Indigene Völker als Garant für Waldschutz

Soliga-Mädchen; Foto: © Kalyan Varma/Survival

Intakte Regenwälder sind gigantische Klimaanlagen, gewaltige Kohlenstoffspeicher und der Lebensraum für geschätzte 70 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten der Erde. Ihr Fortbestand ist eine wichtige Voraussetzung für Klimastabilität und im Umkehrschluss spielt ihre immer weiter voranschreitende Rodung eine maßgebliche Rolle beim Wandel unseres Klimas. Werden nämlich Waldflächen abgeholzt und verbrannt, geht nicht nur ihre klimaregulierende Funktion verloren, sondern das gespeicherte CO2 und andere Treibhausgase werden direkt in die Atmosphäre abgegeben.

Waldschutz bedeutet also Klimaschutz. Dass aber unter diesem Deckmantel leider auch ziemlich scheußliche Dinge passieren, zeigt die Existenz von Millionen sogenannter „Naturschutzflüchtlinge“ weltweit.

Es handelt sich dabei zumeist um indigene Völker, die aus ihrer, seit vielen Generationen bewohnten Heimat vertrieben wurden – ein Schicksal, das auch den Ogiek in West-Zentral-Kenia droht:

Dass eine derartig rücksichtslose Vorgehensweise nicht nur eine schwere Menschenrechtsverletzung darstellt, sondern auch für den Waldschutz absolut kontraproduktiv ist, beweist eine Studie der Weltbank. Demnach hat es für den Schutz des Waldes einen absolut positiven Effekt, wenn es der indigenen Bevölkerung ermöglicht wird, weiter in dem entsprechenden (Naturschutz-)Gebiet zu leben.

Im Rahmen der Studie konnte durch die Satellitenaufnahmen-Analyse der Entwaldungsraten nachgewiesen werden, dass die Rate von Waldbränden in indigenen Gebieten zwischen den Jahren 2000 und 2008 um 16 Prozent zurück ging. Für Daniel Nepstad, einem Wissenschaftler des Woods Hole Research Center, ist indigenes Land derzeit gar die „wichtigste Hürde bei der Abholzung des Amazonas-Regenwaldes”.

Weltweit liegen etwa 80 Prozent der Naturschutzgebiete auf dem Land indigener Gemeinden und immer wieder bestätigen Experten die positiven Effekte auf Natur und Wald. Stephen Corry, der Direktor von Survival International – einer Organisation die sich für indigene Völker einsetzt – ist der Meinung, dass hier langsam aber sicher ein Umdenken stattfindet: „Die Experten wachen endlich auf. Die Landrechte indigener Völker zu schützen ist auch der beste Garant für den Schutz ihrer Wälder. Es ist bedauerlich, dass nicht alle Naturschutzorganisationen sich damit anfreunden können.“

Matthias Schaffer

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