Extremwetterkongress: Zahl extremer Wettereignisse steigt

Hochwasser

Extremwetterereignisse wie Hitzewellen, Stürme oder Fluten nehmen zu. Das war der Konsens auf dem diesjährigen Extremwetterkongress in Hamburg. Wissenschaftler und Experten wiesen auf die Zunahme extremer Wetterereignisse in Deutschland hin.

Die Zahl wetterbedingter Naturkatastrophen in Deutschland hat sich seit den 1970er Jahren verdreifacht, wie aus der Naturkatastrophendatenbank von Munich Re hervorgeht. Professor Peter Höppe, Leiter der Georisikoforschung des weltweit größten Rückversicherers, macht hierfür vor allem Veränderungen in der Atmosphäre verantwortlich.

Auch das Datenarchiv des Deutschen Wetterdienstes deutet auf eine Zunahme von Extremereignissen hin. Es zeigt, dass sich Wetterextreme nicht nur global, sondern auch in Deutschland bereits verändert hätten. Dies trifft hierzulande am deutlichsten für die Temperatur zu, aber auch die Häufigkeit von Starkniederschlägen weist regional und saisonal differenzierte Trends auf, wie Dr. Paul Becker, Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes sagte.

Prof. Dr. Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (GEOMAR) sieht einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem steigenden Kohlendioxidausstoß und den Temperaturentwicklungen. Der Klimaverlauf seit Beginn der Industrialisierung entspringe dem Miteinander natürlicher Klimavariabilität und anthropogener Einflüsse. Das Jahrzehnt 2000 bis 2009 sei das wärmste seit Beginn der flächendeckenden instrumentellen Messungen gewesen und in den 20 Jahren seit der Klimarahmenkonvention von 1990 sei der weltweite Kohlendioxidausstoß um gut 40 Prozent gestiegen. Das Zwei-Grad-Ziel wird von den Experten damit als nur noch theoretisch erreichbar eingestuft. Sie gehen stattdessen von einem deutlich höheren Temperaturanstieg aus. Weiter werden Modellszenarien zufolge Stürme und Starkniederschläge und dadurch ausgelöste Überschwemmungen in den kommenden 30 Jahren weiter zunehmen.

Die Wissenschaftler betonten die Notwendigkeit eines besseren und direkteren Frühwarnsystems bei Extremereignissen. Nach dem heißen Sommer 2003, der vermutlich über 7.000 Menschen das Leben gekostet hat, wurde bereits das Deutsche Hitzewarnsystem realisiert, dass sich schon im Sommer 2006 aktiv bewährte. Doch das genüge bei weitem nicht. Man müsse auch abwegige Szenarien durchspielen und mit unwahrscheinlichen Ereignissen rechnen, und sich fragen, ob die Informationswege adäquat und die Versorgung im Extremfall gesichert sei, erklärte Prof. Dr. Martin Claußen, Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie.

Mit zunehmendem Bevölkerungswachstum steigt zudem die Verwundbarkeit; der Trend geht hin zu immer höheren Schäden durch Naturkatastrophen. Obendrein sei Deutschland durch die Energiewende noch anfälliger für Starkwetterereignisse. Mit einem steigenden Anteil erneuerbarer Energien steige die Anfälligkeit der Energieversorgungssicherheit durch Extremwetterereignisse, erklärte Prof. Dr. Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Man müsse daher vor allem bessere und mehr Speichermöglichkeiten schaffen.

Der Extremwetterkongress tagt seit 2006 alljährlich, um die Öffentlichkeit über den Stand der Wissenschaft zum Thema extreme Wetterereignisse und den Klimawandel zu informieren.

Josephin Lehnert

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