Musikfestivals: Pinkeln zur Stromerzeugung

Musikfestivals sind ein Graus für die Umwelt. Von diversen Versuchen und Initiativen, die musikalischen Massenveranstaltungen umwelt- und klimaverträglicher zu machen, habe ich vor einiger Zeit bereits berichtet. Der technische Fortschritt macht es möglich, dass in Zukunft eine weitere Möglichkeit zur Verbesserung der Klimabilanz eines Musikfestivals zur Verfügung steht. Forscher der University of the West of England haben nämlich laut einem Bericht der Welt ein Verfahren entwickelt, mit dem sich menschlicher Urin zur Energiegewinnung nutzen lässt.

Und das bietet sich unter anderem natürlich gerade für Großereignisse wie Festivals an, wo erst Alkohol und danach Urin in Massen vergossen werden. Da solche Veranstaltungen allerdings meistens auf etwas abseits gelegenen Geländen statt finden, macht eine solche Anlage nur Sinn, wenn sie transportabel ist. Und genau an der Herstellung eines solchen Prototyps arbeiten die kreativen Wissenschaftler rund um Forschungsleiter Ioannis Ieropoulos im Moment.

Zuvor hatten die Forscher mit Abfallprodukten der verschiedensten Art experimentiert und dabei herausgefunden, dass Urin aufgrund seiner Zusammensetzung aus Harnstoff, Kalium, Bilirubin, Chloriden und Stickstoff eine hervorragende Quelle zur Erzeugung von Energie ist. Der nächste Schritt war die Entwicklung von speziellen mikriobiellen Brennstoffzellen, die in Zusammenarbeit mit bestimmten Bakterienkulturen aus dem Abfallprodukt Urin nutzbare Energie gewinnen können.

Das klingt durchaus nach einer kleinen Sensation und ich bin gespannt ob es die Energie-Urinale tatsächlich bis zur Marktreife bringen und bald für die Stromversorgung von Festivals und anderen Freiluftveranstaltungen sorgen. Freuen würden sich darüber wohl nicht nur die Klima- und Umweltschützer. Auch Festivalbesucher aus aller Welt wären begeistert, denn schließlich kann ihnen nun keiner mehr nachsagen, der exzessive Alkoholkonsum wäre reines Privatvergnügen. Es geht um etwas viel Höheres: Pinkeln für die Rettung der Welt, die Eindämmung der Klimaerwärmung und ganz nebenbei auch noch für sehr sehr laute Musik…

Matthias Schaffer

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