Pinseln für das Klima

Im südamerikanischen Peru sind die Auswirkungen des Klimawandels bereits deutlich zu spüren. Über 70 Prozent der weltweiten tropischen Gletscher liegen in dem Andenstaat. Doch in den letzten 20 Jahren ist ihre Oberfläche um mehr als fünf Prozent geschrumpft. So gehört auch der Chalon Sombrero zu den Leidtragenden, mit seinen 4.756 Höhenmetern war er einst von Schnee bedeckt und stellte die Wasserversorgung von Mensch und Tier in der Umgebung von Ayacucho sicher.

Jetzt liegt er wie ein dreckiger grauer Felsen inmitten der Landschaft – ohne Schnee, ohne das lebenswichtige Schmelzwasser. Vor allem für die in den Bergregionen lebenden Menschen eine Katastrophe, denn durch das fehlenden Schmelzwasser sind sie gezwungen, ihren Wasserverbrauch zu rationieren und Futtergräser für ihre Tiere zu trocknen. Die Regierung legt bereits Wasserreservoirs an, um wenigstens die Grundversorgung zu sichern.

 Der Temperaturanstieg, der die Gletscher schmelzen lässt, muss gestoppt werden und zwar so schnell wie möglich. Wenn es nach Eduardo Gold geht, so soll das nicht das Problem sein. Oftmals sind es die banalsten Ideen, die der Menschheit aus der Patsche helfen. So auch Eduardos anfangs reichlich belächelte Idee, die Gletscher einfach weiß anzupinseln. Mit einem Gemisch aus Wasser, Kalk und Eiweisspulver rückt er den kargen Felsen jetzt auf den Pelz und will so das Eis auf den Chalon Sombrero zurück locken. Gar keine so abwegige Idee, schließlich wird Sonnenlicht von weißen Flächen größtenteils wieder zurück in den Weltraum gestrahlt, anstatt in Wärme umgewandelt zu werden. So bleiben die Berggipfel kühler und der Schnee hält sich länger.

Seit sich die Weltbank in das „weiße Projekt“ eingeschaltet hat und im Rahmen des „100 Ideas to Save the Planet“ Wettbewerbs Eduardos Malerei mit 200.000 US-Dollar finanziell unterstützt, lachen nur die wenigsten noch über die geniale Idee des Peruaners. Schon Obamas Energieminister regte in seinem Treffen mit Nobelpreisträgern im Mai vergangenen Jahres an, sämtliche Dächer weiß zu tünchen, um weniger Energie in Bodennähe zu speichern und diese vermehrt in den Weltraum zurückzustrahlen. Dass dieses Vorgehen, rein theoretisch, eine sehr effektive Methode im Kampf gegen die Erderwärmung sein kann, bestätigten sogar Forscher des National Center for Atmospheric Research in Boulder, Colorado.

An die Umweltfreundlichkeit seiner Farbe hat Eduarda bereits gedacht, doch wie es mit der Haltbarkeit der klimarettenden Farbe, der Aufbringung in schwer zugänglichem Territorium und der tatsächlichen Wirkung auf das Ökosystem aussieht, bleibt abzuwarten. Einen Versuch ist es allemal Wert und geht es nach Eduardo, so sollen nicht nur sämtliche Gipfel Perus bald in strahlendem Weiß erscheinen, sondern nach Möglichkeit überall auf der Welt.

Judith Schomaker

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