Salztolerante Nutzpflanzen – das Gemüse von morgen?

Eines der meist diskutierten Themen unserer Zeit ist der erwartete Anstieg des Meeresspiegels im Zuge der Erwärmung des globalen Klimas. Verschiedene Maßnahmen werden getroffen, wie das Verstärken von Deichen, das Erstellen von Notfallplänen und die Erwägung von Umsiedlungen von Inselbevölkerungen. Wann und wie hoch das Wasser steigen wird kann niemand genau vorhersagen. Aber dass es passieren wird, dessen ist man sich mittlerweile sicher.

Ich studiere in den Niederlanden, einem Land das sowohl mit dem steigenden Wasser zu kämpfen hat, da es zu großen Teilen ohnehin schon unter Normalnull liegt. Zum anderen ist es ein Land der Agrarwirtschaft und der Großteil der durch Überschwemmung gefährdeten Flächen wird landwirtschaftlich genutzt. Diese Flächen leiden bereits jetzt unter der sogenannten Versalzung. Salzwasser sickert ins Grundwasser und unter den Deichen hindurch. Konventionelle Nutzpflanzen werden dadurch geschädigt oder können überhaupt nicht mehr angebaut werden.

Da das Meer nun einmal stärker ist als der Mensch, schaut man sich nun nach Möglichkeiten um, das Problem in eine Chance umzuwandeln. Die mögliche Lösung heißt salztolerante Nutzpflanzen oder Halophyten. Pflanzen, die auf salzhaltigen Böden gedeihen können und als Nahrungs- oder Futtermittel nutzbar sind. Weltweit versucht man solche Gewächse zu züchten, sei es durch Kreuzungen existierender Pflanzen oder durch genetische  „Neukreationen“.  Doch das Vorhaben gestaltet sich als schwierig. Obwohl es viele Halophyten verschiedenster Art gibt, wie zum Beispiel die Salzmiere (Honckenya peploides) oder der Strandaster (Aster tripolium), müssten mehr als ein Merkmal auf einmal eingekreuzt werden, was sich als schwierig erweist. Laut den Forschern Rozema und Flowers ist es noch ein langer Weg bis beispielsweise salztoleranter Reis oder salztolerantes Getreide auf dem Markt sind. Ihnen zu Folge können Bioingenieure auch nach 15 Jahren Forschung keine derartigen Sorten anbieten. Unsere derzeitigen Nutzpflanzen sind jahrtausendelang kultiviert und gezüchtet worden. Das soll mit den Halophyten nun innerhalb weniger Jahre passieren. Ein ehrgeiziges Unterfangen.

Doch es gibt nicht nur negative Ergebnisse. Auch einige der natürlich vorkommenden Gewächse sind ökonomisch intressant. Der Queller (salicornia bigelovii ) wird zur Gewinnung von Öl angebaut und wirft etwa doppelt so viel Ertrag wie Sonnenblumen ab und auch die Salzaster wird als Salat oder Gemüse genutzt. Verschiedene Arten werden als Viefutter verwendet. Die Salzmelde (Atriplex Halimus) und die Salzakazie (Acacia salina) wurden unter anderem an Schafe und Ziegen verfüttert, die die salzhaltige Kost gut zu vertragen scheinen. Schon seit Jahrhunderten werden die Salzwiesen der Nordsee als Weideland für Rinder, Pferde und Schafe genutzt, die mit den dort wachsenden Pflanzen gut zurecht kommen.

Aber auch als Biomasse, zum Beispiel zur Energiegewinnung, bieten sich Halophyten, wie salztolerante Pappeln, an. Bei deren Aufforstung könnten ihr tiefreichenden Wurzeln zusäzlich zur Senkung des Grundwasserspiegels führen, was eine weitere Versalzung des Bodens verhindern könnte.

Und auch in den trockenen Gebieten der Erde können Halophyten eine Lösung für viele Probleme darstellen. In ariden Gebieten, also dort wo mehr Wasser verdunstet als niederschlägt, bleiben auf dem Boden Salze zurück und führen zur Versalzung. Salztolrante Pflanzen könnten den Bewohnern solcher Gebiete die Möglichkeit geben, ihr kostbares Süßwasser zu sparen und trotz saliner Böden Landwirtschaft zu betreiben.

Es wird deutlich dass Salztolerante Pflanzen ein hohes Potential haben als vielseitige Nutzpflanzen angebaut zu werden. Jedoch besteht auf diesem Gebiet noch ein hoher Bedarf an Forschung. Die Pflanzen können weltweit zur Lösung von Problemen beitragen, angefangen bei den von Überflutung bedrohten Niederlanden bis hin zu den trockenen Wüstenregionen der Erde. Da der Wasservorrat unseres Planeten zu zirka 96 Prozent aus Salzwasser besteht, wäre es durchaus sinnvoll, so viel wie möglich von dem kleinen nutzbaren Süßwasseranteil als Trinkwasser zu nutzen und nicht um trockene Böden zu wässern.

Carla Lange

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