Moderne Radaranlage untersucht den Klimawandel

Im norwegischen Andenes betreibt das Leibnitz-Institut für Atmosphärenphysik (IAP) aus Kühlungsborn die modernste Radaranlage der Welt. Die ALOMAR-Wind-Radar-Anlage wird kurz „Alwin“ genannt und verfügt, neben einer eigenen Startrampe für Höhenforschungsraketen, über 433 einzelne Sende- und Empfangsteile. Diese sollen den Klimaforschern Aufschluss über die Vorgänge in der sogenannten Mesosphäre, dem Atmosphärenbereich in 70 bis 100 Kilometern Höhe, geben. Neben der Temperatur werden Windbewegungen und die Radarechos von elektrisch geladenen Eisteilchen gemessen und untersucht.

Durch die Ergebnisse erhofft sich das IAP weitere Erkenntnisse über leuchtende Nachtwolken, ein bereits international anerkanntes Spezialgebiet der Kühlungsborner Forscher. Das wunderschön anzusehende Wetterphämomen findet ausschließlich auf dem Nachthimmel südlich des Polarkreises statt und entsteht, wenn die tiefstehende Abendsonne von unten auf Eiskristall-Wolken in einer Höhe von 80 bis 85 Kilometern scheint.

Außerdem soll „Alwin“ sogenannte Schwerewellen untersuchen. Dabei handelt es sich um gewaltige Wellenbewegungen in der unteren Atmosphäre. Sie entstehen, wenn Luftmassen durch ein Gebirge nach oben gedrückt werden und sich aufgrund der abnehmenden Dichte mit immer größerer Amplitude nach oben ausbreiten. Die Wissenschaftler hoffen durch die Erforschung der Schwerewellen die oft paradoxen Temperaturstrukturen der oberen Atmosphäre erklären zu können. Dort werden nämlich im Sommer Temperaturen von minus 150 und im Winter viel wärmere minus 80 Grad gemessen.

Laut IAP-Direktor Franz-Josef Lübken soll die hochmoderne Radar-Anlage aber auch einen Beitrag zum Verständnis der komplexen Zusammenhänge des Klimawandels leisten. Während in der unteren Mesosphäre die Temperatur in den vergangenen 40 Jahren um bis zu 20 Grad sank, wurde es am Boden immer wärmer. Eine Veränderung dieses Ausmaßes lässt sich aber nur bedingt durch vermehrten CO2-Ausstoß und Treibhauseffekt erklären. Außer Zweifel steht für den Klimaforscher Lübken übrigens, dass der Hauptverursacher des Klimawandels der Mensch ist.

Matthias Schaffer

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