Magerer Ertrag in Durban

viele flatternde Fahnen

Eigentlich war die diesjährige UN-Klimakonferenz in Durban vom 28. November bis 9. Dezember angesetzt, wurde durch diverse Uneinigkeiten jedoch um einen Tag verlängert und endete nun am 10. Dezember 2011. Dennoch hat sich auch dieser eine weitere Tag nicht deutlich positiv auf das Ergebnis ausgewirkt, die Uneinigkeit nahm weiterhin ihren Lauf. Einigungen gab es zwar, doch die Beschlüsse sind alles andere als verbindlich.

Vertreter von knapp 200 Staaten haben sich in Durban, Südafrika, getroffen, um über eine Nachfolgeregelung der in Kyoto getroffenen Klimaschutzvereinbarungen zu diskutieren. Schon im Vorfeld kehrte Kanada der Klimakonferenz dabei den Rücken und trat aus dem Kyotoprotokoll aus. Ein Freifahrtschein, um in aller Ruhe Klimagase weiter in die Atmosphäre zu pusten. Im Gegensatz zu den übrigen Teilnehmern, die zwei lange Wochen darüber diskutierten, wer denn nun in den nächsten Jahrzehnten wie viel Kohlendioxid ausstoßen darf. Wohl kein anderes Problem der Menschheit schafft es, so viele Landesvertreter an einen Tisch zu bringen, um so hartnäckig nach einer Lösung zu suchen. Von „echter Lösung“ kann bei der Klimakonferenz in Durban allerdings nicht die Rede sein. Eine wirkliche Einigkeit gab es wohl nur hinsichtlich des sehnlich herbeigewünschten Endes der Konferenz! Vor allem von Seiten der Europäischen Union, die wie kein anderer Vertreter das Geschehen in Durban lenkte.

Alles oder nichts, das war das Motto, nach dem die Regierungs- und Staatschefs der EU auf dem Weltklimagipfel gefahren sind. Volles Risiko! Entweder die gestellten Mindestanforderungen werden erfüllt oder das Feld wird geräumt, sprich: die Konferenz platzt. Eine Neuverteilung der Last „CO2-Ausstoß“ haben sie dabei allerdings nicht erreicht. Schwellenländern wie China, das ohnehin als größter CO2-Emittent gilt, Indien oder Brasilien sollten entsprechend mehr für den Klimaschutz tun, was angesichts des rasanten Wirtschaftswachstums ja nur logisch erscheint. Hier wurde allerdings fleißig abgewiegelt und auf das Recht der wirtschaftlichen Entwicklung verwiesen. Ein Punkt, an dem auch der Beschluss von Durban in naher Zukunft nichts ändern wird. Rechtsverbindliche Ziele, die gleichermaßen für alle Staaten gelten, also auch für China und Co., und nicht nur für Industrieländer wie bisher, wird es vor 2020 demnach nicht geben. Und auch dann steht noch in den Sternen, ob ein neues Klimaschutzabkommen dann auch für Staaten wie China gelten wird oder ob sie sich, wie bisher, weigern können, bindende Ziele zur Reduzierung der Emissionen zu akzeptieren. Immerhin lassen die schwammigen Formulierungen im Beschluss von Durban sämtliche Möglichkeiten offen. Optimisten könnten tatsächlich Hoffnung schöpfen!

Allerdings fehlt ein wichtiges Instrument, um vergleichbare Messungen der Emissionen durchführen zu können. Ein Standard sozusagen, denn ohne ihn ist es kaum möglich, rechtsverbindliche Zusagen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen durchzuboxen. Den gab es dann schließlich doch – in ebenfalls schwammiger Form, als „eine für alle gültige Regelung mit Rechtskraft“. Wie das zu verstehen ist, darüber dürfen sich Volkswissenschaftler wohl in nächster Zeit noch den Kopf zerbrechen. Zumindest in einem, im Vorfeld als wichtig erachteten, Diskussionspunkt konnte Durban einen kleinen Fortschritt verzeichnen: Die geplante Finanzhilfe für Entwicklungsländer, die in Kopenhagen 2009 so kläglich scheiterte. Ab 2020 gibt es tatsächlich, schenkt man den Zusagen der Industriestaaten Glauben, für die Entwicklungsländer 100 Milliarden Dollar jährlich, um sich damit den Folgen des Klimawandels anzupassen und gegensteuernde Maßnahmen einzuleiten. Alles in allem ein recht mageres Ergebnis, was die zwei Wochen andauernden Verhandlungen da gebracht haben.

Judith Schomaker

2 Bemerkungen

  • Die Wachstumsländer, allen voran China und Indien rechnen realistischerweise mit einem weiter rasch wachsenden Verbrauch, den sie -zumindest kurzfristig- nicht allein mit klimafreundlichen Energiequellen decken können.
    Auch die EU hat mit dem Atomausstieg Deutschlands ein Problem, führt doch die Kohleverstromung zu gewaltigen CO2- Emissionen.
    Weltweit führt kein Weg an der Kernenergie vorbei, denn die übe 7 Milliarden Menschen brauchen immer mehr Energie!

  • Die Wachstumsländer, allen voran China und Indien rechnen realistischerweise mit einem weiter rasch wachsenden Verbrauch, den sie -zumindest kurzfristig- nicht allein mit klimafreundlichen Energiequellen decken können.
    Auch die EU hat mit dem Atomausstieg Deutschlands ein Problem, führt doch die Kohleverstromung zu gewaltigen CO2- Emissionen.
    Weltweit führt kein Weg an der Kernenergie vorbei, denn die übe 7 Milliarden Menschen brauchen immer mehr Energie!