Schwindende Seegraswiesen als CO2-Schleuder

Seegraswiese

Dass die Wälder unserer Erde gigantische Kohlenstoffspeicher sind und deshalb geschützt werden sollten, ist hinlänglich bekannt. Dasselbe gilt allerdings auch für viele Pflanzen unter dem Meeresspiegel. So speichern die Seegraswiesen der Ozeane laut einer Studie aus dem Jahr 2005 etwa 27 Millionen Tonnen Kohlenstoff pro Jahr und damit sogar etwas mehr als alle Mangrovenwälder zusammen. Doch die Meerespflanzen leiden unter der Erderwärmung und so gelangen jährlich Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid zurück in die Atmosphäre.

Besonders betroffen vom Rückgang der Seegraswiesen ist das Mittelmeer, wo sich das Wasser besonders rapide erwärmt. Laut Wissenschaftlern des spanischen Mittelmeer-Forschungsinstituts Imedea könnte das dort heimische Neptungras bereits Mitte des Jahrhunderts nahezu völlig verschwunden sein. Laut den im Fachjournal „Nature Climate Change“ veröffentlichten Berechnungen der Forscher wird der Bestand der sehr langsam wachsenden Meerespflanze im westlichen Mittelmeer als Folge der Erderwärmung bereits 2049 derart geschrumpft sein, dass das Neptungras seine ökologische Funktion als Heimat und Nahrungsquelle für viele Meerestiere nicht mehr erfüllen kann.

Das ist auch für das Klima besonders verheerend, da insbesondere Neptungraswiesen durch die Länge der Pflanzen die größten Kohlenstoffspeicher unter den Seegräsern sind. Weltweit bedecken Seegräser nach Schätzungen von James Fourqurean und seinen Forscherkollegen an der Florida International University eine Meeresbodenfläche, die fast zweimal so groß wie Deutschland ist. Und in diesem gigantischen Pflanzenteppich samt dazugehörigem Meeresboden sind weltweit bis zu 20 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert.

Wie Fourqurean und sein Team im Fachjournal „Nature Geoscience“ berichten, haben sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts bereits 30 Prozent der bekannten Seegraswiesen in sandigen oder kargen Meeresgrund verwandel und die Fläche schrumpft weiter, derzeit um etwa 1,5 Prozent pro Jahr. Allein durch das Absterben der Meerespflanzen werden laut den Berechnungen der Wissenschaftler elf bis 23 Millionen Tonnen Kohlenstoff freigesetzt. Wenn der Bodenverlust in die Kalkulation einbezogen wird, könnten es sogar 63 bis 300 Millionen Tonnen und somit zehn Prozent des wieder frei werdenden Kohlendioxids durch Waldvernichtung und Landumwandlung sein.

Matthias Schaffer

Add comment