Kopenhagen – Flopp oder Teilerfolg?

Lange war sie angekündigt worden – als die entscheidende Verhandlungsrunde für ein neues Klimaschutzabkommen. Das Ergebnis der Klimakonferenz in Kopenhagen ist bekannt, wenn auch über die Feiertage etwas in den Hintergrund getreten. Es ist angenehmer, in der Runde der Liebsten den Kindern beim Geschenke auspacken zuzusehen, als darüber nachzudenken, dass eben diesen Kindern vor wenigen Tagen wieder einmal die Chance verwehrt wurde, in einem berechenbaren und lebensfreundlichen Klima aufzuwachsen.

Aber was ist eigentlich geschehen – beziehungsweise nicht geschehen? Die Teilnehmer der Konferenz konnte sich darauf einigen, dass die Klimaerwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen ist. Zwischenziele, die für die Erreichung des zwei-Grad-Ziels im Grunde unabdingbar sind, konnten hingegen nicht beschlossen werden.

Lieber ein abstraktes Ziel in ferner Zukunft als mindestens 25 Prozent weniger Treibhausgase emittieren bis 2020. Schließlich könnte man für ein Scheitern ja möglicherweise noch politisch verantwortlich gemacht werden. Die individuellen Reduktionsziele bis 2020 können die einzelnen Staaten nachträglich anfügen. Dabei Gilt: Keine rechtliche Verbindlichkeit, keine Verbesserung gegenüber dem Standpunkt vor der Konferenz, in der Summe keine 25 Prozent.

Eine weitere vage Absichtserklärung in der Abschlusserklärung der Konferenz, dem Copenhagen Accord, betrifft die finanzielle Hilfe für jene Länder, die von der Klimaerwärmung am stärksten betroffen sind und die, die kein Geld für effektiven Klimaschutz haben. Zwischen 2010 und 2012 sollen 30 Milliarden US-Dollar an die Entwicklungsländer fließen, ab 2020 jährlich 100 Milliarden. Wer das bezahlt und wie dieses Geld verteilt werden soll, bleibt offen. Ebenso bleibt offen, wie sicher gestellt werden soll, dass es sich bei diesen Transferleistungen wirklich um zusätzliches Geld handelt und nicht etwa im gleichen Atemzug die Entwicklungshilfe gekürzt wird.

Leider muss man konsternieren, dass der Gipfel mehr Fragen aufwirft, als er zu beantworten vermochte. Sind die Menschen wirklich bereit, heute auf einen kleinen Teil ihres Wohlstandes zu verzichten, um den zukünftigen Generationen eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen? Orientiert sich Politik nur am Gewinn der nächsten Wahl, oder geht es um das Wohl des Volkes?

Wichtig ist im Auge zu behalten dass das zwei-Grad-Ziel noch zu erreichen ist. Das Scheitern in Kopenhagen war „nur“ eine verpasste Chance. Das erhöht den zeitlichen Druck und macht einen Kompromiss schwieriger, aber nicht unmöglich. Die nächste Chance ist Mitte des Jahres in Bonn. Dort findet die nächste Klimakonferenz statt.

Oliver Hölzinger

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