Konsumverhalten der Deutschen schadet der Umwelt

Konsum - Umwelt
Konsum - Umwelt

Wie wichtig der Umwelt- und Klimaschutz ist, rückt immer mehr ins Bewusstsein der Deutschen. Doch unser Konsumverhalten spiegelt das nicht wider. Vor allem der starke Fleischkonsum und der Kauf von nicht saisonalen, importierten Lebensmitteln belasten die Umwelt und das Klima enorm. Das geht aus der Broschüre „Umwelt, Haushalte und Konsum“ hervor, die das Umweltbundesamt (UBA) am Dienstag vorgestellt hat. Um mehr zum Schutz unser Umwelt beizutragen, müssten wir vor allem unseren Konsum überdenken, so die Schlussfolgerung.

Vegetarismus war in Deutschland noch vor einigen Jahren eine relativ überschaubare Bewegung. Mittlerweile ist das anders geworden. Vegetarische Lokale liegen voll im Trend und im Supermarkt wird eine breite Palette an vegetarischen Lebensmitteln angeboten. Immer mehr Menschen entscheiden sich bewusst gegen den Konsum von Fleisch. Der Vegetarierbund Deutschland geht davon aus, dass sich Anfang 2015 rund 7,8 Millionen Deutsche vegetarisch (rund 10 Prozent der Bevölkerung) und 900.000 vegan (1,1 Prozent) ernährten – Tendenz weiter steigend. Zum Vergleich: Im Jahr 1983 sollen sich laut einer Untersuchung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) nur etwa 0,6 Prozent der Bevölkerung vegetarisch ernährt haben.

Fleischkonsum nimmt ab
Das zeigt sich auch in den aktuellen Daten zum Fleischkonsum, die das UBA aktuell veröffentlicht hat. So sank der der Fleischkonsum in Deutschland leicht: Während im Jahr 2000 noch 2,8 Millionen Tonnen Fleisch konsumiert wurden, waren im Jahr 2013 nur noch 2,6 Millionen Tonnen. Doch weniger Fleisch produziert wird in Deutschland deshalb nicht. Denn immer mehr davon exportieren wir ins Ausland. Der Export stieg von 0,8 Millionen Tonnen im Jahr 2000 auf rund drei Millionen Tonnen im Jahr 2013.

Fleischproduktion nimmt zu
Es werden also, trotz des leicht zurückgegangenen Fleischkonsums, heute in Deutschland tatsächlich weit mehr Tiere gezüchtet und geschlachtet als noch vor einigen Jahren. Für den Klima- und Umweltschutz bedeutet das eine große zusätzliche Belastung, so das Fazit des UBA. Die Produktion von einem Kilo Rindfleisch beispielsweise verursache zwischen sieben und 28 Kilo Treibhausgasemissionen. Hinzu komme, dass der Futtermittelanbau – zum Beispiel von Soja in Südamerika – viel Fläche benötigt. Ein Großteil davon wird durch die Abholzung des Regenwaldes geschaffen.

Auch in Deutschland belastet die Produktion von tierischen Produkten unsere immer knapper werdenden Ressourcen wie landwirtschaftliche Fläche und Wasser. Ein großes Problem: Um Felder zum Futtermittelanbau fruchtbar zu machen, muss viel gedüngt werden. Ein Teil dieses Düngers gelangt in Form von Nitrat mit dem Regen in umliegende Gewässer und somit letztendlich in unser Trinkwasser. In einem Bericht der EU-Kommission wurde Deutschland bereits wegen seiner »sehr schlechten« Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie gerügt. Laut Richtlinie ist eine Verschlechterung der Gewässerqualität verboten. In Deutschland ist sie jedoch trotzdem Realität.

Sorgloser Konsum schadet der Umwelt
Neben dem Fleischkonsum ist es auch unser sorglose und verschwenderische Umgang mit unseren Lebensmitteln, die der Umwelt und dem Klima erheblich schaden. Anstatt bewusst einzukaufen und zu essen, werfen wir nach wie vor zu viele – noch gute – Lebensmittel in den Müll. Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Rund 6,7 Millionen Tonnen Essen landen in deutschen Privathaushalten jedes Jahr auf dem Müll, schreibt das UBA. UBA-Präsidentin Maria Krautzberger erklärt, warum das ein großes Problem ist:

„Für jedes Nahrungsmittel brauchen wir Ackerflächen und Wasserressourcen, im In- wie im Ausland, wir verbrauchen Energie bei Herstellung und Transport und verwenden Dünge- und Pflanzenschutzmittel, die die Umwelt belasten. Lebensmittelabfälle zu vermeiden, ist deshalb ein wichtiger Beitrag zum Erhalt unserer Lebensgrundlagen.“

Deutsche kaufen oft nicht-saisonale Lebensmittel
Auch der Transport und die Logistik der Lebensmittel verursachen Emissionen, die sich bei einem bewussteren Umgang mit Nahrung eigentlich vermeiden ließen. Doch viele Deutsche kaufen oft nicht-saisonale Produkte, die von weit her importiert werden müssen: Erdbeeren im Winter oder Fisch aus Übersee belasten das Klima erheblich – das gilt vor allem für leichtverderbliche Lebensmittel, die mit dem Flugzeug transportiert werden müssen. Das UBA empfiehlt daher, beim Einkauf auf saisonale Produkte aus der Region zu achten. So könne man die Umwelt schonen und sich dennoch vielfältig ernähren.

Singlehaushalte am ressourcenintensivsten

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Ein weiterer Trend: inzwischen leben in rund 40 Prozent aller Haushalte Singles (Stand: 2014). Das bedeutet oft auch mehr Wohnfläche für den Einzelnen, verbunden mit höheren Energieaufwänden für Strom und Heizung. Und je mehr Haushalte, desto mehr Konsumgüter wie Autos, Wasch-maschinen, Kühlschränke, Computer und Mobiltelefone werden angeschafft. Nicht nur insgesamt, sondern auch pro Haushalt ist die Ausstattung gestiegen. Die Folge dieser Entwicklung sind ein höherer Material- und Energieverbrauch und Umweltbelastungen durch den nicht nachhaltigen Konsum.

Das Fazit von UBA Präsidentin Krautzberger: „Unsere Klimaschutzziele werden wir nur erreichen, wenn wir auch über unser Konsumverhalten nachdenken. Die gute Nachricht: Wer einen Beitrag zum Klimaschutz leisten möchte, hat durch eine bewusste Ernährung gute Möglichkeiten“.

Quelle: Umweltbundesamt

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