Geplante Obsoleszenz – Quantität vor Qualität

kaputte Fernseher; Foto: morgueFile

Eine Strumpfhose, die niemals Laufmaschen bekommt, eine Glühbirne, die tatsächlich 100 Jahre leuchtet oder Computerspiele, die sich mit jedem beliebigen Betriebssystems eines Herstellers spielen lassen? Nicht unmöglich, wäre da nicht die geplante Obsoleszenz, welche die Haltbarkeit von Produkten bewusst verringert oder Schwachstellen einbaut, um somit das Wirtschaftswachstum weiter anzukurbeln.

Das Prinzip dieses künstlich verkürzten Produktlebenszyklus wurde schon in den 1920er Jahren angewendet, als das Phoebus Kartell – ein Zusammenschluss der Glühlampenhersteller General Electric, Osram, Philips, Tungsram, Compagnie des Lampes und Associated Electrical Industries – die Lebensdauer von Glühlampen auf 1.000 Stunden begrenzte. Dadurch sicherte sich die Glühlampenindustrie eine ständig ausreichende Nachfrage, um ihre Gewinne zu maximieren. Doch was ohne diese geplante Obsoleszenz geschehen kann, zeigt ein frühes Beispiel auf dem Automarkt: Seit dem Jahre 1905 beherrschte der leicht zu reparierende Ford T den US-amerikanischen Automarkt, über die Hälfte der amerikanischen Haushalte besaß im Jahre 1920 dieses Einheitsmodell.

Aufgrund der robusten Eigenschaften des Autos benötigten dessen Besitzer jedoch zunächst für lange Zeit kein neues Auto. So hatte Ford mit dem „T-Modell“ zunächst hohe Gewinne erzielen können, doch wurde ihm das eigene Modell nun zum Verhängnis, da Einnahmen stagnierten.

Um dies zu verhindern, bedient sich vor allem die Elektronikindustrie der Verkürzung des Produktlebenszyklus, indem sie beispielsweise die Haltbarkeit von Druckern auf eine festgesetzte Anzahl gedruckter Seiten reduziert. Eine Reparatur des defekten Druckers lohnt oftmals nicht, vielmehr wird zu einem Neukauf geraten. Weiterhin kann bei vielen elektronischen Geräten, zum Beispiel einem iPhone ein beschädigter Akku nicht ausgetauscht werden, folglich muss das ganze Gerät entsorgt werden.

Psychische Obsoleszenz

Doch die Produktstrategie der geplanten Obsoleszenz beschränkt sich nicht nur allein auf die funktionelle Verkürzung der Lebensdauer. Gerade im Zeitalter von Apple und Co. ist auch die psychische Obsoleszenz immer wichtiger geworden. Dabei wird ein Produkt immer wieder durch ein neues Design oder aufwendigere Funktionen aktualisiert. Vorherige Modelle wirken veraltet, abgenutzt und unmodern. Der Konsument wird dadurch zu einem Neukauf angeregt, auch wenn das bisherige Gerät noch vollständig intakt und funktionsfähig ist. Das wechselnde Design oder die Modellaktualisierung schaffen somit einen Konsumanreiz.

Nicht nur die enorme Energiemenge, welche bei der Herstellung der Produkte benötigt wird, stellt ein Problem dar. Auch der zu entsorgende Elektroschrott belastet Mensch und Umwelt. Ein Großteil der defekten Geräte wird in Dritte Welt Länder wie Ghana geschifft. Auf riesigen Müllhalden verbrannt, wird eine Vielzahl giftiger Schadstoffe freigesetzt.

Eine Alternative bietet das Portal www.handysfuerdieumwelt.de. Hier werden ausrangierte Handys bewertet und ein Rückkaufpreis angeboten. Der errechnete Betrag kann anschließend vom Handybesitzer ganz oder teilweise für Projekte der Deutschen Umwelthilfe spenden. Nicht mehr funktionsfähige Geräte werden angenommen und recycelt. Somit kann die geplante Obsoleszenz zwar nicht verhindert, doch deren Folgen vermindert werden.

Luisa Egenlauf

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