Meeresspiegel steigt auch bei Zwei-Grad-Szenario erheblich

Küste

Die weltweiten Durchschnittstemperaturen steigen stetig, wodurch das Eis an den Polkappen und auf den Gletschern dieser Erde abschmilzt. Dass das in der Folge zu einem Anstieg des Meeresspiegels führt, ist unstrittig – das Ausmaß des drohenden Anstieges wird hingegen heftig und kontrovers diskutiert. Laut einer nun veröffentlichten Studie wird selbst die Eindämmung der Erderwärmung auf zwei Grad Celsius bis zum Jahr 2300 zu einem starken Anstieg der Wassermassen führen.

Im Detail prophezeit das Wissenschaftsteam rund um Studienleitautor Dr. Michiel Schaeffer von Climate Analytics und der Universität Wageningen, dass der globale mittlere Meeresspiegel bis 2300 um 1,4 bis vier Meter höher als heute liegen dürfte. Als realistischsten Schätzwert bei einer Erderwärmung von zwei Grad nennen die Forscher einen Anstieg von 2,7 Metern. Wenn es allerdings gelingt die Treibhausgasemissionen so stark zu begrenzen, dass die Erderwärmung unter 1,5 Grad Celsius bleiben würde, könnte auch der Meeresspiegelanstieg deutlich geringer ausfallen.

Die Studie stützt sich auf verschiedene Szenarien für die Emission von Treibhausgasen und den in der Realität beobachteten Anstieg des Meeresspiegels im letzten Jahrtausend. Interessant dabei ist, wie extrem die Forscher die Anstiegsunterschiede bei vermeintlich geringen Erwärmungsunterschieden einschätzen. So könnten eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf unter 1,5 Grad Celsius und darauf folgende Temperaturreduktionen den Anstieg im Vergleich zu dem Zwei-Grad-Szenario sogar halbieren. Bei drei Grad Erderwärmung müssten wir hingegen mit einem Meeresspiegelanstieg zwischen zwei und fünf Metern rechnen, wobei der realistischste Schätzwert bei 3,5 Metern liegt.

Auch zur Geschwindigkeit des Anstieges wagen die Wissenschaftler in ihrer in der Fachzeitschrift „Nature Climate Change“ veröffentlichten Studie eine Prognose: Der Meeresspiegel wird umso schneller steigen, je wärmer das Klima wird. Laut Michiel Schaeffer „bringt eine konstante Zwei-Grad-Erwärmung eine Geschwindigkeit des Meeresspiegelanstiegs mit sich, die zweimal höher liegt als heute, und das bis über das Jahr 2300 hinaus“. Ambitioniertere Emissionsziele würden allerdings auch hier helfen, wie der Klimaforscher ergänzt: „Wesentlich stärkere Emissionsreduktionen scheinen jedoch eine starke Verlangsamung oder sogar Stabilisierung des Meeresspiegels über diese lange Zeitspanne zu erreichen.“

Matthias Schaffer

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