Grüne Superinsel für die Türkei

HavvAda Island

Um die Bosporus-Meerenge vom wachsenden Schiffsverkehrsaufkommen zu entlasten, kündigte der türkische Regierungschef Erdogan schon 2011 den Bau „eines der größten Projekte des Jahrhunderts“ an. Bis zum Jahr 2023 soll auf der europäischen Seite Istanbuls mit dem sogenannten „Kanal Istanbul“ eine rund 50 Kilometer lange, 150 Meter breite und 25 Meter tiefe Wasserstraße entstehen, die täglich bis zu 160 Schiffen die Durchfahrt ermöglicht. Das Architekturbüro Studio Dror hat sich dazu in einem nicht minder bombastischem Designkonzept überlegt, was mit der gewaltigen Mengen Schutt und Erde passieren soll, die bei dem Bau eines solchen Kanals anfällt. Nach den Visionen der Architekten könnte der „Abfall“ die Grundlage für eine neue Superinsel namens HavvAda Island bilden – ein Vorzeigeprojekt grüner Energien und nachhaltiger Lebensweise.

Aus über einer Milliarde Kubikmeter Erdreich, das dem Festland beim Bau des Kanals entnommen wird, soll laut Studio Dror das drei Kilometer lange HavvAda Island errichtet werden und nicht nur genug Lebensraum für insgesamt 300.000 Menschen bieten, sondern auf nachhaltige Art und Weise mehr Energie produzieren, als verbraucht wird. Das Zentrum der Insel bildet ein riesiges Amphitheater, das von sechs unterschiedlich großen Hügeln eingerahmt wird, die neue Maßstäbe in Sachen nachhaltiger Lebensweise setzen.

So wird die Insel der Zukunft nicht mehr von Klimaanlagen, sondern durch Meerwasser gekühlt und Solarpaneele sorgen gemeinsam mit einer Offshore-Windfarm für nachhaltig erzeugten Strom. Die sechs Hügel sind allesamt ausgehöhlt und jeder bietet nicht nur Platz zum Wohnen, sondern ist auch noch einem speziellen Zweck zugeordnet. In einem Hügel befindet sich ein Museum, ein anderer beinhaltet ein Gesundheits- und Sportcenter, ein dritter einen Entertainment-Komplex und auch für Business, Ausbildung und Kultur in Form von Theater ist gesorgt.

Die Schönheit einer Utopie

Schon der „Kanal Istanbul“ erscheint schwierig zu realisieren, aber im Vergleich zu HavvAda Island ist er geradezu ein Kinderspiel. Obwohl es sich definitiv um ein interessantes und spannendes Designkonzept handelt, wird die Superinsel also mit ziemlicher Sicherheit nie vor Istanbul vom Meer umspült werden. Die Pläne von Studio Dror erscheinen dafür einfach zu utopisch und ihrer Zeit voraus. Doch manchmal zählt es gar nicht, ob etwas auch tatsächlich gebaut wird. Viel wichtiger ist der Ausblick auf eine mögliche Zukunft, in der die Menschheit all ihr technisches Wissen dafür einsetzt, um möglichst im Einklang mit der Natur zu leben.

Matthias Schaffer

Add comment