Lungenerkrankung und E-Zigaretten: So können Sie weiterhin sicher „dampfen“

Ein "Dampfer". Die Welle unerklärlicher Lungenerkrankungen in den USA soll mit den E-Zigaretten in Verbindung stehen. Was steckt dahinter?

Es ist ein Schock gewesen: In den USA mussten hunderte junge Menschen aufgrund schwerer Lungenprobleme behandelt werden. Einige von ihnen sind sogar an den Folgen gestorben. Die einzig auffällige Gemeinsamkeit der Erkrankten: Sie alle sind Konsumenten von E-Zigaretten. Somit war für viele Menschen die Ursache schnell klar. Seit Wochen berichten die Medien jetzt über eine mysteriöse Lungenerkrankung, ausgelöst durch die E-Zigarette. Die Geräte an sich sind allerdings sehr wahrscheinlich nicht die Ursache. Was steckt also wirklich hinter den Vorfällen? Wir erklären, warum Sie Ihrer Gesundheit noch immer etwas gutes tun, wenn Sie vom Tabakrauchen auf die E-Zigarette umsteigen. Und, wie Sie das „Dampfen“ möglichst sicher machen können.

Mysteriöse Lungenerkrankung wegen E-Zigarette?

Überall liest man derzeit von einer „mysteriösen“ Lungenkrankheit. Allein schon diese Formulierung ließ mich aufhorchen. Ich habe natürlich interessiert weiter gelesen, schließlich will ich auf keinen Fall eine Lungenkrankheit  bekommen. Schon gar keine mysteriöse. Nur einige Zeilen weiter stieß ich dann auf die E-Zigarette. Denn das hatten alle Betroffenen offenbar gemeinsam: Sie waren sogenannte Dampfer oder Vaper (aus dem englischen to vape = dampfen). Also Konsumenten von elektronischen Zigaretten.

Beim Dampfen wird kein Tabak verbrannt, sondern eine Flüssigkeit – das sogenannte Liquid – verdampft. Der Dampf wird dann von den Konsumenten inhaliert. Diese Liquids enthalten in den meisten Fällen Nikotin. Verglichen mit dem Rauchen von Tabak galt das Dampfen bisher als die deutlich weniger schädliche Form der inhalativen Nikotinaufnahme. Doch stimmt das wirklich? Die unzähligen Medienberichte über die mysteriöse Erkrankung durch die E-Zigarette haben mich dann doch etwas verunsichert. Daher habe ich recherchiert.

Unterschiede zwischen Rauchen…

Der wohl größte Unterschied: Tabak wird verbrannt, die Liquids dagegen verdampft. Der beim Verbrennen von Tabak entstehende Rauch enthält mindestens 250 giftige Substanzen, davon etwa 90 erwiesenermaßen krebserregend. Dieser Rauch besteht aus teilweise festen Teilchen. Das wohl bekannteste davon ist Teer.

Beim Inhalieren des Rauchs nimmt man also eine ganze Reihe an Giften auf, darunter Blausäure, Kohlenmonoxid, Formaldehyd, Nitrosamine und eben Teer. Rauchen kann daher eine Vielzahl Krankheiten verursachen. Am wohl bekanntesten ist Lungenkrebs. Aber auch anderen Arten von Krebs, COPD und Herz-Kreislauf Erkrankungen können durch Rauchen entstehen.

…und Dampfen

Die bei uns zugelassenen Liquids bestehen hauptsächlich aus Wasser, Propylenglykol, pflanzlichem Glycerin und Lebensmittelaromen. Substanzen, die seit vielen Jahren erforscht und zur Verwendung am Menschen zugelassen sind. Beim Verdampfen solcher Liquids entsteht kein Rauch, sondern ein Aerosol. Dieses wird umgangssprachlich auch als Dampf bezeichnet. Physikalisch gesehen erzeugen E-Zigaretten Nebel. Dieser „E-Zigaretten-Nebel“ enthält im Gegensatz zu Rauch keinerlei festen Teilchen, sondern lediglich flüssige Partikel, die sich rasch auflösen.

Da keine Verbrennung stattfindet, entfallen viele giftige Substanzen, wie beispielsweise Kohlenmonoxid oder Teer vollständig. Zwar sind auch im Dampf aus E-Zigaretten gesundheitsschädliche Substanzen enthalten, beispielsweise Nitrosamine. Jedoch viel weniger als in Verbrennungsrauch.

