Klimakiller Industrialisierung

Das Riesenreich China zählt zu den größten Klimasündern der Erde. Schuld daran ist das enorme Wirtschaftswachstum und der damit verbundene Energiehunger, der seinen Höhepunkt noch längst nicht erreicht hat. Je mehr sich China zu einem reichen Industriestaat entwickelt, desto mehr Energie wird auch von den Einwohnern verbraucht. Im Gegensatz zu anderen Industrienationen liegt der pro Kopf Energieverbrauch derzeit gerade erst bei einem Drittel, dabei hat sich der Verbrauch innerhalb der letzten zehn Jahre bereits verdoppelt. Doch auch das enorme Wachstum in Sachen Energieausbau kann diesen Hunger nicht stillen. Kein Land der Erde hat so viele Atomkraftwerke im Bau, beziehungsweise in der Planung, wie China und nirgends werden so viele Windkraft- und Solaranlagen gebaut, wie im Reich der Mitte.

Die Volksrepublik China ist sich dieses Problems durchaus bewusst. Schon jetzt gehört das Land zu den größten Opfern der globalen Erwärmung und Phänomene wie Extremwetter, Dürreperioden und Überschwemmungen werden in der Zukunft noch zunehmen. Es muss etwas geschehen auf asiatischer Seite, um Energie zu sparen und Emissionen zu reduzieren. Das bevölkerungsreichste Land der Welt muss mutige Schritte gehen und die beträchtlichen Hürden, die zwischen der beschleunigten Industrialisierung und dem beachtlichen Energieverbrauch stehen, meistern, um die Treibhausemissionen zu reduzieren. Eine Hürde, die nicht so leicht zu erklimmen ist, zumal Chinas oberster Außenpolitiker Dai Bingguo auf das Recht einer wirtschaftlichen Entwicklung für sein Land pocht und neue Zusagen für eine Emissionsbegrenzung ausschließt.

Auch von den reichen Nationen müssen die auf der gescheiterten Weltklimakonferenz in Kopenhagen versprochenen Schritte umgesetzt werden, um den Entwicklungsländern bei der Bekämpfung der Erderwärmung unter die Arme zu greifen. Geplant war ein Klimafonds, in den jährlich bis zu 100 Milliarden US-Dollar gezahlt werden sollten, doch alleine die Anschubfinanzierung von 30 Milliarden US-Dollar für den Zeitrahmen 2010 bis 2012 kommt nur sehr schwerlich in Gang. Auch das Vorbereitungstreffen für den diesjährigen Klimagipfel in Cancun, der zum ersten Mal auf chinesischem Boden stattfand, konnte keine großen Streitfragen lösen. Alleine die Forderung nach einem „Mehr“ an CO2-Ausstoß für die in der Entwicklung befindlichen Länder und ein deutliches „Weniger“ für reiche Industrienationen seitens der chinesischen Klimaschützer schürte nur noch einmal mehr das Misstrauen zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern. Die Hoffnungen auf eine Lösung schwindet somit bei jedem Treffen ein wenig mehr, bleibt nur zu hoffen, dass sich auch das Reich der Mitte besinnt, damit es nicht länger den Rekord als größter Klimasünder hält!

Judith Schomaker

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