Sommer, Sonne, Klimaschutz: Green Festivals

Mit dem Sommer beginnt auch die Zeit der Musikfestivals und die finden zwar meistens im Grünen statt, sind aber zumeist alles andere als ein Segen für Umwelt und Klima. Denn wie ich selbst schon mehrfach erleben durfte, wollen viele Festivalbesucher anscheinend hauptsächlich ordentlich die Sau raus lassen. Dass dabei durch den An- und Abreiseverkehr gewaltige Abgasmengen verursacht werden und nach einem Festival ein gigantischer Abfallberg zurückbleibt, stört wohl die Wenigsten. Trotzdem scheint zumindest bei einigen Festival-Veranstaltern ein Umdenken einzusetzen und es entsteht der Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit, sei es aus Idealismus oder auch aus Imagegründen.

 

So hat beispielsweise das vom 16. bis 18. Juli bei Dessau stattfindende Melt Festival gemeinsam mit der Kampagne Klima sucht Schutz einen Leitfaden für Festivalbesucher namens „Der Weg zum Klimagott“ erarbeitet. Außerdem wurde in Zusammenarbeit mit der Green Music Initiative ein Verkehrsplan erstellt, der einerseits die Wege der rund 22.000 Besucher analysiert und andererseits Alternativen zur Anreise mit dem Pkw vorschlägt.

So bietet die Deutsche Bahn Sonderkonditionen exklusiv für Besucher des Melt Festivals an und bei Deutsche Bus kann man gleich einen ganzen Bus chartern, wobei natürlich der Einzelfahrpreis sinkt, je mehr Leute mitfahren. Außerdem findet eine Radtour von Berlin zum Veranstaltungsort statt, was mir angesichts der 130 Kilometer Entfernung und des doch ansehnlichen Campinggepäcks als keine besonders gute Idee erscheint. Sehr gut gefällt mir hingegen der Melt-Festival-Hotelzug, mit dem man nicht nur für 59 Euro bequem von Köln zu dem Festival reisen kann, sondern auch gleich noch eine komfortable Unterkunft für die vier Nächte zur Verfügung hat.

Interessant klingt auch das Öko-Konzept namens Green Footsteps des dänischen Roskilde Festivals, das in diesem Jahr vom 30. Juni bis 3. Juli 2010 stattfand. Da über 80 Prozent der CO2-Emissionen durch die rund 75.000 Festivalbesucher verursacht werden, soll ein eigener Bahnhof am Festivalgelände möglichst viele Leute zur Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewegen und es wird eine eigene Mitfahrzentrale angeboten.

Zusätzlich wird Energie gespart, wo immer es geht. So wird die komplette Beleuchtungsanlage mit LED-Lampen betrieben und der gesamte Energiebedarf mit Strom aus Windenergie gedeckt. Auch bei der angebotenen Verpflegung spielen Klima- und Umweltaspekte eine wichtige Rolle. Da die Herstellung vegetarischer Lebensmittel deutlich weniger Treibhausgase verursacht, wird vermehrt Fleischloses angeboten. Außerdem gibt es verschiedenste Fairtrade-Produkte, solarstromgekühltes Eis und Second Hand Kleidung zu kaufen.

Das klingt zwar alles sehr lobenswert, aber wenn die Festivalbesucher nicht mitziehen, ist es trotzdem nur der berüchtigte Tropfen auf dem heißen Stein. Denn neben dem An- und Abreiseverkehr sind auch die gewaltigen Müllmengen des Publikums ein großes Problem. In Roskilde hinterlässt jeder Festivalbesucher durchschnittlich 23 Kilo Abfall und am letzten Abend bleiben unglaubliche 20.000 Campingzelte einfach stehen. Was sind also Anreize, um die Besucher zu mehr Nachhaltigkeit zu motivieren? Beim Roskilde Festival versucht man es mit einem Belohnungssystem. Wer sich besonders vorbildlich benimmt, darf auf einem speziellen Zeltplatz campieren oder kann zusätzliche Eintrittskarten gewinnen.

Ob sich auf diese Art Alkoholleichen und Partygänger zu einem umweltbewußteren Verhalten motivieren lassen, wage ich zu bezweifeln, aber zumindest gehen auch immer mehr Musiker und Bands mit gutem Beispiel voran. So rockten Die Ärzte 2007 auf ihrer „Es wird eng“-Tour klimaneutral, indem sie in Zusammenarbeit mit der Non-Profit-Organisation CO2OL alle durch die Tour verursachten CO2-Emissionen durch die Pflanzung von Bäumen ausglichen.

Matthias Schaffer

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