Dampfen galt bisher als 95 % weniger schädlich

Viele Ärzte und Gesundheitseinrichtungen empfehlen daher Rauchern, vom Glimmstengel auf die E-Zigarette umzusteigen. Studien haben gezeigt, dass sich die Gesundheit der meisten Umsteiger bereits nach kurzer Zeit erheblich gebessert hat. Die Wissenschaftsorganisation Public Health England (PHE) schrieb 2015: „E-Zigaretten sind nicht völlig risikofrei, aber im Vergleich zum Tabak gibt es ausreichend Beweise, dass sie nur einen Bruchteil der Schädlichkeit besitzen“. Diese sei um 95 Prozent geringer als beim Rauchen von Tabak, so das Fazit damals.

BILD Schlagzeile: Erster Todesfall nach E-Zigarette

Die Schlagzeilen aus den USA kamen deshalb jetzt für viele überraschend. Die deutschen Medienberichte beginnen fast immer gleich: „E-Zigaretten: Mysteriöse Lungenkrankheit“. Wer eine solche Schlagzeile liest, verbindet diese „mysteriöse“ Lungenerkrankung natürlich sofort mit den E-Zigaretten. Auf die Spitze getrieben hat das jetzt die BILD: „Erster Todesfall nach E-Zigarette“. Das klingt fast so, als wäre demjenigen die E-Zigarette persönlich an den Kragen gegangen.

Was ist eigentlich passiert?

Laut der amerikanischen Gesundheitsbehörde (CDC) mussten in den USA mittlerweile um die 450 Menschen wegen teilweise schweren Lungenproblemen behandelt werden. Zudem sollen fünf Patienten an den Folgen dieser Erkrankung gestorben sein. Die auffälligste Gemeinsamkeit der Betroffenen: Laut CDC haben alle angegeben, E-Zigaretten zu nutzen. Zweite Auffälligkeit: Alle Fälle sind nur in den USA aufgetreten. Innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums (einige Wochen).

Es gibt weltweit etwa 50 Millionen E-Zigarettennutzer, die teils schon seit 2003 dampfen (da wurde die E-Zigarette erfunden). Dennoch sind nur Fälle aus den USA bekannt. Und erst seit einigen Wochen. Dass die Todesfälle durch die E-Zigarette als Gerät verursacht worden sind, ist daher eher unwahrscheinlich. Sonst wären auch in anderen Teilen der Welt Fälle bekannt geworden. Was aber kann dann der Grund sein?

Giftige Stoffe in den Liquids die Ursache?

Viel wahrscheinlicher ist, dass die Betroffenen mit schädlichen Stoffen verunreinigtes Liquid konsumiert haben. Das ist auch deshalb wahrscheinlich, als dass nur in den USA derlei Fälle aufgetreten sind. In Deutschland und Europa gelten sehr strenge Vorschriften bezüglich der Inhaltsstoffe. Alle hier zugelassenen Stoffe sind seit vielen Jahren auf dem Markt und gelten als unbedenklich.

In den USA dagegen können die Menschen in einigen Bundesstatten Liquids kaufen, die den Wirkstoff von Cannabis (THC) enthalten. Doch nur in den Staaten, in denen das auch legal ist. In den anderen Staaten können die Menschen solche Liquids aber auch kaufen – allerdings nur auf dem Schwarzmarkt. Diese oft gefälschten Liquids können mit gefährlichen Chemikalien verunreinigt sein. In einigen Proben wurden Schimmelpilze sowie Schimmelschutzmittel gefunden. Inhaliert man solche Substanzen, kann das natürlich gefährliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben.

Umstieg vom Rauchen lohnt sich noch immer

Dennoch ist nicht mit Sicherheit bekannt, welche dieser Verunreinigungen letztendlich zu den Lungenerkrankungen und den Todesfällen geführt hat. Dass solche Fälle bei uns in Deutschland auftreten, ist sehr unwahrscheinlich. Sie sollten trotzdem nur in Europa bzw. Deutschland zugelassene Liquids und Aromen konsumieren. Diese sind bei korrekter Anwendung sicher und gesundheitlich weit weniger schädlich als das Rauchen. Auch, wenn es einige Medien anders sehen, E-Zigaretten (und bei uns zugelassene Liquids) sind nicht für die Todesfälle verantwortlich. Das Rauchen von Tabak dagegen hat bereits unzählige Menschen das Leben gekostet.

Dampfen statt Rauchen

Wer sich genauer mit diesem Thema auseinandersetzen will, dem empfehle ich den YouTube Kanal von Herrn Professor Dr. Bernd Mayer. In seiner Videoreihe „Dampfen statt Rauchen“ erklärt der Wiener Pharmakologe auf wissenschaftlicher Grundlage und unter Berücksichtigung diverser Studien die Unterschiede zwischen Rauchen und Dampfen auf die menschliche Gesundheit.

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