Mass Timber – der Baustoff der Zukunft?

Vancouver

Eine kanadische Architektenfirma hat Holz als Baustoff wiederentdeckt und will damit hoch hinaus. Zunächst ist ein zehnstöckiges Gebäude in Prince George im Bundesstaat British Columbia geplant, langfristig kann sich Architekt Michael Green aber auch Gebäude mit 30 Stockwerken – wie für Vancouver vorgesehen – und mehr vorstellen.

In den letzten Jahren hat es in Norwegen und England schon Versuche gegeben, hohe Gebäude aus Holz zu bauen, aber Greens Pläne sind weitreichender und beruhen auf einer neuen Entwicklung, die Green „Mass Timber“ nennt. In einer 240 Steiten starken Fallstudie stellt er einen neuen Baustoff vor, der es ermöglicht Stahl und Beton durch eine gleichwertige Holzkonstruktion zu ersetzen. Dieser Baustoff besteht aus mehreren Schichten Holz, die rechtwinklig zueinander verleimt werden. Daraus entsteht ein extrem belastbares, feuerresistentes Baumaterial. Damit kann höher und sicherer gebaut werden als in der herkömmlichen Holzrahmenbauweise, gleichzeitig aber kann auf Beton und Stahl verzichtet werden, was einen erheblichen Umweltvorteil bedeutet.

Einerseits bleibt durch die Verwendung des Holzes der darin enthaltene Kohlenstoffgebunden und die Energieeffizienz eines Holzhauses ist meist höher als die eines aus Beton. Andererseits wird so der hohe Energieverbrauch bei der Herstellung von Stahl und Beton vermieden, so Green in seiner Studie.

Vorerst soll das Projekt in Kanada den Charakter eines Experimentes haben, zumal die Bauordnung von British Columbia für Holzbauten ein Limit von 6 Stockwerken vorsieht und für den Prince George Tower wohl entweder eine ministerielle Ausnahmeregelung getroffen werden müsste oder Mass Timber müsste als alternativer Baustoff anerkannt werden. Die Bereitschaft der Behörden eine Regelung zu finden, zeigt jedenfalls, dass British Columbia es ernst meint mit der Wiederbelebung von Holz als Baustoff, sicherlich unterstützt von der schwächelnden Holzindustrie in Kanada. Aber auch die Bauten in Norwegen und England zeigen, dass dem Baustoff Holz die Zukunft gehören könnte.

Neben dem Umweltvorteil zeigt zumindest die Mass Timber Bauweise von Michael Green nämlich auch ökonomische Vorteile: Die Baukosten eines Wolkenkratzers aus Mass Timber wären seinen Berechnungen nach vergleichbar mit denen eines Bauwerks aus Stahl und Beton, die Bauzeit würde sich aber erheblich verkürzen und somit die Gesamtkosten senken. Feuer und Erdbebenschutz werden ebenso berücksichtigt wie bei herkömmlichen Bauwerken, es gäbe also keinen kostenintensiven Nachteil gegenüber Stahl und Beton.

Vielleicht werden wir also in Zukunft wieder mehr Holzhäuser sehen – und zum ersten Mal überhaupt auch Wolkenkratzer aus Holz.

Judith Mantei

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