Korrekte Klamotten für kluge Käufer

Beutestück Nummer zwei ist ein schwarzes Maxikleid zum Hammerpreis von 5,00 Euro. Die weiteren Eroberungen der Shopping-Queen auf YouTube: eine Jeans, ein T-Shirt, eine Bluse, ein Armreif und ein Ring und alles zusammen zum Spottpreis von 35 Euro. Willkommen im Billig-Paradies.

Die Konsumentinnen, die Polyesterkleidchen für 5,00 Euro und ebenso billige Baumwoll-T-Shirts kaufen, leben ein Kundenbewusstsein nach dem sogenannten Fast Fashion-Trend. Viele tragen ihre Kleider nur für eine Saison, dann muss ein neues Teil her – weil sich die Mode geändert hat oder die Teile nach ein oder zwei Waschgängen ausgebleicht oder gar kaputt sind. Auf dieses Verhalten haben sich die Modeketten eingestellt: Sie produzieren in immer kürzerer Zeit und bringen ständig neue Stücke in die Läden.

Laut Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) befindet sich die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie seit 1970 in einem Strukturwandel, der mit einer relativen Verschlechterung ihrer Position sowohl auf dem Weltmarkt für Textilien und Bekleidung als auch im Vergleich zu anderen Branchen im Inland einherging. Die Zahl der Unternehmen und Beschäftigten ist seit Jahren rückläufig. So verringerte sich die Anzahl der Betriebe von 7.704 im Jahre 1970 auf 553 in 2012, ein Rückgang von rund 93 Prozent. Die Zahl der Beschäftigten reduzierte sich im gleichen Zeitraum von 869.911 um rund 91 Prozent auf 81.565; damit hat die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie seit 1970 etwa neun Zehntel ihrer Betriebe und Beschäftigten verloren.

Ketten produzieren in Billiglohnländern

Immer weniger Unternehmen teilen sich den Modemarkt. Großfilialisten machen bereits die Hälfte der Branchenumsätze. Die 70 größten Unternehmen, darunter Karstadt, Otto, Metro, C&A, H&M und Discounter wie Lidl, kik und Aldi, teilen sich 65 Prozent des Marktes. In Zeiten der Globalisierung produzieren die großen Marken vor allem dort, wo die Arbeitskosten am niedrigsten sind. Zum Vergleich: Während die Kosten einer Arbeitsstunde in Deutschland im Jahr 2011 bei rund 26 Euro und in Italien bei zirka 23 Euro lagen, kostete sie in den mittel- und osteuropäischen EU-Ländern zwischen 2,56 (Bulgarien) und 4,42 Euro (Ungarn). In China und in der Türkei beliefen sich die Arbeitskosten auf umgerechnet 2,13 und 3,88 Euro. Inzwischen ist ein Teil der Textilproduktion von China in noch billigere asiatische Länder abgewandert. Die Billigproduktion und der schnelle Modezyklus gehen zulasten von Arbeitern, Umwelt, Klima und der Gesundheit derjenigen, die die Kleider am Ende tragen.

Verbraucher achten zunehmend auf Nachhaltigkeit

Doch langsam tut sich was auf dem Bekleidungsmarkt: Als Gegenbewegung zur Wegwerfmode wächst beim Verbraucher das Interesse an nachhaltig produzierter Kleidung. Die breite Masse kauft zwar, ähnlich wie bei Lebensmitteln, vor allem billig. Doch eine kleinere Gruppe hat ein Bewusstsein für biologisch und fair hergestellte Produkte entwickelt. Ökomode ist oft so verarbeitet, dass sie länger hält als eine Saison und sie gilt in immer weiteren Kreisen als chic.

Leider ist es noch immer durchaus mit Arbeit verbunden, Produkte zu finden, die das „faire“ Versprechen erfüllen. In den üblichen Textilhandelsketten und Kleiderboutiquen bekommt man nur selten fair gehandelte und ökologisch unbedenkliche Textilien und Kleidung. Hier können sich Verbraucher nur anhand der Kennzeichnung mit textilen Gütezeichen orientieren. Doch Vorsicht ist geboten. Besonders in der Textil- und Bekleidungsindustrie zeigt sich eine Flut von Labeln, die oft von den Marken selbst hergestellt werden und keiner Qualitätsprüfung unterliegen.

Verbraucherzentrale hilft beim nachhaltigen Kleiderkauf

Eine neue Broschüre der Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH) hilft, ökologische und sozialverträgliche Bekleidung anhand von „verlässlichen“ Zeichen zu erkennen: Unter dem aussagekräftigen Titel „Korrekte Klamotten“ werden mehr als 30 übergeordnete und firmeneigene Textillabel vorgestellt, ihre Bedeutung erläutert und Hinweise zu den Vergabekriterien gegeben. Nützliche Tipps für den Kauf und die Pflege der Lieblingskleidungsstücke runden die kompakte Lektüre ab.

Für 1,80 Euro kann man hier die Broschüre als PDF-Version downloaden. Dazu gibt es als kostenlosen Download eine Broschüre mit rund 50 Online-Shops, die Bio-Kleidung anbieten.

1 Kommentar

  • Ich kaufe fast nur noch ausschliesslich second hand und habe mich damit vom Konsumrausch weitgehend verabschiedet. Aber nicht nur bei Klamotten, sondern auch bei Möbeln etc..
    Arbeitsteilung ist ja ok, aber die grossen Strukturen in der Industrie sind selbstzerstörerisch für Mensch, Tiere und Natur. Think global, buy local. Do it yourself, and repair all.