Gerechter Klimaschutz

Die Wissenschaft ist sich weitgehend darüber einig, dass die Klimaerwärmung auf maximal Zwei Grad Celsius begrenzt werden muss, um eine „gefährliche Klimaerwärmung“ zu verhindern. Dazu ist eine massive Treibhausgasemissionsreduktion bekanntermaßen unverzichtbar. Aber wie sind Reduktionsmaßnahmen weltweit zu verteilen? – Ein entscheidender Punkt, der für ein wirksames Nachfolgeabkommen des Kyoto-Protokolls gelöst werden muss.

Schwellenländer wie China und Indien argumentieren, dass sie nur für einen sehr geringen Anteil der derzeitigen Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre verantwortlich sind. Daher hätten die Industrienationen die Hauptverantwortung für den Klimaschutz. Andererseits steigen die Treibhausgasemissionen gerade in den bevölkerungsreichen Schwellenländern besonders schnell an. China ist beispielsweise auf dem besten Wege, die USA als Klimasünder Nummer Eins abzulösen. Wenn die Schwellenländer sich nicht am Klimaschutz beteiligen, wird das Zwei-Grad-Ziel nicht zu erreichen sein. Einen interessanten Ansatzpunkt zur Lösung dieses Dilemmas bietet das Prinzip „Contraction and Convergence“.

Dieses ökonomische Konzept sieht vor, dass alle Menschen dieser Erde gleich viele Treibhausgasemissionen verursachen dürfen (Convergence). Da allerdings nicht alle die gleichen Emissionen verursachen, soll ein weltweiter Emissionszertifikatehandel ermöglichen, dass Bürger von Industrienationen mehr emittieren, sofern sie die Rechte an zusätzlichen Emissionen von Entwicklungsländern hinzukaufen. Dieser Transfer gibt dem Konzept auch eine entwicklungspolitische Dimension. Mit dem Geld können andere Projekte, beispielsweise Schulen finanziert werden, was zur Angleichung der Lebensverhältnisse beiträgt.

Auf der anderen Seite wird der Gesamtausstoß an Treibhausgasen insgesamt reduziert (Contraction), damit das Zwei-Grad-Ziel erreicht wird. Je nachdem, auf welchem Niveau man sich befindet, kann man seine Emissionen entweder ausweiten oder muss sie reduzieren – oder alternativ Emissionsrechte ver- beziehungsweise einkaufen. Entscheidend ist, dass die Emissionen insgesamt durch dieses Konzept „gedeckelt“ werden.

Es gibt viele Wissenschaftler, Politiker und Non-Governmental Organizations (NGOs), die sich für dieses Konzept aussprechen, wie beispielsweise der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen (WBGU). Ob sich ein solches Konzept politisch durchsetzen lässt, ist indes fraglich, da es für die Industriestaaten mit immensen Kosten verbunden ist. Nicht zu handeln, käme gesamtwirtschaftlich gesehen allerdings teurer. Die Kosten müssten jedoch hauptsächlich die Entwicklungsländer tragen, die zwar am wenigsten zum Klimawandel beitragen, aber am stärksten von den negativen Folgen betroffen sind.

Weitere Informationen und Grafiken zum Konzept „Contraction and Convergence“ finden sich zum Beispiel auf den Seiten des Global Commons Institute (GCI).

Oliver Hölzinger

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