Mikroalgen filtern Rauchgase

Im November 2008 hat RWE Power eine Algenzuchtanlage zur CO2-Konversion in Niederaußem in Betrieb genommen. Nur 750 Meter von den großen Kühltürmen des Kraftwerks entfernt im Innovationszentrum Kohle forschen Fachleute, wie man industriell anfallendes CO2 in einen neuen Kreislauf einbinden und damit eine Alternative zur Endlagerung im Boden schaffen kann.

Das Prinzip beruht auf der natürlichen Photosynthese: Die CO2-haltigen Rauchgase werden gekühlt, getrocknet und verdichtet und vermischen sich dann im Blasenreaktor mit der Algensuspension, die aus Algen und Salzwasser besteht. Die Suspension nimmt die Rauchgase bis zur Sättigung auf. Das überschüssige Gas geht über einen Kamin in die Umgebungsluft. In insgesamt 1.720 Photobioreaktoren nehmen die Mikroalgen CO2 auf und wachsen auf der 600 Quadratmeter großen Versuchsfläche zu sech Tonnen trockenen Algen heran. Dabei binden die Algen rund zwölf Tonnen CO2. Das Bindungspotenzial ist sieben bis zehn Mal höher als bei Landpflanzen.

Die Pilotphase des Niederaußemer Projekts haben die Kooperationspartner RWE Power AG, die Bremer Jacobs University und Phytolutions abgeschlossen. „Der kontinuierliche Betrieb der Anlage hat uns darüber hinaus zuverlässige Daten geliefert, auf deren Basis wir uns in einem nächsten Schritt um Optimierungen kümmern können. Jetzt geht es darum, die Anlage effizienter zu machen“, erklärte Projektleiter Georg Wiechers. Die Versuchsfläche wird jetzt auf 1.200 Quadratmeter ausgedehnt. Eine Open-Air-Anlage soll zeigen, wie im hiesigen Klima die Algen draußen gedeihen. In der kalten Jahreszeit kann die Abwärme aus dem Kraftwerk als Heizenergie genutzt werden. „Wie weit sich dieses Verfahren gerade in unseren Breiten kommerziell nutzen lässt, bleibt abzuwarten,“ erklärte Wiechers. Denkbar ist der Algeneinsatz in Futtermitteln, als chemischer Grundstoff und als Ausgangsstoff für die Herstellung von Arzneimitteln. Auch die Vergärung in Biogasanlagen ist denkbar.

Susanne Kirsch

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