Kohlekraftwerke fördern Erdgasproduktion

Man darf skeptisch bleiben, ob der neueste Vorstoß in Sachen CO2-Abscheidung nur eine Zeitungsente ist oder in Wirklichkeit eine bahnbrechende Entwicklung zur Speicherung erneuerbarer Energien darstellt. Das Stuttgarter Unternehmen Solarfuel ist für ein Verfahren ausgezeichnet worden, mit dem es aus Wasserstoff und CO2 Methan herstellen will.

Das Verfahren klingt relativ einleuchtend: Aus Solar- und Windstrom wird per Elektrolyse Wasserstoff gewonnen und mit dem CO2 aus der Zement- und Kohleindustrie zu Methan synthetisiert. Der Vorteil: Das sogenannte „EE-Methan“ (EE steht für – wie könnte es anders sein – erneuerbare Energie) kann im bestehenden Erdgasnetz gespeichert und in herkömmlichen, gasbetriebenen Geräten genutzt werden.

Unendlich viele Rohstoffe

In Deutschland hat das Hochdruck-Erdgasnetz eine Länge von etwa 50.000 Kilometern, das Netz mit Niederdruckleitungen zu den Hausanschlüssen ist sogar insgesamt 370.000 Kilometer lang. Der Wirkungsgrad der Reaktion selbst soll bei etwa 60 Prozent liegen.

An dem für die „CO2-Produktion“ verantwortlichen Rohstoff dürfte es bis auf weiteres auch nicht mangeln: Solar- und Windstromkapazitäten werden beständig erweitert und die deutsche Industrie pustet immer noch genug CO2 pro Jahr in die Atmosphäre. Ein Ende ist nicht abzusehen, kämpft doch Bundeskanzlerin Merkel in der EU für die Verlängerung der Subventionen für die deutsche Steinkohleindustrie.

Das EE-Methan-Verfahren wäre auch eine sicherere Alternative zum politisch hoch favorisierten CCS-Verfahren (Carbon Dioxide Capture and Storage). RWE plant nach wie vor, in Schleswig-Holstein 150 Millionen Tonnen CO2 aus seinen Kohlekraftwerken einzulagern, das über eine 600 Kilometer lange Pipeline aus dem Ruhrgebiet nach Schleswig-Holstein gepumpt werden soll.

Die sicherere Variante

Insbesondere in den Landkreisen Flensburg und Nordfriesland soll es dann bekanntlich in 2.000 Meter Tiefe verpresst werden. Die Hoffnung, dass es sich dort sozusagen „in Luft auflöst“. Davon verspricht sich RWE, entsprechend viele seiner CO2-Zertifikate im Emissionshandel verkaufen zu können.

Bürgerproteste konnten die Umsetzung dieses wissenschaftlich brisanten Projektes jedoch bisher verhindern. Das EE-Methan-Verfahren wäre sicher die bessere Variante. Der einzige Nachteil: Es hätte ausgedient, wenn die fossilen Energieträger aussterben. Denn nur solange diese mit der alternativen Energiegewinnung koexistieren, macht das Verfahren einen Sinn.

Daniel Seemann

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