Das erfolgreiche Prinzip des Ernteteilens

Solidarische Landwirtchaft

Ob bio, öko, nachhaltig oder unkonventionell – die Begriffe sollen dem Verbraucher nicht nur ein gutes Gewissen versprechen, sondern auch zu einer gesunden Ernährung beitragen. Doch ob die gekauften Biolebensmittel tatsächlich zu festgelegten Richtlinien hergestellt worden sind und der Landwirt ausreichend vom Verkauf profitiert, lässt sich nur schwer nachvollziehen.

Eine neue Form der Landwirtschaft ermöglicht jedoch genau dies: Bei der solidarischen Landwirtschaft gehen ein landwirtschaftlicher Betrieb oder Gärtnerei mit einer Gruppe von privaten Haushalten eine Partnerschaft ein, durch die ein Teil der Ernte des Hofes an den interessierten Personenkreis zu einem Festbetrag pro Monat abgenommen wird. Der Ansatz, auch unter dem Begriff Community Supported Agriculture (CSA) bekannt, entwickelte sich zunächst unabhängig während der 1970er-Jahre in Japan sowie Europa und den USA. In den 1990er-Jahren breitete sich das Konzept bis nach Großbritannien und Kanada aus, seitdem steigt die Zahl der Solidarhöfe und deren Vernetzung weiterhin an, in Deutschland existieren gegenwärtig 21 dieser Solidarhöfe.

Doch wie funktioniert das Prinzip der solidarischen Landwirtschaft und welche Vorteile bringt es mit sich?

Zunächst werden durch einen interessierten Personenkreis Anteile der Produktion eines landwirtschaftlichen Betriebs im Voraus erworben. Das Risiko von Ernteeinbußen durch beispielsweise schlechte Wetterbedingungen oder Schädlingsbefall trägt nun die Gemüse-Versorger-Gemeinschaft gemeinsam. Alle Kosten, die anfallen, fließen in die Preiskalkulation ein. Daraus wird ein Geldbetrag bestimmt, der monatlich von den privaten Haushalten an den landwirtschaftlichen Betrieb gezahlt werden muss. Zumeist fällt der resultierende Preis geringer aus, als bei einem Einkauf im Biomarkt.

Nach einem festen Rhythmus – meist einmal in der Woche – können die Mitglieder der solidarischen Landwirtschaft schließlich ihre Lebensmittel auf dem Hof oder einem vereinbarten Stützpunkt abholen. Somit wird zum einen die Versorgung der Verbraucher mit saisonalen, regionalen und ökologischen Produkten als Alltagsmodell ermöglicht. Zum anderen wird dadurch der Absatz für einen Teil der Erzeugnisse gesichert, der Landwirt trägt damit nicht mehr das alleinige Risiko eines Ernteausfalls, was die Abhängigkeit von staatlichen Subventionen verringert.

Bei der solidarischen Landwirtschaft werden schließlich die Verantwortung, das Risiko, die Kosten sowie die Ernte zwischen allen Beteiligten aufgeteilt: Die privaten Kunden erwerben frisches Gemüse und Obst sowie das Wissen um die Herkunft und Verarbeitung ihrer Produkte. Der Landwirt hingegen erhält finanzielle Sicherheit und wertvolle Unterstützung bei dem Verkauf seiner Produkte. Somit profitieren beide Seiten von der ökologischen Nahrungsmittelproduktion, die essentiell für eine nachhaltige Entwicklung ist.

Luisa Egenlauf

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