Alternative für den Verpackungsmüll-Europameister

Bio-Kunststoffe als Alternative
Bio-Kunststoffe als Alternative

Deutschland ist Europameister im Produzieren von Verpackungsmüll. Das zeigen aktuelle Zahlen des Bundesumweltministeriums. Gerade Plastikmüll hat eine schlechte Umweltbilanz, weil der Großteil davon verbrannt werden muss oder im schlimmsten Fall viele Jahr lang die Umwelt verschmutzt. Biokunststoffe könnten hier eine echte Alternative sein. Bis zur Plastik-Tüte aus 100 Prozent nachwachsenden Rohstoffen wird es jedoch noch eine Weile dauern.

Es ist ein bedenklicher Titel: Deutschland ist nach aktuellen Zahlen des Bundesumweltministeriums europaweit das Land, das am meisten Verpackungsmüll produziert. Knapp 213 Kilogramm davon schmiss jeder Deutsche durchschnittlich im Jahr 2013 weg – pro Kopf sind das sechs Kilogramm mehr als im Jahr 2012. Hochgerechnet auf das gesamte Land kamen so 2013 rund 17,1 Millionen Tonnen Müll zusammen.

Die Bundesregierung glaubt, dass uns diesen fragwürdigen Meistertitel vor allem der Online-Versandhandel eingebracht hat. Papier und Karton hätten den mit Abstand größten Anteil am Verpackungsmüll. Die Vorsitzende des Umweltausschusses, Bärbel Höhn (Grüne), sagte, dass vor allem unnütze Verpackungen vermieden werden müssten. „Wir brauchen Anreize, dass die Kaffeekapsel nicht dreifach verpackt ist.“

Während organischer Abfall wie Papier und Karton zwar mengenmäßig das größte Problem darstellt, sind es vor allem die anorganischen Abfälle, die der Umwelt und dem Klima am meisten schaden. Vor allem die klassische Plastiktüte hat eine besonders schlechte Umweltbilanz. Diese besteht aus dem Kunststoff Polyethylen (PET), das aus Erdöl hergestellt wird. Bis sich dieser Rohstoff vollständig aufgelöst hat, vergehen mehrere hundert Jahre.

Der Durchschnittseuropäer kauft jedes Jahr etwa 500 solcher Tüten. Er benutzt sie ein paar Minuten, und schmeißt sie anschließend im besten Fall in den Abfall, im schlechtesten landen sie in der Natur. Der EU-Umweltkommissar Janez Potočnik hat nun eine radikalen Lösung für dieses Müllproblem ins Auge gefasst: Das europaweite Verbot der PET-Plastiktüten. In Italien gilt dieses übrigens schon seit Anfang des Jahres. Ein anderer Ansatz, der derzeit diskutiert wird, ist die Abschaffung kostenloser Plastiktüten, wie sie oft in Bekleidungsgeschäften, Baumärkten oder Drogerien angeboten werden. Solche könnten dann künftig ebenfalls etwas kosten.

Eine echte Alternative zu den herkömmlichen Tüten aus Polyethylen können Biokunststoffe sein, sagt Ursula Weck, Geschäftsführerin der Victorgroup, die unter anderem bio-basierte Folien für Verpackungen herstellt. „Die aktuelle Debatte könnte den Anstoß zu einem Perspektivenwechsel geben. Nachhaltige Technologien wie Biokunststoffe sparen fossile Ressourcen und lassen sich umweltfreundlich entsorgen.“

Die neuen Bio- Kunststoffe sollen sich innerhalb von nur sechs Wochen restlos entsorgen lassen. Doch was ist das Geheimnis hinter dem biologischen Kunststoff?

Erfunden hat ihn unter anderem der Chemiekonzern BASF. Er besteht in etwa zur Hälfte aus Maisstärke, die andere Hälfte aus einem biologisch abbaubaren Plastikrohstoff. Der wird allerdings nach wie vor aus Erdöl gewonnen. Von einer reinen Bio-Tüte kann man demnach noch nicht sprechen. In den kommenden Jahren soll der Erdölanteil allerdings weiter gesenkt werden.

  • Das könnte Sie auch interessieren:
  • Biotonne statt Elektroschrott
  • EU will Plastiktüten-Verbrauch stark verringern
  • „OHNE“ – Münchens erster verpackungsfreier Supermarkt

Seit ein paar Monaten hat die Supermarktkette Rewe solche Einkaufstüten aus Bio-Plastik im Angebot – für 40 Cent pro Stück. Weit teurer, als die herkömmlichen Plastiktüten aus Polyethylen, die, je nach Ausführung, zwischen 10 Cent und 20 Cent kosten. Ob die Verbraucher auch bereit sind, diesen Aufpreis zu zahlen, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Wenn es wirklich zu einem europaweiten Verbot der Polyethylen-Tüten kommt, werden die Bio-Tüten allerdings eine echte Alternative sein. Sinnvoll ist der Bio-Kunststoff jedoch schon heute. Durch den wesentlich schnelleren Zerfallsprozess können wir aktiv dabei helfen, die Umwelt in Zukunft vor der zunehmenden Vermüllung zu bewahren. 

Quelle: Presseportal

Add comment