Landwirtschaft schuld am Klimawandel?

Die Erde erwärmt sich, Politiker und Experten versuchen Lösungswege im Kampf gegen den Klimawandel zu finden und die Mehrheit macht sich Gedanken um die schwindenden Reserven fossiler Brennstoffe. Dass die Menschheit an der globalen Erwärmung die Finger mit im Spiel hat und maßgeblich dazu beiträgt, daran zweifeln nur noch wenige. Wo die Problemfaktoren liegen scheint klar zu sein – oder auch nicht?

Ist vielleicht doch unser tägliches Essen schuld am Klimawandel? Sind es gar nicht die vom Menschen verbrannten fossilen Brennstoffe, die den Treibhauseffekt verstärken? Gibt es bald eine CO2-Erhebung für Nahrungsmittel und bekommen wir nun nur noch Klimafood auf den Teller, was einen möglichst geringen Kohlenstoffgehalt enthält? Schließlich lässt sich das Konsumverhalten steuern – beste Möglichkeit dafür: der Preis. Umweltfreundliche Lebensmittel mit einer guten Klimabilanz also entsprechend verbilligen und Klimakiller in der Nahrung verteuern. So abwegig das auf den ersten Blick klingen mag, ist eine CO2-Bilanz unseres Essens gar nicht. In den USA, Großbritannien und Japan werden bereits zahlreiche Produkte mit einem Klima-Button versehen. Produkte, die auf der Verpackung deren CO2-Bilanz preisgeben oder via Climatop-Label als besonders klimafreundlich ausgewiesen werden. Ähnlich wie beim Autokauf ist dann auch hier durch den Verbraucher eine Entscheidung für das Klima und gegen hohe Umweltwerte möglich.

Das größte Problem sehen Experten im Statussymbol Fleisch. Je mehr Geld zur Verfügung steht, desto mehr Fleisch wird pro Kopf verzehrt. Jährlich werden weltweit etwa 228 Millionen Tonnen Fleisch produziert, davon entfallen allein auf das Milliardenvolk China 59,5 Kilogramm Fleisch pro Kopf im Jahr. Eine Problematik, die nicht nur Kleinbauern mit ihren geringen Produktionskapazitäten vor Probleme stellt, sondern auch die Umwelt! 18 Prozent aller Treibhausgase werden der landwirtschaftlichen Tierhaltung zugeschrieben. Besonders pikant, der Methanausstoß, den Rinder bei der Verdauung verursachen. Denn Methan trägt zur Erderwärmung etwa 23 Mal so viel bei wie CO2. Hinzu kommt der gewaltige Flächenverbrauch, der für die Fleischproduktion notwendig ist, schließlich sollen die Tierchen ordentlich fressen, damit unser Teller schnell voll wird. Etwa 80 Prozent aller landwirtschaftlichen Flächen werden für die Fleischproduktion genutzt, dabei muss auch der Regenwald der expandierenden Tierhaltung weichen.

Die Lösung können große Tierfabriken bringen. Sie reduzieren in diesem Sinne zwar den Ausstoß von Klimagasen und liefern jede Menge Fleisch, eigenen sich jedoch hauptsächlich für Getreidefresser wie Geflügel oder Schweine. Rinder, deren Hauptnahrung vorwiegend aus Gras besteht, schlagen mit einer hohen Konversionsrate zu Buche. Für ein Kilogramm Rindfleisch müssen zunächst sieben Kilogramm Gras verputzt werden, bei Geflügel reichen für ein Kilogramm Fleisch jedoch 1,6 Kilogramm Getreide bei der Fütterung aus. Setzt sich die forcierte Preissteigerung für Fleisch mit schlechter Klimabilanz durch, könnte der Sonntagsbraten oder die leckere Roulade wieder zum echten Luxusgut werden.

Judith Schomaker

3 Bemerkungen

  • Hallo,
    ich denke dass der Artikel ein sehr ernstes Thema anspricht. Die Produktion von Fleisch benötigt eine erhebliche Fläche, d. h. auch, dass mit einem direkten Verzehr von auf diesen Flächen hergestellten Nahrungsmitteln erheblich mehr Menschen ernährt werden könnten.
    Das Methangas, das speziell bei der Verdauung von Rindern freigesetzt wird, stellt einen wesentlichen Beitrag für die Erderwärmung dar.
    Ich persönlich habe meinen Fleischverbrauch bereits deutlich reduziert, und dies auch aus diesem Grunde.
    Viele Grüße

  • Frau Schomaker,

    danke für den schönen Artikel.
    Tatsächlich kann man in vielerlei Artikeln nachlesen, das die von Ihnen gemachten Aussagen tatsächlich stimmig sind. Die Fleischindustrie stellt den größten Faktor für den Klimawandel dar, und es ist mir ein Rätsel weshalb dieses Problem nicht endlich angegangen wird. Da macht man sich gedanken über umweltfreundliches Autofahren (ist sicherlich ein guter Ansatz), aber den Hauptfaktor, den packt niemand an. Eine Veränderung unseres Essverhaltens ist die einzig logische Konsequenz um der uns vorliegenden Problematik entgegenzuwirken. Genau wie Torsten Köhler habe ich auf dieses Problem reagiert, ich habe mit dem Fleischessen aufgehört.