Internet Kuriositäten

Das Internet eröffnet uns zahllose Möglichkeiten, an Informationen über so ziemlich alles zu gelangen. Fast jeder Haushalt in Deutschland verfügt über diese gigantische Möglichkeit. Von den neuesten Nachrichten aus aller Welt bis hin zu Kochrezepten, die Fülle an Informationen ist schier erdrückend. Doch wie sieht es mit dem Wahrheitsgehalt aus, schließlich kann jeder seine Meinung im Internet kundtun oder Meinungen verbreiten und dabei ganz anonym bleiben – oder sich für eine andere Person ausgeben. Eine ideale Plattform, in der es immer wieder gelingt, durch Fiktionen und Unwahrheiten kontroverse Diskussionen auszulösen und die Leser in den Glauben zu versetzen, all das Geschriebene entspräche der Wahrheit.

In Zeiten, in denen sich immer mehr Menschen im Internet informieren, eine geradezu gigantische Chance ebendiesen Informationen aufzutischen, die frei erfunden oder falsch interpretiert sind. Ich möchte das Internet nun keinesfalls schlechtreden! Kein Medium ist in der Lage den Informationsfluss so breit zu streuen und so vielen Menschen zugänglich zu machen, wie das World Wide Web – nur die Gefahren sollten nicht unterschätzt werden.

Nehmen wir einmal den Klimawandel. Auf zig Seiten wird propagandiert, dass der Klimawandel nur eine große Lüge sei, dass die natürlichen Ressourcen an Gas und Erdöl keinesfalls dem Ende entgegen gingen oder die Erderwärmung nichts mit dem Umweltverhalten durch die Industrialisierung zu tun hätte. Belegt wird das durch Links auf irgendwelche Berichte und Forschungsergebnisse, die wiederum durch noch mehr Links auf weitere „Beweise“ verweisen. Wer sich einmal die Mühe macht, dieser „Linksammlung“ zu folgen, wird mangels Zeit sicherlich irgendwann aufgeben. Schließlich sucht man im Medium Internet nach schnellen (wahren) Informationen und möchte nicht zum Linkjäger mutieren. Wie also lassen sich nun wahre „Beweise“ für den Klimawandel von unwahren unterscheiden? Ein wenig Interpretation und Recherche sind hierfür unerlässlich, ein kleines Beispiel gefällig:

Immer wieder wird im Internet auf folgendes Zitat verwiesen, wenn es darum geht, den Klimawandel als große Mär darzustellen:

Prof. Heinz Zöttl von der Universität Freiburg, Institut für Bodenkunde und Waldernährungslehre, sagt: ”Man muss sich klarmachen, dass 96,7 Prozent der globalen CO2-Produktion aus natürlichen Quellen stammen”. Es wird weiterhin aufgegriffen, dass die übrigen, von Menschen produzierten 3,3 Prozent im Verhältnis also verschwindend gering und vernachlässigbar seien.

Klingt doch einleuchtend oder? Noch dazu aus dem Mund eines renommierten Professors! Der Klimawandel doch eine große Lüge? Recherchieren wir weiter!

Rund 400 Milliarden Tonnen CO2 werden jährlich aus natürlichen Quellen ausgestoßen, der anthropogene, also vom Menschen verursachte Ausstoß liegt hingegen „nur“ bei 25 Milliarden Tonnen. Vergleicht man diese CO2-Verteilung mit obigem Zitat, erscheint der von den Menschen verursachte Anteil eher gering, vernachlässigbar, und stützt die Aussage. Das verleitet schnell dazu, die Meinung zu bilden, der Mensch trage keine Schuld am Klimawandel, schließlich ist der Anteil aus natürlichen Quellen wesentlich höher und den gibt es schon ewig.

Jetzt sollte man aber nicht vergessen, weiter in die Tiefe zu gehen, bevor man sich eine Meinung bildet, denn diese Zahlen können schnell in die Irre führen. Die Potenzierung kleiner Effekte, die soeben noch als kaum wertbar erschienen, werden in ein ganz anderes Licht gerückt, wenn man sie im Zusammenhang betrachtet. Durch die Verwendung fossiler Brennstoffe setzt der Mensch innerhalb von wenigen Jahrzehnten so viel CO2 frei, welches vor der Industrialisierung von der Natur bereits aus der Atmosphäre gezogen werden konnte. Mit diesem Katalysatoreffekt kommt die Natur nun aber so schnell nicht mehr hinterher, die Folge ist ein stetiger Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre. Wenn diesen „kleinen“ Überschüssen kein Einhalt geboten wird, verstärkt sich der Effekt immer weiter und wird zunehmen zum Problem!

Bevor das Internet zur Findung „wahrer“ Aussagen genutzt wird, sollte man den Wahrheitsgehalt genau prüfen und sich selber ein wenig Gedanken machen. In diesem Sinne: Nicht alles, was auf zahlreichen Seiten geschrieben und durch Zitate oder schwammige Quellen belegt wird, für bare Münze nehmen, sondern sich selber die Mühe machen ein wenig zu recherchieren. Vertrauen ist gut, Kontrolle besser!

Judith Schomaker

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