Frankreich will nächtliche Schaufensterbeleuchtung verbieten

Schaufenster

Auf den ersten Blick wirkte es wie ein großflächiger Stromausfall: Am 31. März um 20.30 Uhr gingen in vielen Städten Deutschlands die Lichter aus. Gleichermaßen verhielt es sich mit der Beleuchtung bekannter Gebäude in mehr als 5.000 Städten weltweit. Die sogenannte „Earth Hour“ findet jedes Jahr am letzten Samstag im März statt. Mit dieser Kampagne wird mittels Stromeinsparung versucht, auf die Klimaänderung aufmerksam zu machen.

Die französische Regierung geht nun ein Projekt mit mehr als bloßem Symbolcharakter an. Durch Sperrstunden will Frankreich der künstlichen Dämmerung in der Nacht Herr werden. Die zugehörige Verordnung gilt ab 1. Juli dieses Jahres und impliziert das Verbot der Beleuchtung von Schaufenstern und Co. von ein Uhr nachts bis sechs Uhr morgens.

Spezielle Regeln müssen aber erst noch veröffentlicht werden. Zumindest steht fest, dass sich Kommerz, Büros und auch Krankenhäuser daran zu halten haben. Ausgenommen sind Flughäfen und Städte mit mehr als 800.000 Einwohnern, in denen der Bürgermeister die Richtlinien vorgibt.

Hohe Einsparungen durch Sperrstunden

Innerhalb von zehn Jahren hat sich in Frankreich die Anzahl der künstlichen Beleuchtungen um 30 Prozent vermehrt. Dabei wird eine Senkung des Energieverbrauchs von Privataushalten um 38 Prozent bis zum Jahr 2020 angestrebt. In öffentlichen Gebäuden soll der Energieverbrauch bis 2020 um 40 Prozent reduziert werden.

Falls Frankreich die neuen Bestimmungen umsetzt, entspräche die bei Nacht reduzierte Strommenge 260.000 Haushalten. Somit könnten jährlich eventuell 170 Millionen Euro eingespart werden. Da es jedoch keine genauen Untersuchungen zur Wirkung von Sparmaßnahmen gibt, ist eine genaue Angabe noch nicht möglich.

Übrigens schreiten manche Franzosen auch ohne Verordnung zur Tat. So versammeln sich mancherorts die Aktivisten „Clan du Néon„, sobald es dunkel wird und entlassen die Stadt in eine natürliche Finsternis. Denn meist befindet sich neben den Leuchtschriften ein Schalter, der sich einfach bedienen lässt. Somit bleibt die Aktion auch legal. Apotheken und Kneipen werden von den Gruppen aber ausgeklammert.

Schaufenster-groß-2892636581 8181350431 bWiderstand kommt aus der Geschäftswelt

Anfangs war die Rede von einer Drosselung der Belichtung nach Ladenschluss. Die Lobby des Handelbetriebes wehrte sich jedoch erfolgreich dagegen. Zusammen mit der Tourismusindustrie hofft sie auf Ausnahmeregelungen zu Weihnachten und anderen Tagen sowie in bestimmten Zonen der Städte.

Veränderte Bedingungen für Tier und Mensch

Vom ökologischen Standpunkt her ist die Lichtverschmutzung besonders für Tierarten gefährlich. Laternen, Schriftzüge, Scheinwerfer und beleuchtete Fenster ändern deren biologischen Rhythmus und sorgen für Orientierungslosigkeit. Lampen mutieren dabei zu Insektenfallen. Auch auf den Menschen wirken sich die künstlichen Lichtquellen gesundheitlich negativ aus. Das könnte ein Grund sein, die Lichtkonzepte zukünftig auch in Deutschland zu überdenken.

Jenny Lohse

1 Kommentar

  • Na wunderbar, dass ist schon lange lange überfällig! Wenn man bedenkt, wieviel Strom bei so einer Abschaltung gespart werden kann! Ich kann nur hoffen, dass es sich auch Europaweit durchsetzt. Ich habe mich schon lange gefragt, warum müssen diese Schaufenster immer beleuchtet sein reicht doch auch von 20h-24h danach ist doch eh keiner mehr unterwegs.