Manipulationen bei Klimadaten – eine Einschätzung

Haben Forscher Klimamessdaten manipuliert, um Beweise für einen anthropogenen, also menschengemachten Klimawandel künstlich zu erzeugen? Diese Frage wird von einigen Skeptikern aufgeworfen, nachdem im November gehackte E-Mails von Forschern der Climatic Research Unit (CRU) der University of East Anglia, England, online gestellt wurden.

Beispielsweise ist in einer 1999 versendeten Mail von Phil Jones die Rede von einem „trick (…) to hide the decline“ im Zusammenhang mit Temperaturverlaufsnachbildungen die Rede. Jones möchte diesen Ausdruck nach einem Artikel der Süddeutschen Online als Kniff und nicht als Manipulation verstanden wissen. Diese Einschätzung bestätigen unter anderem auch Jochem Marotzke, Direktor am Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie und Hans Joachim Schellnhuber, Direktor am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und wissenschaftlicher Chefberater der Bundesregierung in Fragen des Klimawandels. Ein übler Nachgeschmack bleibt jedoch.

Kontroverse gibt es auch um das sogenannte Hockeyschläger-Diagramm. Darin wird die Temperaturentwicklung der letzten 1000 Jahre nachgebildet. Das Diagramm zeigt, dass die Temperaturen über diesen Zeitraum weitgehend konstant sind und erst seit der Industrialisierung stark ansteigen. Die Grafik ist auch Bestandteil der 2001 erschienenen Zusammenfassung des dritten Sachstandsbericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), der eine wichtige Grundlage für Klimaschutzpolitik war. Der Ursprung des Diagramms ist eine Veröffentlichung von Mann, Michael E., Raymond S. Bradley und Malcolm K. Hughes aus dem Jahr 1999. Die Daten der ferneren Vergangenheit ergeben sich unter Anderem aus der Auswertung von Baumrinden, was mit großen Unsicherheiten Verbunden ist. Dies haben die Autoren aber schon in der Überschrift „Northern Hemisphere Temperatures During the Past Millennium: Inferences, Uncertainties, and Limitations“ deutlich gemacht und auch in der Grafik des IPCC-Reports durch einen Toleranzbereich gekennzeichnet. Aber auch methodische Fehler werden den Wissenschaftlern vorgeworfen. Die Aussagefähigkeit wird in Zweifel gezogen. Im Aktuellen IPCC-Bericht beruht eine ähnliche Grafik auf einer deutlich breiteren Datenbasis, die den Hockeyschläger-Verlauf im Grunde bestätigt.

Wie sind solche Vorwürfe einzuschätzen? Richtig ist, dass die Daten der ferneren Vergangenheit mit Unsicherheiten verbunden sind, und daher „nur“ wahrscheinlich zutreffen. Der starke Temperaturanstieg seit der Industrialisierung gilt hingegen als sicher. Von 1905 bis 2005 hat die Durchschnittstemperatur um 0,74 Grad zugenommen. Richtig ist auch, dass das Klimasystem hoch komplex ist und nicht alle Erkenntnisse sicher sind. So haben die Autoren des IPCC auch nicht behauptet, dass der Klimawandel anthropogen verursacht ist, sondern nur mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit. Zu beachten ist, dass sich diese Annahme mit fortlaufender Zeit immer mehr bekräftigt.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass möglicherweise einige Forscher Daten selektiv darstellen oder sogar manipulieren. Bisher wurde diese Methode in der Regel von Klimawandelskeptikern angewendet. Aber einige Fachzeitschriften und vor allem die Medien bevorzugen „spektakuläre“ Ergebnisse. Dies ist im Auge zu behalten und gegebenenfalls ist mehr Transparenz bei der Datenbasis solcher Veröffentlichungen erforderlich. Aber ändert das was an der Notwendigkeit, das Klima zu schützen und Treibhausgasemissionen drastisch zu reduzieren? Mit dem Klimasystem beschäftigen sich weltweit tausende von Wissenschaftlern. Es mag schwarze Schafe geben, aber die Masse der wissenschaftlichen Erkenntnisse spricht eine eindeutige Sprache. Auch sollten wir uns nicht an die verschwindend geringe Wahrscheinlichkeit klammern, dass der Mensch nicht Auslöser des Klimawandels sein könnte. Das wäre vergleichbar damit, das Erbe für die eigenen Kinder beim Roulette auf eine Zahl zu setzen. Eine gute Zukunft nur mit sehr viel Glück.

Es ist erstaunlich, dass die gehackten E-Mails direkt vor dem Weltklimagipfel in Kopenhagen veröffentlicht wurden. Stellt sich die Frage, ob dies ein Zufall ist. Es ist richtig die Vorwürfe zu verfolgen. Die Zukunft unserer Kinder sollten wir aufgrund solcher Strohfeuer aber nicht aufs Spiel setzen.

Oliver Hölzinger

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