Ökologisch leben leicht gemacht? – Teil 1: Das Mülltrennungssystem

Altglascontainer

Deutschland gilt als Musterbeispiel für den Umweltschutz. Viele Länder könnten sich einiges in Sachen ökologisch bewusst leben abschauen. Sei es die akribisch Trennung unseres Abfalls, der Einsatz von Energiesparlampen oder unsere Bemühungen Wasser zu sparen. Doch bewirken diese Maßnahmen wirklich so viel Gutes für unsere Umwelt, wie wir denken? 

Da wäre zunächst das ausgefeilte Mülltrennungssystem: von Restmüll über die Papier- und Biotonne bis zum so genannten gelben Punkt sowie das Altglas, letzteres nochmal unterteilt in Weiß-, Braun- und Grünglas. Selbstverständlich werden darüber hinaus besondere Wertstoffe, Energiesparlampen, Holz und Elektroschrott nochmals gesondert entsorgt. Bei diesem ausgearbeiteten System fällt es wohl selbst dem geübten Deutschen schwer, den Überblick zu behalten: Etwa 40 Prozent unseres Abfalls landet in der falschen Tonne. Und nicht nur aus diesem Grund stellt sich die Frage, ob unser Kreislaufwirtschaftsgesetz den richtigen Ansatz verfolgt. Veranschaulichen lässt sich dies an einem Produkt, das wohl jedem von uns bekannt ist: dem Joghurtbecher!

Der Joghurtbecher kommt nun in den gelben Sack, am besten fein säuberlich ausgespült. Anschließend trennt die Entsorgungsfirma mittels eines computergesteuerten Luftstroms die verschiedenen Plastiksorten auseinander. Der nächste Schritt wäre nun das Recycling. Dies passiert tatsächlich jedoch nur bei 36 Prozent des Plastikmülls! Und die übrigen 64 Prozent, wird sich nun jeder umweltbewusste Verbraucher fragen…? Diese landen mit all dem anderen sorgsam getrennten Müll in der Verbrennungsanlage. Denn die „thermische Verwertung“ erbringt in unserem Trennungssystem die höchsten finanziellen Einnahmen.

Zudem werden die gelben Säcke dringend für die Verbrennungsanlage benötigt, da unsere Restmüllmenge stetig abnimmt. Im Zuge dessen wird erstens Abfall aus Serbien, Albanien oder Italien importiert. Zweitens kaufen die Betreiber der Verbrennungsanlagen den gelben Sack auf, welcher sich durch seinen hohen Erdölanteil sehr gut zum Heizen eignet. 

Nun stellt sich dem umweltbewussten Leser die Frage: „Warum habe ich denn dann noch mindestens drei verschiedene Tonnen vor meiner Haustür stehen?“ Tatsächlich setzt sich der von der Bundesregierung eingesetzte Sachverständigenrat für eine Veränderung in dem System ein. Aufwand und Ertrag stehen in keinem Verhältnis: Nur 2,6 Millionen Tonnen Plastikmüll landen von insgesamt 1,3 Millionen Tonnen im gelben Sack. Davon wiederum werden nur 36 Prozent recycelt, also weiterverarbeitet.

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Eine Lösung wäre die einfache Reduzierung auf zwei Mülltonnen. Eine Tonne für den feuchten Abfall (Essensreste, Windeln oder ähnliches) und eine Tonne für den trockenen Abfall. Der Trockenmüll kann dabei automatisch sortiert und anschließend recycelt werden. Aus dem feuchten Müll kann zunächst Biogas erzeugt werden, bevor dieser verbrannt wird.

Klingt alles logisch, aber so einfach ist es nicht, musste die Stadt Kassel bei der Umsetzung dieses Modells bereits feststellen. Denn private Entsorgungsunternehmen und Abfallfirmen streiten sich nun über die Zuständigkeiten des Abfalls. Schließlich möchte keiner bei dem neuen ökologisch gedachten System leer ausgehen. 

Und so werden wir wohl auch in zehn Jahren noch unseren Abfall fein säuberlich in blaue, grüne, gelbe und braune Tonne sortieren.

Luisa Egenlauf

5 Bemerkungen

  • Schöner Gedankenansatz, aber nicht neu da es den Gedanken zu einer Mülltonne für alle Abfälle schon lange gibt und leider die Technik nicht in der Lage ist zu wirtschaftlich tragbaren Kosten, die höchste Wertschöpfung aus den Abfallfraktionen zu erzielen. Gehen wir mal ca. 80 Jahre zurück, da wurde der Abfall nur beseitigt und bis zur heutigen Zeit wird eine immer größere Wertschöpfung aus den Abfällen durch Sortierung gewonnen.Ich denke das wird auch in Zukunft noch weiter runtergebrochen und die Sortierung immer feiner werden. Es macht auch keinen Sinn „Abfall“ an der Entstehungsbasis zu mischen um diesen dann von den Entsorgungsbetrieben wieder sortieren (zu wesentlich schlechteren Qualitäten) zu lassen.
    Sicherlich wird Aufwand und Nutzen zu betrachten sein, jedoch bei der heutigen Ressourceneffizienz wird dieser Sortieraufwand eine Phase der weiteren Entwicklung im Ressourcenmanagement sein.
    Schöne Grüße
    Michael Kurtz

  • Ich habe als Kommunalpolitiker eines Kreises, der auch eine eigene Abfallwirtschaftsgesellschaft betreibt, so meine Erfahrungen mit den Systemdiskussionen und eins sollte man bedenken, lieber ein Drittel recyceln als nichts und zweitens ist die Sortierung des so genannten nassen Tonne ökologisch auch bedenklich. Ich schlage allen mal ein Besuch unseres Abfallwirtschaftszentrums (http://www.awr.de/startseite/) vor. Ich freue mich auf eine spannende Diskussion

  • Diese oder aehnliche Zahlen habe ich schon oefters in der Diskussion gehoert. Koennen
    Sie die Quellen der Recyclingquoten und der Materialverwendung angeben? Ich wuerde gerne mehr dazu lesen.

    Vielen Dank!

  • Ob wirklich 2 Tonnen ausreichen?
    Richtig und gut ist aus meiner Sicht, dass ein Großteil der Kunststoffabfälle in die Verbrennungsanlagen wandert, das entzieht der Umwelt einiges an Schadstoffen (Weichmacher & Co) und spart wertvolle Primärstoffe wie Gas & Öl die ansonsten zur Verbrennung des Restmülls zugesetzt werden müssen.
    Sinnvoll ist auf jeden Fall die zusätzliche Trennung von Glas und SAUBEREN Papier/Kartonabfällen,
    Des Weiteren natürlich alle Art Metalle, hier ist 100% Recycling in bester Qualität möglich.

    Meine Vorstellung ist eine Tonne Restmüll mit Kunststoff-Folien und Verpackungen mit Reststoffen sowie Papier/pappe mit Verschmutzungen (evtl. tatsächlich vor Verbrennung noch eine Vergärung, welche aber wohl Gesamtenergetisch mehr Aufwand verursacht als Nutzen Bringt) und separate Erfassung für Glas & Papier/Pappe; Metalle könnte man entweder aus dem Restmüll ziehen oder auch separat erfassen.
    Eine Tonne für „trockene“ Abfälle ließe sich kaum umsetzen, da dürften dann auch keine „feuchten“ Verpackungen rein, das gäbe Sortier- und Qualitäts-Probleme.