Forscher patentieren Alge mit Speckgeschmack

So sieht die nach Speck schmeckende Alge aus.
So sieht die nach Speck schmeckende Alge aus.

Amerikanische Wissenschaftler haben eine echte Alternative zum beliebten, doch ungesunden Schweinespeck entdeckt und sich vergangene Woche erfolgreich patentieren lassen: Eine essbare Rotalge namens Dulse. Die Alge ist nicht nur gesund, sondern schmeckt nach Angaben der Forscher gebraten genauso wie Speck und wächst so rasant, dass sie künftig eine echte Revolution auslösen könnte – und zwar nicht nur in der Küche.

Rotalgen sind als Nahrungsmittel bislang nicht sehr beliebt. Auch in Mitteleuropa und Deutschland sind die Pflanzen eher unbekannt. Doch das könnte sich bald ändern. Die Rotalge Dulse könnte zumindest im gebratenen Zustand bald in aller Munde sein. Sie dürfte bei jedem, der es gerne deftig mag und der sich ein saftiges Stück Speck zu seinen Frühstückseiern schmecken lässt, gut ankommen – denn sie schmeckt dem tierischen Produkt zum Verwechseln ähnlich, wie jetzt US-Forscher von der Oregon State University herausfanden.

Die nutzen Dulse zunächst nur als Futterpflanze für die Züchtung von Meeresfrüchten, bemerkten jedoch bald, dass die Tiere, denen die Algen verfüttert wurden, sehr viel schneller wuchsen als mit anderen Zuchtmethoden. Bei Experimenten mit der Meerespflanze zum menschlichen Verzehr stießen die Forscher dann auf den leckeren Geschmack im gebratenen Zustand und meldeten die Alge vergangene Woche erfolgreich zum Patent an.

Dulse könnte künftig als eine exzellente Quelle für pflanzliches Protein dienen und dabei vor allem bei Vegetariern und gesundheitsbewussten Menschen großen Anklang finden, glauben die Forscher. Die Alge hat im getrockneten Zustand einen Anteil an Protein von 16 Prozent, ist reich an Vitaminen, Mineralien und Antioxidantien. Außerdem ist sie natürlich wesentlich fettärmer als ihr geschmacklicher Konterpart. Eine gesunde Variante des Schweinespecks. Für viele Menschen ist das sicherlich eine gute Nachricht. Umso überraschender, dass Rotalgen in der Vergangenheit nur wenig nachgefragt wurden. Lediglich in Nordeuropa – in Irland, Norwegen und Schottland – wird sie im getrockneten Zustand schon seit Jahrhunderten gerne gegessen. Dabei könnte Dulse nicht nur in der Küche eine echte Revolution auslösen, sondern auch einen großen Beitrag zum Schutz der Umwelt leisten.

Charlie Yarish, Professor für Ökologie und Biologie an der Universität von Connecticut, hat über viele Jahre selbst Seealgen angebaut, um die Gewässer rund um Connecticut und Long Island sauber zu halten. Der Vorteil der Pflanzen: Sie wachsen nicht nur in verschmutzten Gewässern, sondern sie fühlen sich dort richtig wohl und gedeihen prächtig. Der Forscher betrachtet die Seealgen als eine Form von Getreide – mit gewaltigen Vorteilen gegenüber Weizen und Co.

„Es ist eine Nutzpflanze, die kein Süßwasser zum Anbau benötigt, sie benötigt nicht einmal fruchtbares Land“, so Yarish gegenüber dem Onlinemagazin Thinkprogress. Der von den US-Forschern patentierte Stamm der Rotalge Dulse wächst zudem äußerst schnell. In nur zehn Tagen verdoppelt die Alge ihr Gewicht. Auch ist sie sehr leicht zu züchten. Um sie kommerziell anzubauen braucht es nur etwas Sonnenlicht und zirkulierendes Wasser. Perfekte Umstände also für die Zucht im großen Stil.

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Durch ihre Eigenschaft, CO2 aus dem Meerwasser aufzunehmen, könnte sie außerdem helfen, die Folgen der Industrialisierung zu mindern. Wegen uns Menschen gelangen immer größere Mengen an CO2 in die Luft und auch in die Ozeane. Die Folge ist, dass der PH-Wert des Wassers steigt. Die Meere werden saurer. Für viele Meerestiere ist das ein Problem. Schalentiere beispielsweise bilden in sehr saurem Wasser nur schwer ihr Außenskelett. Algen hingegen gedeihen auch in saurem bzw. CO2-haltigem Wasser. „Algen sind die Gewinner, wenn die Ozeane saurer werden. Sie können mehr CO2 aus dem Wasser absorbieren und verringern so den PH-Wert der Meere“, erklärt Yarish.

Die Entdeckung der neuen, schnell wachsenden „Speckalge“ hat demnach großes Potenzial. Die Forscher aus Oregon sagen sogar, es sei wahrscheinlich die ertragreichste Proteinquelle der Erde. Eine leicht zu züchtende, umwelt- und ressourcenschonende Pflanze, die nach Speck schmeckt und gesund ist – für die neun Milliarden Menschen, die 2050 voraussichtlich auf der Erde leben werden, vielleicht eine echte Bereicherung.

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