EU verzeichnet wieder steigende Treibhausgasemissionen

CO2; Bild: shutterstock

Nach Angaben der Europäische Umweltagentur (EUA) haben die Staaten der Europäischen Union 2010 2,4 Prozent mehr Treibhausgase produziert als es 2009 der Fall war. Als Gründe dafür werden die wieder erstarkte Wirtschaft in vielen Ländern und der vermehrte Heizwärmebedarf durch den besonders kalten Winter letzten Jahres genannt.

Diese Zunahme ist zwar keine gute Nachricht, aber der Anstieg fiel letztlich doch geringer aus, als eigentlich befürchtet. Das liegt einerseits an der vermehrten Nutzung von Erdgas statt Kohle und andererseits an einem starken Wachstum im Bereich der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen.

Auch das Ziel des Kyoto-Protokolls von 1997 – nach dem die 15 damaligen EU-Mitgliedsstaaten bis Ende 2012 eine gemeinschaftliche Emissionsverringerung um acht Prozent unter das Niveau des Basisjahres 1990 schaffen wollen – ist durch die steigenden Treibhausgasemissionen noch nicht gefährdet. Mit 10,7 Prozent unter dem Jahr 1990 lag der Treibhausgasausstoß 2010 absolut im Rahmen der Vorgaben.

„Sorgenkinder“ innerhalb der EU-15-Staaten sind allerdings Österreich, Italien und Luxemburg, die ihre Emissionsziele noch nicht erfüllt haben und weitere Maßnahmen ergreifen müssen. Abgesehen von Zypern und Malta haben übrigens auch alle Länder, die der Europäischen Union seit 2004 beigetreten sind, individuelle Ziele im Rahmen des Kyoto-Protokolls vereinbart und liegen bei deren Einhaltung bisher im Plan. Um das vorläufige – von vielen Seiten allerdings als viel zu wenig ambitioniert bezeichnete – Endziel der EU-27-Staaten von einer Senkung der Treibhausgasemissionen bis 2020 um mindestens 20 Prozent gegenüber 1990 zu erreichen, steht den EU-Ländern allerdings noch ein hartes Stück Arbeit bevor.

Mit einem ganz eigenen Problem haben außerdem viele osteuropäische Staaten zu kämpfen. Sie haben zwar ziemlich beeindruckende Emissionsreduktionen zu verzeichnen, aber diese beruhen auf großen wirtschaftlichen Problemen. So hat sich beispielsweise Polen verpflichtet, die Treibhausgasemissionen bis 2012 um insgesamt sechs Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken und glänzte bereits 2007 mit einem Minus von 24 Prozent. Dahinter steckt allerdings weniger eine ausgeklügelte Klimapolitik, als vielmehr hohe Arbeitslosenzahlen und eine schlechte wirtschaftliche Lage.

In ihrer Pressemitteilung warnt die Europäischen Umweltagentur (EUA) außerdem vor dem Scheitern der europäischen Klimaziele, sollten nicht auch Maßnahmen in Sektoren, die nicht unter den EU-Emissionshandel fallen (Verkehr, Privathaushalte oder Abfallentsorgung) ergriffen werden.

Matthias Schaffer

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