Grüne Zukunft für Städte

Auf dem Symposion zur Zukunft des Urbanen Grüns diskutierten kommunale Entscheider, Baumschul- und Landschaftsgärtner das Thema „Grüne Zukunft: Neue Sortimente braucht die Stadt“. Ziel der Fachtagung war es auf die Herausforderungen, die der Klimawandel an die Kommunen und die grüne Branche stellt, aufmerksam zu machen und Ansätze für Problemlösungen zu finden.

„Trockene, heiße Sommer, starke Unwetter, neue Krankheiten und Schädlinge – wir wissen, dass die Belastungen für Stadtbäume groß sind und weiter zunehmen werden“, erklärte Peter Menke, Vorstand der Stiftung Die grüne Stadt. „Die Frage ist, wie wir unsere Städte langfristig attraktiv begrünen.“

Welche Pflanzen und Baumarten künftig Straßen, Plätze und Grünanlagen prägen werden, ist ein viel diskutiertes Thema in Fachkreisen. „Problematisch ist, dass bisher in der Regel nur wenige Hauptbaumarten gepflanzt sind, was die Ausbreitung von Krankheiten und Schädlingen aber auch die Anfälligkeit der Bestände unter den verschärften Klimabedingungen verstärkt. Wir brauchen mehr Diversität“, erklärt Dr. Philipp Schönfeld von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Abteilung Landespflege in Veitshöchheim. „Um unsere theoretischen Annahmen über die Stresstoleranz einzelner Baumarten zu überprüfen, ist es jedoch unerlässlich, ihre tatsächliche Eignung in Forschungsprojekten mit der Realität abzugleichen.“

Gemeinsam mit drei Kollegen engagiert sich der Experte im Projekt „Stadtgrün 2021″, das seit 2009 an drei klimatisch unterschiedlichen Stadtstandorten in Bayern zwanzig Baumarten auf ihre Klimastresstoleranz testet. Im vergangenen Jahr wurde das Projekt um zehn weitere Baumarten erweitert. Insgesamt 650 Versuchsbäume hat das Projektteam im städtischen Raum gepflanzt und untersucht diese regelmäßig auf Frostschäden, Trockenstress, Schädlinge, Krankheiten, Phänologie (Austrieb, Laubverfärbung, Blattfall), Zuwachs und Nährstoffversorgung. Das Projekt im Auftrag der Bayerischen Staatsregierung läuft noch bis 2021. Die Experten raten, bei der Auswahl der Sortimente das lokale Klima zu berücksichtigen, da sich manche Baumarten besonders für harte Winter mit Schnee, Eis und Frost eignen, während andere sich für heißtrockene Sommer mit hohen Temperaturen empfehlen, die zukünftig vor allem in Großstädten vermehrt zu erwarten sind.

Grüne Konzepte für mehr Lebensqualität

Zum Thema innovative Konzepte im städtischen Grün referierte Andreas Kipar. Der Landschaftsarchitekt ist international tätig und betonte die Lebensqualität, die Grünflächen und Bepflanzungen Stadtbewohnern bringen. Für Kipar sind Bäume mehr als grüne Inseln in einer bebauten Stadt. Ihm geht es um eine grüne Infrastruktur, die sich durch den urbanen Raum zieht – mal auf kleiner, mal auf großer Fläche.

Kipar lud dazu ein, urbanes Grün neu zu denken und die Bürger und ihre Bedürfnisse dabei aktiv einzubinden. „Es gibt spektakuläre Vorzeigeprojekte, die Pflanzen und Architektur auf einmalige Weise zusammenbringen. Grün an Fassaden, auf Dächern und Brücken – solche ‚Ikonen‘ sind aufsehenerregend und schaffen ein Bewusstsein, welchen Wert urbanes Grün hat. Hier wachsen Bäume aber nur mit technischer Unterstützung. Um Natur erfahrbar zu machen, müssen wir dem Grün in der Stadt auch Raum geben, sich frei zu entfalten – ohne Belastungen von Bebauung und Straßen“.

Ein positives Beispiel für städtische Grünraumplanung ist die Stadt Essen, die sich den Titel „Grüne Hauptstadt Europas 2017″ sichern konnte. Im Rahmen der Bewerbung entwickelte man verschiedene Ziele für die Stadt. Eines davon ist, dass für alle Bewohner mindestens eine große Grünanlage in einem Umkreis von 500 Metern vom eigenen Wohnort erreichbar sein soll. Ein großer Erfolg der Ruhrmetropole ist bereits die Renaturierung der Bachzuläufe zur Emscher, die zudem mit Rad- und Fußwegen für die Bevölkerung erlebbar gemacht wurden.

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Die Fachveranstaltung wurde von der Messe Essen in Kooperation mit dem Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V. und der Stiftung Die grüne Stadt ausgerichtet. Bereits im Oktober 2015 fand in Barcelona das Jahrestreffen der Europäischen Green-City-Initiativen statt. Der internationale Austausch liefert wertvolle Anregungen für die Arbeit der jeweiligen Initiativen in den Ländern. Deren gemeinsame Aufgabe besteht in der Stärkung der Kommunen, die eine ausreichende Finanzierung der Grünaufgaben benötigen und in verstärkter Forschungsarbeit zur Grünen Stadt.

Quelle und weitere Informationen:
http://www.die-gruene-stadt.de/default.aspx

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