Ökoschuhe aus Äthiopien

Bethlehem Tilahun Alemu, soleRebels

Sie sehen aus wie der neueste Trend einer großen Modekette, die „Sole Rebels“ von Bethlehem Tilahun Alemu. Dabei stammen die schnittigen Schuhe keineswegs aus dem Haus eines renommierten Pariser Designers, sondern aus einem der ärmsten Länder der Welt. Die äthiopischen Ökoschuhe der findigen Afrikanerin schützen dabei nicht nur die Füße ihrer Träger, sondern auch die Umwelt – und bringen einem kleinen Dorf nahe Addis Abeba ein Stück „besseres Leben“.

{module Jobs}Alte Autoreifen haben in Äthiopien Tradition. Schon die Rebellen zogen auf Gummisohlen in den Krieg, „richtiges“ Schuhwerk konnten sie sich nicht leisten. 14 Jahre später griff die junge Afrikanerin Behlehem Tilahun Alemu aus der Gemeinde Zenabwork – am Stadtrand von Adis Abeba, arm, ohne Arbeit – die Idee der Reifentreter wieder auf. Im Jahr 2005 stampfte sie mit ihrer Familie und fünf Angestellten das Unternehmen „Sole Rebel Footwear“ aus dem Boden und schuf damit ein Produkt, das aus lokalen Materialien produziert wird. Da die Schuhe zu 100 Prozent in Handarbeit hergestellt werden, hinterlassen sie auch keinen CO2-Fußabdruck. Mehr noch, sie helfen dabei, die Umwelt zu schützen.

Die Sohle der Trendtreter bestehen aus alten Autoreifen. Anstatt die gesammelten Altautoreifen zu verbrennen und damit die Umwelt zu belasten, werden aus ihnen formschöne und besonders haltbare Schuhsohlen geschnitten. Die ursprüngliche „arme-Leute-Sohle“ forciert durch einen chicen Oberschuh aus regional produzierten Materialien, wie Jute, Baumwolle oder Leder, zum echten Trendartikel. Zum größten Teil werden sie dann ins Ausland geliefert, wo sie in mittlerweile 33 Ländern die Füße modebewusster Menschen zieren.

Was mit einer Hand voll Mitarbeitern entstand, hat sich heute zu einem echten Großunternehmen gemausert. Rund 300 Menschen arbeiten für die Ökoschuh-Pionierin, die sich auch für die Zukunft noch viel vorgenommen hat. So sollen in naher Zukunft eigene Geschäfte in Japan, Spanien, Kanada und Taiwan eröffnet werden und auch die Produktpalette soll noch weiter wachsen. Neben Schuhen will Alemu dann auch Handtaschen aus alten Autoreifen und einheimischen Materialien kreieren. Bleibt nur zu hoffen, dass ihr nicht die Altreifen ausgehen, denn bislang hat das Unternehmen mehr als 70.000 Paar Schuhe produziert. 

Judith Schomaker

1 Kommentar

  • Hallo Frau Schomaker,

    diese Schuhidee ist wirklich faszinierend. Zum einen schafft die Schuhproduktion Arbeitsplätze in einer Region der Welt, in der diese mehr als rar sind und zum anderen werden an dieser Stelle Ressourcen weiter genutzt, die sonst die Umwelt belasten.

    Aus meiner Perspektive würde ich diesen Schuh aber nicht als Ökoschuh bezeichnen. Zitat: „Da die Schuhe zu 100 Prozent in Handarbeit hergestellt werden, hinterlassen sie auch keinen CO2-Fußabdruck.“ Das mag zwar für die Herstellung stimmen, aber nicht für den Transport. Die Schuhe hinterlassen sehr wohl einen CO2-Fußabruck, sobald sie per LKW, Zug, Schiff oder Flugzeug um die halbe Welt reisen. Ebenso wie alle andern Dinge, die diesen Weg gehen. Daher ist BIO Obst aus Arbentinien aben kein ÖKO Obst. Ich denke über diese Problematik sehen wir nur allzu gerne hinweg.

    Sollten wir es in der Zukunft wirklich einmal schaffen den Transport nicht mehr über fossile Energieträger realisieren zu müssen, sondern können hierfür erneuernare Energien nutzen. Dann ist dieses Problem gebannt. Aber momentan wiegen wir das BIO ganz leicht wieder durch den CO2 Ausstoß auf, den unsere Transportmittel verursachen.

    Trotzdem Danke für den spannen Artikel!

    Mit freundlichen Grüßen
    Annett Steger.