bringen, oder ein Biotop anlegen. Deshalb gibt es aber auch derzeit in vielen Unternehmen Bestrebungen weniger Energie zu verbrauchen – weil man in dem Bereich unterhalb der Vermeidungskosten”kurve” einiges erreichen kann.
    Steigen nun die Preise für die Zertifikate, werden die Unternehmen diese Kosten zwar kurzfristig versuchen weiter zu geben, was nur bedingt geht – im Grunde steigen aber in erster Linie die Vermeidungskosten, was dazu führt das Beispielsweise ein Unternehmen dann doch die gesamte Abwärme über ein Wärmetauschersystem zum Büro´s-heizen verwendet – was sich vorher vielleicht nicht gelohnt hätte, weil die Zertifikate billiger waren.
    Von dem her bringt das oben genannte theoretisch sehr viel – praktisch überhaupt nicht, da unsere xxxxregierung auch in dieser Hinsicht nicht auf die Wirtschaftsbewegungen reagiert hat, und deshalb die Unternehmen, wo es wirklich wichtig und richtig wäre, aktuell auf einem riesen Haufen CO2-Zertifikate sitzen, so dass der Preis dafür so niedrig ist wie nie zuvor. Die Zertifikate zu kaufen und wegzuwerfen macht derzeit so viel Sinn wie wenn man mit dem Geld direkt den Ofen heizt und dadurch Holz spart.
    Hier ist ein sehr sinnvolles Instrument aktuell zur trostlosten Lachnummer verkommen, wollen wir hoffen dass sich das wieder ändert.