In 30 Sekunden per Mausklick die Welt retten

In 30 Sekunden per Mausklick die Welt retten

Im digitalen Zeitalter sind Protestaktionen im Internet in allen möglichen Bereichen gängige Praxis. Umwelt- und Naturschutz ist dabei ein großes Aktionsfeld. Hat eine eingetippte Unterschrift tatsächlich Gewicht gegen Firmen, die die Zerstörung von natürlichen Ressourcen für ihre Interessen billigend in Kauf nehmen?

Greenpeace sammelte über zwei Millionen Unterschriften weltweit gegen die Zerstörung der Arktis. Die Unterschrift eines Pouls aus Brasilien wurde genauso wie die von Margit aus Germany medienwirksam von Aktivisten der Umweltschutzorganisation in einer Kapsel in dem bedrohten Gebiet versenkt. Campact propagiert seit Wochen eine Petition gegen das Freihandelsabkommen zwischen der EU und der USA. Hunderttausende Surfer haben bisher unterzeichnet.

Name, Adresse, Unterschrift – Enter. In Sekundenschnelle ist der User zum Naturschützer geworden. Rettet den Regenwald e.V. hat wöchentlich neue Aufrufe auf seiner Seite und feiert aktuell einen errungenen Erfolg. Am anderen Ende der Welt. In Indonesien. Die Palmölfirma PT Kallista Alam wurde vom Gerichtshof in Medan zu einer Geldstrafe von umgerechnet 9,4 Millionen US-Dollar sowie zu 21 Millionen Dollar für die Wiederaufforstung des zerstörten Tripa-Torfwaldes verurteilt.

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Vorausgegangen war eine Klage von Aktivisten aus dem In- und Ausland und dem indonesischen Umweltministerium im Jahr 2012 gegen die Palmölfirma. Nun wurde ein historisches Urteil gefällt: eine hohe Strafe für illegale Brandrodung in dem geschützten Tripa-Wald. Die wertvollen Torfsümpfe sind als Teil des Leuser-Ökosystems eine „Nationale strategische Zone für Umweltschutz” und gleichzeitig wichtiger Lebensraum der letzten bedrohten Sumatra-Orang-Utans.

„Dieses Urteil ist eine klare Botschaft an alle Firmen, die glauben, sie könnten geschützten Wald zerstören und damit durchkommen“, sagt Muhammad Nur, Chef der Umweltorganisation WALHI Aceh, indonesischer Zweig von Friends of the Earth, über seinen Erfolg.

Rettet den Regenwald e.V. hatte sich im Frühjahr 2012 mit 50.000 Protestmails und 10.000 Euro Spendengeldern an der Kampagne gegen die Palmölfirma PT Kallista Alam beteiligt.

Auf Betreiben von WALHI verurteilte der Gerichtshof in Medan im August 2012 den inzwischen neu gewählten Gouverneur von Aceh, die Konzession zurückzuziehen.

Neben der hohen Geldstrafe und den Auflagen für den Tripa-Torfwald ließen die Richter des Bezirksgerichts von Meulaboh außerdem 5.769 Hektar Land konfiszieren, das sich PT Kallista Alam angeeignet hatte.

Ein gemeinsamer Erfolg mit Hilfe tausender Protestmails und Spendengelder aus dem deutschsprachigen Raum. Ein moderner Sieg unserer vernetzten Welt.

 

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